Stel­lung­nah­me zum Angriff des Bam­ber­ger Finanz­re­fe­ren­ten auf die Freie Kultur

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Pres­se­mit­tei­lung von „kon­takt – Das Kulturprojekt“:

Stel­lung­nah­me zum Angriff des Käm­me­rers und Immo­bi­li­en­re­fe­ren­ten der Stadt Bam­berg auf die Freie Kul­tur in Bamberg

Kul­tu­rel­le Zwi­schen­nut­zung ermöglichen

Seit 2012 nut­zen wir tem­po­rä­re Leer­stän­de in Bam­berg und bele­ben so zeit­wei­se Bra­chen und Gelän­de mit Musik, Tanz, Aus­stel­lung, Per­for­man­ces und vie­lem mehr. Wir ermög­li­chen Frei­räu­me und brin­gen Men­schen mit­ein­an­der und mit Kunst in Kontakt.

Die Nut­zung des Leer­stands erfolg­te immer in enger Abstim­mung mit den Eigentümer:innen sowie der Bau­ord­nung und koste­te neben vie­len, vie­len ehren­amt­li­chen Arbeits­stun­den auch regel­mä­ßig eini­ges an Geld, das für die Her­stel­lung von Ver­kehrs­si­cher­heit, Strom- und Was­ser­ver­sor­gung und Mie­te auf­ge­wen­det wurde.

Wir wer­ten die Gelän­de sicht­bar auf, immer in der Hoff­nung einen Raum zu fin­den, an dem sich eine kul­tu­rel­le Nut­zung ver­ste­ti­gen kann. Mit die­ser Hoff­nung und der Aus­sicht in Bam­berg Frei­räu­me zu schaf­fen, mit unse­ren Ver­an­stal­tun­gen und Aktio­nen wur­den wir viel­fach aus­ge­zeich­net und haben den Deut­schen Bür­ger­preis, den Kul­tur­för­der­preis der Stadt Bam­berg, den Baye­ri­schen Inno­va­ti­ons­preis Ehren­amt und den Enga­ge­ment­för­der­preis der bag­fa gewonnen.

Seit 20 Jah­ren berei­chern wir das kul­tu­rel­le Leben in Bam­berg und sind Teil des Rin­gens um kul­tu­rel­le Zwi­schen- und Frei­räu­me, des Rin­gens um bezahl­ba­re Mie­ten und Ver­tei­lung von För­der­gel­dern. Wir wis­sen, wie müh­sam es für die freie Kul­tur­sze­ne in Bam­berg ist und hat­ten bis­her meist ein wohl­wol­len­des Ent­ge­gen­kom­men bei Nut­zungs­ge­büh­ren, Mie­ten, etc. Nun aller­dings erle­ben wir einen mas­si­ven Angriff auf unser Festi­val aus dem Finanz- und Immo­bi­li­en­re­fe­rat der Stadt Bam­berg, bei dem wir den Ein­druck haben, dass unser Festi­val ver­un­mög­licht wer­den soll.

Am Diens­tag, den 14. Mai, also 9 Tage vor Festi­val­be­ginn, haben wir einen Nut­zungs-Ver­trags­ent­wurf vor­ge­legt bekom­men, der vor­sieht, dass wir zum drit­ten Mal in Fol­ge 500€ Mie­te für den Leer­stand des ex-Metal­luk-Gelän­des zah­len sol­len. Auf die­sen Ver­trag haben wir seit Anfang des Jah­res gewar­tet, seit klar war, dass wir das Gelän­de noch ein­mal für das Festi­val nut­zen können.

Per E‑Mail wur­de uns anschlie­ßend mit­ge­teilt, dass sich das Immo­bi­li­en­ma­nage­ment der Stadt aus­führ­lich mit der Berech­nung einer „rea­len Mie­te“ für kon­takt – Das Kul­tur­fe­sti­val beschäf­tigt hat. Her­aus­ge­kom­men ist: 14.570 € für die Festi­val­zeit, samt Auf- und Abbau. Davon ent­fal­len nur 500 € auf uns und man konn­te sich stadt­ver­wal­tungs-intern dar­auf eini­gen, dass der rest­li­che Betrag von ca. 14.000 € aus dem Glo­bal­be­trag Kul­tur der Stadt bezahlt wird, also allen ande­ren Akteur:innen der frei­en Kul­tur­sze­ne, weg­ge­nom­men wer­den soll.

Der Glo­bal­be­trag Kul­tur ist für die För­de­rung der frei­en Kul­tur­sze­ne gedacht und wird jähr­lich vom Stadt­rat in den Haus­halts­be­ra­tun­gen fest­ge­legt (2024: 315.000 €) und setzt sich aus der insti­tu­tio­nel­len För­de­rung (2024: 233.130 €), der Pro­jekt­för­de­rung (48.370 €) sowie Son­der­för­de­run­gen (z.B. Gärt­ner- und Häcker­mu­se­um und Zuschuss für das Kes­sel­haus, Kin­der­kunst­schu­le…) zusam­men. Unser Trä­ger­ver­ein, der ASTA Bam­berg e.V. erhält seit 2016 jähr­lich 15.000 € aus der insti­tu­tio­nel­len Kul­tur­för­de­rung für kon­takt – das Kul­tur­fe­sti­val und sein Jahresprogramm.

