„Eis-Hun­ger“ im Kreis Kulm­bach: Lohn-Plus in Süß­wa­ren­in­du­strie gefordert

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8,3 Mil­lio­nen Kugeln – so groß ist der „Eis-Hun­ger“ im Kreis Kulmbach

Vanil­le, Scho­ko­la­de, Erd­bee­re: Eis geht immer – gera­de jetzt, wenn es wär­mer wird. Der Land­kreis Kulm­bach lässt sich rund 577.800 Liter Eis pro Jahr schmecken – ob in der Waf­fel oder im Becher, aus der Scha­le, vom Tel­ler oder am Stiel. Umge­rech­net wären das rund 8,3 Mil­lio­nen Kugeln Eis, sagen die Sta­ti­sti­ker vom Bun­des­ver­band der Deut­schen Süß­wa­ren­in­du­strie (BDSI). Denn sie haben den durch­schnitt­li­chen „Eis-Hun­ger“ ermit­telt: 8,1 Liter Spei­se­eis lässt sich jeder – von jung bis alt – im Jahr schmecken. Das sind 116 Kugeln pro Kopf.

„Was die Süß­wa­ren­in­du­strie nicht ver­rät: Sie pro­du­ziert süßes Eis gera­de mit einem bit­te­ren Bei­geschmack – jeden­falls für die Beschäf­tig­ten. Denn denen schmecken die Löh­ne schon lan­ge nicht mehr“, sagt Micha­el Grundl von der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG). Das sei ein Pro­blem der gesam­ten Bran­che. Ob Scho­ko­la­de, Gum­mi­bä­ren, Kek­se oder eben Eis: „Wer in der Süß­wa­ren­in­du­strie in der Pro­duk­ti­on am Band steht oder im Lager arbei­tet, muss am Ende des Monats jeden Euro drei­mal umdre­hen. Gera­de in den unte­ren Lohn­grup­pen ist an den Jobs nur das süß, was pro­du­ziert wird. Nicht aber das, was ver­dient wird“, so der Geschäfts­füh­rer der NGG-Regi­on Ober­fran­ken. Vie­le wür­den des­halb der Bran­che den Rücken kehren.

Warn­streiks dros­seln Pro­duk­ti­on von Eis, Scho­ko­la­de, Gum­mi­bä­ren, Kek­sen & Co.

Trotz­dem zeig­ten die Arbeit­ge­ber – und dazu gehö­ren Bran­chen-Gigan­ten wie Fer­re­ro, Storck, Lindt, Hari­bo, Nest­lé oder Bahl­sen – kei­ne Bereit­schaft, dar­auf mit einem ange­mes­se­nen Lohn­an­ge­bot zu reagie­ren. Die NGG habe des­halb die Tarif­ver­hand­lun­gen für die Süß­wa­ren­in­du­strie vor­erst abge­bro­chen: „Mit Pea­nuts las­sen sich die Beschäf­tig­ten nicht abspei­sen. Jetzt gibt es flä­chen­decken­de Warn­streiks. Der Juni wird zum ‚Streik­mo­nat fürs Süße‘“, so Gewerk­schaf­ter Micha­el Grundl.

Gewerk­schaft NGG will für die Beschäf­tig­ten in der Süß­wa­ren­in­du­strie ein Lohn-Plus

Die NGG dage­gen will die hohen Preis­stei­ge­run­gen auf­fan­gen und for­dert monat­lich 500 Euro mehr für die unte­ren Lohn­grup­pen. Alle übri­gen sol­len ein Lohn-Plus von 400 Euro bekom­men. Für Azu­bis will die Gewerk­schaft 200 Euro mehr im Monat errei­chen. Eben­so ein „Ticket-Geld“ – eine monat­li­che Fahrt­ko­sten­pau­scha­le von 50 Euro.