Still­be­ra­tung am Kli­ni­kum Bay­reuth künf­tig an fünf Wochentagen

Das Still-Team im Perinatalzentrum der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: Klinikum Bayreuth GmbH)
Das Still-Team im Perinatalzentrum der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: Klinikum Bayreuth GmbH)

Für einen gelun­ge­nen Start

„Stil­len ist das Beste für Ihr Kind.“ Spä­te­stens im Lau­fe der Schwan­ger­schaft wer­den wer­den­de Müt­ter die­sen Satz nicht nur ein­mal hören. Und er stimmt. Das Baby erhält über die Mut­ter­milch – und ins­be­son­de­re bereits über das Kolo­strum, die Vor­milch – vom Zeit­punkt der Geburt an alles Lebens­wich­ti­ge. Sie ist Nah­rung, unter­stützt Wachs­tum und Ent­wick­lung und stärkt das Immun­sy­stems. Stil­len ist aber auch Nähe, Gebor­gen­heit und Ent­wick­lungs­för­de­rung – also rund­um der beste Start ins Leben.

Aber gera­de des­we­gen set­zen sich vie­le wer­den­de Müt­ter schon vor der Ent­bin­dung unter Druck – und das soll­te nicht sein, sagt Dr. Caro­lin Kladt, Ober­ärz­tin der Kli­nik für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe am Kli­ni­kum Bay­reuth. Auf die Fra­ge, wie möch­ten sie ihr Kind ernäh­ren? Kommt oft die Ant­wort: „Wenn es klappt, möch­te ich ver­su­chen zu stil­len.“ Aber „es gibt kei­nen Grund, das vor­ab schon in Fra­ge zu stel­len“, sagt sie.

Ein ent­spann­ter Start

Sie ist über­zeugt: „Ein ent­spann­ter Start gelingt leich­ter, wenn von Beginn an eine gute Beglei­tung von Mut­ter und Kind gege­ben ist. Im Peri­na­tal­zen­trum der Kli­ni­kum Bay­reuth GmbH beglei­ten daher aus­ge­bil­de­te und zer­ti­fi­zier­te Still­be­ra­te­rin­nen Müt­ter und ihre Kin­der nicht erst, wenn es Pro­ble­me gibt, son­dern bera­ten bei Bedarf bereits vor der Ent­bin­dung, beglei­ten das erste Stil­len und ste­hen auch in den ersten Lebens­ta­gen mit Rat und Tat zur Seite.

Das soll Sicher­heit geben. „Die erste Stun­de nach einer Ent­bin­dung ist ein emo­tio­na­ler Moment, wel­che die jun­ge Fami­lie im Ide­al­fall genie­ßen soll­te – das nöti­ge Back­up sind wir als Team“, sagt Dr. Kladt. Der­zeit ist an drei Tagen in der Woche eine Still­be­ra­te­rin aus­schließ­lich zur Unter­stüt­zung und Bera­tung in Ernäh­rungs­fra­gen im Dienst. „Ab Juli wer­den wir die­se Bera­tung an fünf Wochen­ta­gen von Mon­tag bis Frei­tag anbie­ten“, sagt Kladt.

Das erste Anlegen

„Wir legen viel Wert dar­auf, dass Mut­ter und Kind unmit­tel­bar nach der Ent­bin­dung die Chan­ce erhal­ten, mit ihrem Neu­ge­bo­re­nen in direk­tem Haut­kon­takt (Bon­ding) zu sein und zu stil­len“, sagt Dr. Caro­lin Kladt, Ober­ärz­tin der Kli­nik für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe. Das gelingt, weil das Still-Team der Kli­ni­kum Bay­reuth GmbH breit auf­ge­stellt ist. Spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te und zer­ti­fi­zier­te Still­be­ra­te­rin­nen arbei­ten nicht nur auf der Ent­bin­dungs­sta­ti­on, son­dern im Kreiß­saal und in der Kin­der­kli­nik. Sie sind Heb­am­men, Gesund­heits- und Kin­der­kran­ken­pfle­ge­rin­nen, aber auch Ärz­tin­nen und kom­men bei Bedarf dort­hin, wo sie von Mut­ter und Kind gebraucht werden.

Läuft alles rund, wird im Kreiß­saal aus­rei­chend Ruhe und Zeit für das erste Stil­len sein. „Eine Heb­am­me unter­stützt Mut­ter und Kind, legt der Mut­ter das Neu­ge­bo­re­ne Haut auf Haut auf den Bauch. Von hier aus suchen sich die Kin­der ihren Weg selbst. „Die­ser Breast Crawl – das Suchen nach der Brust – ist ein wich­ti­ger Schritt, der etwas Zeit braucht. Die dür­fen sich Mut­ter und Kind neh­men und unse­re Auf­ga­be als betreu­en­des Team ist es, bei­den die­se Zeit zu geben“, sagt Kladt. Der direk­te Haut­kon­takt und das akti­ve Suchen des Neu­ge­bo­re­nen hat dabei mehr als einen posi­ti­ven Effekt: Bei der Mut­ter wer­den durch die­sen Vor­gang Hor­mo­ne aus­ge­schüt­tet, die die Milch­pro­duk­ti­on anre­gen, das Stil­len erleich­tern und die Bin­dung zwi­schen Mut­ter und Kind fördern.

