Der Wich­sen­stei­ner Weih­nachts­markt ist ein leuch­ten­des Bei­spiel der Integration

Wichsensteiner Weihnachtsmarkt. Foto: Thomas Weichert
Weihnachtsmarkt in Wichsenstein. Foto: Thomas Weichert

Der Wich­sen­stei­ner Weih­nachts­markt ist nicht nur einer der schön­sten in der Frän­ki­schen Schweiz der all­jähr­lich zahl­rei­che Besu­cher aus nah und fern in das Jura­hoch­dorf lockt, son­dern auch der ein­zi­ge Weih­nachts­markt in der Regi­on ohne einen ein­zi­gen kom­mer­zi­el­len Ver­kaufs­stand bei dem alle Erlö­se für wohl­tä­ti­ge und sozia­le Zwecke gespen­det wer­den. Nun fand er zum 30. Mal statt und war schö­ner und grö­ßer denn je. Wir haben uns auf dem Markt umgesehen.

Wich­sen­stein war dank des mas­si­ven Schnee­falls zum Win­ter-Won­der­land gewor­den, was herr­lich zum Jubi­lä­ums­weih­nachts­markt pass­te. Roman­ti­scher hät­te die Stim­mung mit den vie­len Lich­tern gar nicht sein kön­nen. Auch Wich­sen­stein hat jedes Jahr ein Christ­kind, des­sen Namen bis zum Auf­tritt streng geheim gehal­ten wird. Nicht ein­mal Achim Rop­pelt, der Orga­ni­sa­tor der ersten Stun­de der seit­her auch selbst den Niko­laus spielt, weiß vor­her, wer das neue Christ­kind ist. Das weiß nur die Christ­kind­be­auf­trag­te der Pfar­rei St. Erhard, Ker­stin Höl­zel, ihres Zei­chens auch Markt­ge­mein­de­rä­tin von Göß­wein­stein. Und so war die Über­ra­schung für die vie­len Besu­cher und vor allem für die Kin­der natür­lich groß, als das Christ­kind mit sei­nem Pro­log den Markt eröff­ne­te. Das Wichs­ents­ei­ner Christ­kind in die­sem Jahr ist die 12-jäh­ri­ge Laris­sa Höl­zel aus Wich­sen­stein die in die sieb­te Klas­se der Real­schu­le Eber­mann­stadt geht. Ihr Hob­by ist das Fuß­ball­spie­len beim FC Wich­sen­stein. Als Engel stan­den ihr Johan­na Kup­fer und Lina Spörl zur Seite.

Rop­pelt erin­ner­te an den ersten Wich­sen­stei­ner Weih­nachts­markt vor 33 Jah­ren. Da gab es nur eine Bude vor der Kir­che in der Glüh­wein aus­ge­schenkt und Selbst­ge­ba­stel­tes ver­kauft wur­de. Beim Erhar­di-Bröt­chen-Backen sei man dann auf die Idee gekom­men den Markt grö­ßer zu machen und die Erlö­se kom­plett für wohl­tä­ti­ge und sozia­le Zwecke in der gan­zen Welt zu spen­den. So haben die Wich­sen­stei­ner in den 30 Jah­ren schon etwa 150.000 Euro gespen­det. Heu­er war der Jubi­lä­ums­weih­nachts­markt noch bis ins obe­re Dorf erwei­tert wor­den wo die Stän­de des Kin­der­gar­tens St. Erhard und er Kin­der- und Jugend­feu­er­wehr stan­den und erst­mals auch das klei­ne Kin­der­ka­rus­sell aus dem Jahr 1891 das lan­ge Zeit eine Attrak­ti­on auf dem Nürn­ber­ger Christ­kindl­markt war. Nun dreh­te es sich sehr zur Freu­de der Klei­nen in Wichsenstein.

Was auch neu war, war der Stand der ukrai­ni­schen Kriegs­flücht­lin­ge. Das ist geleb­te Inte­gra­ti­on. Die ukrai­ni­schen Kriegs­flücht­lin­ge, die in der Orts­mit­te im ehe­ma­li­gen Gast­hof Rop­pelt woh­nen, hat­ten ihren eige­nen Stand mit ukrai­ni­schen Spe­zia­li­tä­ten wie Schasch­lik oder Apfel­ku­chen und selbst Geba­stel­tem und Gestrick­tem. Die ukrai­ni­schen Frau­en Ali­na, Tan­ja, Eje­na und Julia hat­ten sicht­lich Spaß in ihrer Weih­nachts­bu­de, die immer dicht umringt war. Auch der Baye­ri­sche Umwelt­mi­ni­ster Thor­sten Glau­ber war auf Ein­la­dung von Achim Rop­pelt zum Weih­nachts­markt gekom­men und begrüß­te die zahl­rei­chen Besu­cher. Er sprach von einem „Frie­dens­fest“ in schwie­ri­gen Zei­ten und beglück­wünsch­te die Wich­sen­stei­ner zur erfolg­rei­chen Inte­gra­ti­on der ukrai­ni­schen Kriegs­flücht­lin­ge. Das klei­ne Dorf Wich­sen­stein ist ein leuch­ten­des Vor­bild, wie Inte­gra­ti­on geht.

Sein Glück­wunsch galt aber auch sei­nem Freund Achim Rop­pelt, der kürz­lich sei­nen Lebens­part­ner gehei­ra­tet hat­te. Rop­pelt war sicht­lich bewegt von Glau­bers Dan­kes­wor­ten an die Wich­sen­stei­ner, die wie­der einen weit­hin ein­ma­li­gen Weih­nachts­markt auf die Bei­ne gestellt haben. Wie Rop­pelt sagt habe man die neu­en Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger aus der Ukrai­ne gleich mit in die Vor­be­rei­tun­gen des Weih­nachts­markts mit ein­ge­bun­den. Und sie waren begei­stert bei der Sache, schon beim Auf­bau der Markt­stän­de und dann noch mit einem eige­nem Stand. Wer nach Wich­sen­stein kommt ist will­kom­men wird gleich mit in die Dorf­ge­mein­schaft ein­ge­bun­den. Auch beim Advents­kon­zert in der Kir­che trat ein Musi­ker aus der Ukrai­ne mit sei­nem Schif­fer­kla­vier mit auf.

Gruß­wor­te spra­chen auch Vize­land­rä­tin Rosi Kraus und Vize­bür­ger­mei­ster Georg Bau­ern­schmidt, für bei­de ein Heim­spiel. Segens­rei­che Wor­te kamen auch von Pfar­rer Pater Lud­wig Mazur. Die gro­ße Freu­de über den gro­ßen Andrang war auch Orga­ni­sa­tor Achim Rop­pelt sicht­lich anzu­se­hen, als er neben dem Christ­kind und sei­nen Engeln sei­ne Begrü­ßungs­re­de hielt. Dem Musik­ver­ein Göß­wein­stein fro­ren danach bei 6 Grad minus am Ende sogar die Instru­men­te ein. Auch das wei­te­re Rah­men­pro­gramm mit den Wann­ba­cher Musi­kan­ten und dem Gesang­ver­ein Lie­der­kranz Wich­sen­stein konn­te sich sehen las­sen. Die Spen­den in die­sem Jahr mit ins­ge­samt 4.500 Euro gin­gen an den ASB-Wün­sche­wa­gen, den Erlan­ger Ver­ein „Ein-Dol­lar-Bril­le“, Nama­ste Child­ren Nepal, Kids for Kids in Afri­ka und an die NN-Akti­on “Freu­de für alle”.

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