Stadt­bü­che­rei Forch­heim lädt zu Vor­trag mit Gespräch

Die Stadt­bü­che­rei Forch­heim lädt zu einem Vor­trag mit Gespräch in die Spi­tal­str. 3 am 05. Juni 2024 um 19:30 Uhr: Fried­bert Stüh­ler, ehe­ma­li­ger Leh­rer und jahr­zehn­te­lan­ger Fach­be­treu­er für Ethik und Phi­lo­so­phie am Her­der-Gym­na­si­um, wird die wirk­mäch­ti­ge phi­lo­so­phi­sche Denk­tra­di­ti­on „Kri­ti­sche Theo­rie“ über einen Zeit­raum von etwa 100 Jah­ren bis in die Gegen­wart vor­stel­len. Der Ein­tritt ist frei.

Im Rück­griff auf sein Buch „Auf den Spu­ren der Kri­ti­schen Theo­rie und der moder­nen Sozi­al­phi­lo­so­phie“ (erschie­nen 2020 im LIT-Ver­lag) stellt er in sie­ben Sta­tio­nen Autoren mit Bil­dern und vie­len Ori­gi­nal­zi­ta­ten vor: Der Bogen spannt sich von den Phi­lo­so­phen Wal­ter Ben­ja­min, Theo­dor W. Ador­no, Gün­ther Anders, Jür­gen Haber­mas bis hin zu den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­lern Bern­hard Pörk­sen und Frie­de­mann Schulz von Thun, dem Sozi­al­phi­lo­so­phen Hart­mut Rosa und dem Psy­cho­the­ra­peu­ten Joa­chim Bauer.

Inhal­te des Vortrags:

  • Der Kul­tur­phi­lo­soph Wal­ter Ben­ja­min lenkt in sei­nen geschichts­phi­lo­so­phi­schen The­sen die Auf­merk­sam­keit auf die geschicht­li­che Lei­d­er­fah­rung und äußert gro­ßen Zwei­fel am Fort­schritts­ge­dan­ken in der Moderne.
  • Der mit ihm befreun­de­te Phi­lo­soph Theo­dor W. Ador­no sieht in der euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on eine bloß instru­men­tel­le Ver­nunft am Werk, die vor­wie­gend der Herr­schaft über Men­schen und über die Natur dient. Sowohl in der kapi­ta­li­sti­schen Öko­no­mie als auch in den Struk­tu­ren des moder­nen Lebens dia­gno­sti­ziert er Entfremdung.
  • Eine beson­de­re Posi­ti­on ver­tritt der Phi­lo­soph Gün­ther Anders. Ange­sichts der ato­ma­ren Bedro­hung for­mu­liert er radi­ka­le Zwei­fel am mora­li­schen und poli­ti­schen Ver­mö­gen des Men­schen, die Tech­nik zu beherr­schen, die er her­vor­ge­bracht hat.
  • Der Phi­lo­soph Jür­gen Haber­mas begrün­det mit der Abkehr von der radi­ka­len System­kri­tik sei­nes Leh­rers Ador­no eine Neu­ori­en­tie­rung der Kri­ti­schen Theo­rie. Gegen die erkenn­ba­ren Zwän­ge des Systems setzt er in sei­ner Sozi­al­phi­lo­so­phie auf die kom­mu­ni­ka­ti­ve Ver­nunft. Das von ihm ent­wickel­te Dis­kurs­prin­zip mit der Idee einer herr­schafts­frei­en und ver­nunft­ge­lei­te­ten Ver­stän­di­gung soll die moder­ne Zivil­ge­sell­schaft för­dern und die Demo­kra­tie stärken.
  • Im Anschluss an Haber­mas wer­den von den Wis­sen­schaft­lern Bern­hard Pörk­sen und Frie­de­mann Schulz von Thun das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kli­ma und die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stö­run­gen im öffent­li­chen Raum und auch in den digi­ta­len Medi­en kon­kret untersucht.
  • Ergän­zend zu Haber­mas weist der Psy­cho­the­ra­peut Joa­chim Bau­er in der neu­ro­bio­lo­gi­schen For­schung nach, dass es eine neu­ro­na­le Basis gibt, die den Men­schen zur Kom­mu­ni­ka­ti­on und Koope­ra­ti­on befä­higt. Der Mensch ist auf sozia­le Reso­nanz ausgelegt.
  • Der Sozi­al­phi­lo­soph Hart­mut Rosa greift auf die Kri­ti­sche Theo­rie und spe­zi­ell auf Haber­mas zurück und legt mit sei­ner Reso­nanz­theo­rie eine spe­zi­fi­sche Fort­set­zung vor.
  • Ein reso­nan­tes Ver­hält­nis zwi­schen Sub­jekt und Welt kann als Grad­mes­ser für ein gelin­gen­des Leben betrach­tet wer­den. Gegen die Ent­frem­dung steht die Reso­nanz als Ver­spre­chen der Moderne.

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