„Wir unter­stüt­zen das Stil­len aber auch in Situa­tio­nen, in denen der Start nicht so leicht gelingt, bei­spiels­wei­se nach einem Kai­ser­schnitt oder bei Kin­dern, die zu früh oder krank gebo­ren wer­den und in der Kin­der­kli­nik ver­sorgt wer­den müs­sen. Das OP-Team, die Anäs­the­si­sten und ope­rie­ren­den Ärz­te und auch die Heb­am­me, die eine Geburt im OP immer beglei­tet, unter­stüt­zen Mut­ter und Kind eben­so wie das Team in der Kin­der­kli­nik, sodass in allen Fäl­len ein früh­zei­ti­ges erstes Anle­gen und/​oder die Mut­ter­milch­ge­win­nung zumin­dest ver­sucht wer­den kann – auch schon direkt im OP.

Kolo­strum – für das Neu­ge­bo­re­ne immens wichtig

Wich­tig ist Dr. Kladt aber vor allem eines – und das ist unab­hän­gig davon, ob die Mut­ter am Ende stil­len wird, oder nicht: „Das Kolo­strum, so heißt die Vor­milch, die Müt­ter bereits vor der Ent­bin­dung und in den ersten Lebens­ta­ges des Kin­des pro­du­zie­ren, ist für das Neu­ge­bo­re­ne immens wich­tig. Je schwie­ri­ger der Start ins Leben, desto mehr pro­fi­tie­ren die Kin­der davon.“ Das Kolo­strum ent­hält alles, was die Kin­der in den ersten Stun­den und Tagen brau­chen und ist indi­vi­du­ell auf die Bedürf­nis­se des Kin­des abge­stimmt. Es ist ein Cock­tail aus Pro­te­inen, Enzy­men, Mine­ra­li­en, Wachs­tums­fak­to­ren, Ami­no­säu­ren und Anti­kör­pern. Sie ist Nah­rung und wirkt zugleich wie eine erste Imp­fung und stärkt die Immun­ab­wehr. „Weder die Medi­zin noch Her­stel­ler von Kin­der­nah­rung haben etwas, was den Neu­ge­bo­re­nen eine annä­hernd ähn­lich umfas­sen­de Ver­sor­gung bie­ten kann“, sagt Kladt.

Unter­stüt­zung schon vor der Geburt

Selbst Müt­tern, die nicht stil­len wer­den, rät das Still­team am Kli­ni­kum Bay­reuth dazu, zumin­dest die­ses Kolo­strum zu geben. „Das kann auch über eine klei­ne Sprit­ze gesche­hen, wenn die Mut­ter nicht anle­gen möch­te“, sagt Gud­run Götz. Sie ist eine der zer­ti­fi­zier­ten Still­be­ra­te­rin­nen und betreut vor allem Müt­ter und Kin­der auf der Früh­chen- und Inten­siv­sta­ti­on. „Wir bera­ten wer­den­de Müt­ter auch ger­ne, wie sie das Kolo­strum bei­spiels­wei­se bei Gesta­ti­ons­dia­be­tes oder einem geplan­ten Kai­ser­schnitt ab der 37. Schwan­ger­schafts­wo­che bereits vor der Ent­bin­dung gewin­nen kön­nen, um ihren Kin­dern nach der Geburt den Start zu erleich­tern.“ Bei Früh­ge­bo­re­nen wird das Kolo­strum unmit­tel­bar nach der Geburt gewon­nen, da das Risi­ko vor­zei­ti­ge Wehen aus­zu­lö­sen besteht. So pro­fi­tie­ren auch Neu- und Früh­ge­bo­re­ne, die noch zu schwach sind, um selbst zu trin­ken, vom wert­vol­len Kolostrum.

Hin­ter­grund: Das Perinatalzentrum

Die Kli­ni­kum Bay­reuth GmbH bie­tet die besten Vor­aus­set­zun­gen für eine rund­um gute Ver­sor­gung von Mut­ter und Kind. Als Peri­na­tal­zen­trum Level 1 ist die Kli­ni­kum Bay­reuth GmbH spe­zia­li­siert auf die Betreu­ung und Behand­lung von Mut­ter und Kind wäh­rend der Schwan­ger­schaft, wäh­rend der Geburt und in der Zeit nach der Ent­bin­dung sowie auf die Behand­lung von Neu- und Früh­ge­bo­re­nen. Gynä­ko­lo­gen, Heb­am­men und Kin­der­ärz­te arbei­ten eng zusam­men und beglei­ten jede Geburt indi­vi­du­ell. Im Bedarfs­fall pro­fi­tie­ren Mut­ter und Kind von der direk­ten Anbin­dung an die Kin­der­kli­nik mit ihren Exper­ten auf dem Gebiet der Neo­na­to­lo­gie. Rund um die Uhr küm­mern sich plan­mä­ßig zwei Heb­am­men und drei Ärz­tin­nen und Ärz­te um die wer­den­den Müt­ter, dar­un­ter immer auch ein Fach­arzt für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe. Wenn es dar­auf ankommt, ste­hen zusätz­lich jeder­zeit in der Frau­en­kli­nik ein Fach­arzt für spe­zi­el­le Geburts­hil­fe und in der Kin­der­kli­nik ein Fach­arzt für Neo­na­to­lo­gie auf Abruf bereit. „Damit sind wir für alle geburts­hilf­li­chen Her­aus­for­de­run­gen gewapp­net und kön­nen rund um die Uhr auf schnell­stem Weg die nöti­ge Kom­pe­tenz abru­fen, um Mut­ter und Kind best­mög­lich zu ver­sor­gen“, sagt Kli­nik­di­rek­tor Mundhenke.