Sel­te­ne Heu­schrecken­art erst­mals auch in Bam­berg nachgewiesen

Italienische Schönschrecke © Dr. Jürgen Gerdes
Italienische Schönschrecke © Dr. Jürgen Gerdes

Anzei­chen des Kli­ma­wan­dels: Bei der Natur­schutz­fach­kar­tie­rung wur­den Exem­pla­re der Ita­lie­ni­schen Schön­schrecke gefunden

Schon ihr Name sagt es – sie kommt nicht von hier: die Ita­lie­ni­sche Schön­schrecke. Sie stammt aus dem Mit­tel­meer­raum und brei­tet sich infol­ge des Kli­ma­wan­dels gera­de nach Nor­den aus. Man­cher wun­dert sich viel­leicht: Schön und schreck­lich sind nicht gera­de Eigen­schaf­ten, die man ohne Wei­te­res zusam­men sieht. Aber das Rät­sel ist rasch geklärt, wenn man ein wenig Sprach­for­schung betreibt. „Hewis­crecko“ hie­ßen die Heu­schrecken im Alt­hoch­deut­schen, und screcko bedeu­te­te ursprüng­lich „sprin­gen“. In der Bezeich­nung Gras­hüp­fer ist es erhal­ten geblieben.

Die Italienische Schönschrecke wurde bei der Naturschutzfachkartierung in diesem Jahr erstmals in Bamberg nachgewiesen. Foto: Dr. Jürgen Gerdes, Klima- und Umweltamt Stadt Bamberg

Die Ita­lie­ni­sche Schön­schrecke wur­de bei der Natur­schutz­fach­kar­tie­rung in die­sem Jahr erst­mals in Bam­berg nach­ge­wie­sen. Foto: Dr. Jür­gen Ger­des, Kli­ma- und Umwelt­amt Stadt Bamberg

Gefun­den wur­de die Ita­lie­ni­sche Schön­schrecke (die schö­ne Sprin­ge­rin) im August an den son­ni­gen Hän­gen des Alten Rot­ho­fes, ober­halb von Wil­densorg. Nicht zufäl­lig. Der Bio­lo­ge Jür­gen Thein und sei­ne Mit­ar­bei­te­rin Jos­li­ne Grie­se hat­ten im Auf­trag des Lan­des­am­tes für Umwelt und des städ­ti­schen Kli­ma- und Umwelt­am­tes danach gesucht. Heu­schrecken sind eine der sechs Tier­grup­pen, die im Rah­men der soge­nann­ten Natur­schutz­fach­kar­tie­rung von 2023 bis 2025 im Stadt­ge­biet erfasst wer­den. Außer ihnen noch: Vögel, Rep­ti­li­en, Amphi­bi­en, Libel­len und Tagfalter.

Die Hüp­fer haben phan­ta­sie­vol­le Namen: Ver­kann­ter Gras­hüp­fer, Zwei­far­bi­ge Beiß­schrecke, Blau­flü­ge­li­ge Ödland­schrecke (in den Medi­en irr­tüm­lich auch schon als Blau­äu­gi­ge Ödland­schnecke benannt) oder Gefleck­te Keu­len­schrecke. Ins­ge­samt haben Thein und Grie­se bis­her 21 Arten im Stadt­ge­biet ent­deckt, 8 davon sind sel­ten. Ins­be­son­de­re Cal­lip­t­a­mus ita­li­cus, so heißt die Schön­schrecke wis­sen­schaft­lich und damit ein­deu­tig. Für sie ist es der Erst­nach­weis im Bam­ber­ger Stadt­ge­biet. Ein wei­te­res Indiz dafür, meint Stadt­bio­lo­ge Jür­gen Ger­des, dass der Süden zu uns kommt.

Attrak­ti­ve Orte für Heuschrecken

Beson­ders attrak­tiv für sel­te­ne Heu­schrecken sind im Stadt­ge­biet der Flug­platz Brei­ten­au, das Muna-Gelän­de, die Bug­er Wie­sen, der Schieß­platz an der Armee­stra­ße, das Erba-Gelän­de und die Wie­sen um die Alten­burg. Wie eine frü­he­re Unter­su­chung im Jahr 2019 zum San­dAch­se-Fran­ken-Pro­jekt zeig­te, auch natur­nah gepfleg­te Stra­ßen­rän­der, wie etwa am Ber­li­ner Ring. Dort fand der Bay­reu­ther Öko­lo­ge Chri­sti­an Strätz von den 73 in Bay­ern leben­den Heu­schrecken­ar­ten eben­falls 21.

Anders als Schmet­ter­lin­ge und Wild­bie­nen sind Heu­schrecken als wenig flug­ak­ti­ve Tie­re kaum beein­träch­tigt vom Fahrt­wind des Stra­ßen­ver­kehrs. Sie fin­den in Bam­bergs blü­hen­den Stra­ßen­rän­dern einen guten Ersatz­le­bens­raum. Das spricht für die natur­na­he Pfle­ge von men­schen­ge­mach­ten „Bio­to­pen“, genau­so wich­tig ist aber, wie Umwelt­re­fe­rent Jonas Glü­sen­kamp und Jür­gen Ger­des beto­nen, der wei­test­ge­hen­de Erhalt ihrer natür­li­chen Lebens­räu­me – auch und gera­de in der Stadt.

Die Natur­schutz­fach­kar­tie­rung legt dabei die Grund­la­ge für den geziel­ten Schutz sel­ten gewor­de­ner Arten. So kön­nen die Lebens­räu­me der Tie­re durch geziel­te Pfle­ge­maß­nah­men auf­ge­wer­tet, bei not­wen­di­gen Ein­grif­fen Rück­sicht auf sie genom­men wer­den. Finan­ziert wird die Kar­tie­rung zu über 70 Pro­zent vom Frei­staat Bay­ern, den Rest legt die Stadt Bam­berg drauf. Über die Amphi­bi­en und Tag­fal­ter wur­de im Som­mer bereits berichtet.

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