Der gesam­te städ­ti­sche Ver­wal­tungs-Haus­halt ist: 296.181.800 €.

Die Kul­tur­för­de­rung der frei­en Sze­ne ist also ein ver­schwin­dend gerin­ger Anteil am städ­ti­schen Haushalt.

Wir wer­ten die kurz­fri­sti­ge Erhö­hung der Mie­te um über 2000% auf mehr als 14.000 € weni­ger als zwei Wochen vor Festi­val­be­ginn für das leer­ste­hen­de Metal­luk-Gelän­de als Angriff auf die freie Kul­tur­sze­ne und ins­be­son­de­re auf kon­takt – Das Kulturfestival.

Wenn nun das kon­takt „nur“ 500 € zahlt und der Dif­fe­renz­be­trag vom Glo­bal­be­trag Kul­tur abge­zo­gen wird (ca. 1/3 der Sum­me, die noch für Pro­jekt­för­de­rung übrig ist), beför­dert der städ­ti­sche Finanz­re­fe­rent Bert­ram Felix Ver­drän­gung und Kan­ni­ba­li­sie­rung der frei­en Kultur.

Über die gesetz­li­che Grund­la­ge zur Not­wen­dig­keit der Erhö­hung der Mie­te bestehen auch inner­halb der Stadt­ver­wal­tung – unter­schied­li­che Rechtsauffassungen.

Wir hal­ten eine Ent­nah­me der ver­meint­lich offe­nen Rest­miet­for­de­rung aus dem Glo­bal­be­trag Kul­tur für falsch und leh­nen eine sol­che ab. Wir möch­ten auch nicht Teil eines Deals in Hin­ter­zim­mern sein, son­dern trans­pa­rent blei­ben und um öffent­li­che Unter­stüt­zung für die freie Kul­tur in Bam­berg bitten.

kon­takt – Das Kul­tur­pro­jekt steht für Soli­da­ri­tät, Ver­net­zung und Aus­tausch inner­halb der Frei­en Sze­ne in Bam­berg. Daher kön­nen wir das oben beschrie­be­ne Vor­ge­hen nicht kom­men­tar­los hin­neh­men. Schafft man so ein schlech­tes Bei­spiel für über­zo­ge­ne (Zwi­schen-) Nut­zungs­ge­büh­ren des öffent­li­chen Rau­mes, scha­det das nach­hal­tig allen Initia­ti­ven, Ver­ei­nen und Projekten.

Ein Aus­spie­len der viel­fäl­ti­gen kul­tu­rel­len Akteur:innen aber darf es nicht geben und wir kri­ti­sie­ren scharf den Plan, dass wei­te­re ca. 14.000 € vom Glo­bal­be­trag Kul­tur ent­nom­men wer­den sollen.

Wir möch­ten und wer­den wei­ter­hin auf die seit Jah­ren bestehen­de Raum­not für kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen hin­wei­sen, Zwi­schen­nut­zun­gen ein­for­dern und die pre­kä­re finan­zi­el­le Aus­stat­tung des Kul­tur­be­reichs benen­nen. Hier freu­en wir uns über Unter­stüt­zung und Soli­da­ri­tät bei wei­te­ren Aktionen.

Als kon­struk­ti­ven Vor­schlag for­dern wir die Stadt­ver­wal­tung Bam­berg auf, sich ein ver­bind­li­ches Ver­fah­ren zu geben, wie sie kul­tu­rel­le und sozia­le Zwi­schen­nut­zun­gen ermög­li­chen wird. Und einen dau­er­haf­ten Raum für die freie Kul­tur­sze­ne zu schaffen.

Bernd Strich für kon­takt – Das Kulturprojekt


Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt unter https://​www​.kon​takt​-bam​berg​.de

2 Antworten

  1. stefan Gundlich sagt:

    Liegt es etwa an den Zuwen­dun­gen der Regie­rung von 50.000€, von der man gern ne Schei­be abha­ben will. Und man darf hier auch ger­ne mal die höhe der För­de­rung“ Hoch­kul­tur “ nen­nen. Also unser teue­re Com­bo aus der Kon­zert­hal­le. Die, man ver­zei­he mir, ein ehr klei­nes Publi­kum ansprechen.

  2. Hans-Günter Brünker sagt:

    Vie­len Dank für euer seit Jah­ren kon­ti­nu­ier­li­ches Engagement 😀 

    Was hier geschieht ist ein­fach unsäg­lich und letzt­end­lich die Spit­ze des Eis­bergs. Ich hof­fe sehr, dass die Pro­ble­me der frei­en Kul­tur­ar­beit in Bam­berg damit einer brei­te­ren Öffent­lich­keit trans­pa­rent wer­den. breiteren

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