TACHE­LES – Thea­ter­stück zur Prä­ven­ti­on von Anti­se­mi­tis­mus fei­ert in Coburg Prämiere

Paul, Kinan und Iri­na woh­nen gemein­sam in einer WG. Ihre unter­schied­li­chen Her­künf­te und Reli­gio­nen spie­len dabei kei­ne Rol­le. Bis heu­te: Denn seit der Par­ty ges­tern ist Iri­na ver­schwun­den. Hat irgend­wer auf der Par­ty schlech­ten Gangs­ta-Rap auf­ge­legt, der sie als Jüdin belei­digt haben könnte?

In dem Prä­ven­ti­ons­thea­ter­stück „TACHE­LES“, das am Diens­tag an der Staat­li­chen Real­schu­le CO II bay­ern­weit Prä­mie­re fei­er­te, geht es um Anti­se­mi­tis­mus und vor allem um die Stär­kung des Demokratiebewusstseins.

Denn Anti­se­mi­tis­mus ist lei­der noch immer aktu­ell – ob im All­tag quer durch die Gesell­schaft bis hin zu Ver­schwö­rungs­my­then und Über­grif­fen. Auch vor deut­schen Schul­hö­fen macht er nicht Halt.

Des­halb hat der ehren­amt­li­che Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­te des Land­krei­ses Coburg, Kanat Akin, ein Prä­ven­ti­ons­thea­ter­stück initi­iert: „TACHE­LES“. Kon­zi­piert vom Jun­gen Thea­ter Augs­burg, fand die bay­ern­wei­te Pre­mie­re des mobi­len Jugend­thea­ter­stücks mit erns­tem Hin­ter­grund an der Staat­li­chen Real­schu­le CO II in Coburg statt und ist ab sofort für Schu­len (ab Jahr­gangs­stu­fe 8) in Bay­ern buchbar.

„Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz hat in sei­nem letz­ten Lage­bild zum Anti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land klar fest­ge­stellt: Die Zahl anti­se­mi­tisch moti­vier­ter Straf­ta­ten steigt kon­ti­nu­ier­lich an. Wir müs­sen dies als Angriff auf uns alle und auf unse­re offe­ne Gesell­schaft qua­li­fi­zie­ren und uns die­sem ent­ge­gen­stel­len. Denn Anti­se­mi­tis­mus geht uns alle an“, erklärt Akin, der zugleich Vor­sit­zen­der des Begleit­aus­schus­ses der Part­ner­schaf­ten für Demo­kra­tie im Land­kreis Coburg ist.

Land­rat Sebas­ti­an Straubel dankt Kanat Akin für die Initia­ti­ve: „Auf­klä­rung und Prä­ven­ti­on sind enorm wich­tig für einen respekt­vol­len und fried­li­chen Umgang mit­ein­an­der. Wir brau­chen mehr Ver­ständ­nis für­ein­an­der. Mit Prä­ven­ti­ons­pro­jek­ten wie ‚TACHE­LES‘ wird deut­lich vor Augen geführt, war­um man­che Äuße­run­gen ver­let­zend sind. Ver­ständ­nis schafft man am bes­ten durch Ver­an­schau­li­chung. Das pas­siert bei TACHE­LES, ins­be­son­de­re durch das genia­le Kon­zept, dass das The­ma im Nach­gang an das Stück in Work­shops noch ver­tieft wird. Somit bin ich zuver­sicht­lich, dass wir mit sol­chen Pro­jek­ten etwas ver­än­dern und mehr Demo­kra­tie­be­wusst­sein schaf­fen kön­nen. Wir dür­fen nur nie locker lassen.“

Nach den bay­ern­weit erfolg­rei­chen Prä­ven­ti­ons­stü­cken „KRASS! Haupt­sa­che radi­kal“ und „#HASS – Haupt­sa­che radi­kal“ hat das Jun­ge Thea­ter Augs­burg mit „TACHE­LES“

(jid­disch für: Klar­text reden) sein neu­es­tes Prä­ven­ti­ons­pro­jekt für Jugend­li­che zur Stär­kung des Demo­kra­tie­be­wusst­seins prä­sen­tiert: „TACHE­LES“ basiert auf Recher­che­ma­te­ri­al, auto­bio­gra­fi­schen Erleb­nis­sen und O‑Tönen jun­ger Jüdin­nen und Juden. Mit mar­kan­ten Bei­spie­len aus dem Fuß­ball­ver­ein, dem Rap und der Ver­schwö­rungs­sze­ne sen­si­bi­li­siert „TACHE­LES“ sein jun­ges Publi­kum für anti­se­mi­ti­sche Vorurteile.

Im Nach­gang zu dem Impuls­stück fin­det mit den Schul­klas­sen auch jeweils ein Work­shop mit Thea­ter­päd­ago­gin­nen und ‑päd­ago­gen statt, um das Stück zu reflek­tie­ren. Sie set­zen sich dabei mit Viel­falt als wert­vol­lem Bestand­teil unse­rer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft eben­so aus­ein­an­der wie mit Zivil­cou­ra­ge als mög­li­chem Umgang mit anti­se­mi­ti­schen Vor­fäl­len auf dem Schulhof.

„Anti­se­mi­tis­mus ist lei­der ein All­tags­phä­no­men in unse­rer Gesell­schaft. Jüdin­nen und Juden erle­ben ihn auf dem Schul­hof, auf dem Sport­platz und bei unzäh­li­gen ande­ren Gele­gen­hei­ten“, weiß Dr. Josef Schus­ter, Prä­si­dent des Zen­tral­rats der Juden in Deutsch­land. Des­halb sei­en der­ar­ti­ge Prä­ven­ti­ons­thea­ter­stü­cke so wich­tig: „Das krea­ti­ve Pro­jekt ‚Tache­les‘ des Jun­gen Thea­ter Augs­burg hält dage­gen, klärt über jüdi­sches Leben in Deutsch­land auf und kann so Vor­ur­tei­le abbau­en“, so Schuster.

Die bay­ern­wei­te Aus­roll­pha­se des Stücks wird vom Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Arbeit und Sozia­les im Rah­men der Radi­ka­li­sie­rungs­prä­ven­ti­on geför­dert. Staats­mi­nis­te­rin Ulri­ke Scharf betont die Bedeu­tung des Thea­ter­stücks für die Anti­se­mi­tis­mus­prä­ven­ti­on: „,TACHE­LES‘ spricht Jugend­li­che direkt an – mit viel Gefühl wird zum Nach­den­ken ange­regt. Es ist mir ein gro­ßes Anlie­gen, unse­re Jugend­li­chen für den all­täg­li­chen Anti­se­mi­tis­mus zu sen­si­bi­li­sie­ren und Zivil­cou­ra­ge zu stär­ken. Das schafft das Thea­ter­stück, das mit Work­shops beglei­tet wird, ganz her­vor­ra­gend! Herz­li­chen Dank an das Jun­ge Thea­ter Augs­burg für den gro­ßen Ein­satz in der Antisemitismusprävention.“

„TACHE­LES“ ent­stand im Auf­trag von Kanat Akin in Koope­ra­ti­on mit dem Land­kreis Coburg und wird geför­dert vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend im Rah­men des Bun­des­pro­gramms Demo­kra­tie leben! und vom Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Arbeit und Sozia­les sowie von der Nie­der­füll­ba­cher Stiftung.