Bay­reuth: Städ­te­netz for­dert bal­di­ge Wei­ter­pla­nung der Franken-Sachsen-Magistrale

Kon­fe­renz in Bay­reuth: Zuver­sicht dank Weg­fall der Wirt­schaft­lich­keitsberech­nung für Elek­tri­fi­zie­rungs­vor­ha­ben


Die Stadt­ober­häup­ter des Säch­sisch-Baye­ri­schen Städ­te­net­zes sehen gute Chan­cen, dass die Pla­nun­gen zur Elek­tri­fi­zie­rungs­lü­cke Nürn­berg Markt­red­witz Tsche­chi­en wie­der­auf­ge­nom­men wer­den. Bei ihrer jähr­li­chen Abstim­mungs­kon­fe­renz in Bay­reuth haben die Netz­städ­te trotz des negati­ven Bewer­tungs­er­geb­nis­ses der Nut­zen-Kos­ten-Unter­su­chung Grund zum Opti­mis­mus. Die Bun­des­re­gie­rung möch­te mit einem Moder­ne-Schie­ne-Gesetz den Aus­bau der Bahn­in­fra­struk­tur beschleu­ni­gen. Wich­ti­ges Ele­ment dar­in wird der Weg­fall der Wirt­schaft­lich­keitsbere­ch­nung fürElek­tri­fi­zie­rungs­vor­ha­ben sein, um die Kli­ma­zie­le zu erreichen.


„Wir sind zuver­sicht­lich, dass die Fran­ken-Sach­sen-Magis­tra­le von die­ser Geset­zes­in­itia­ti­ve pro­fi­tiert“, sind sich die Ober­bür­ger­meis­te­rin­nen und Ober­bür­ger­meis­ter einig, denn ihr Schick­sal einer Jahr­zehn­te lan­gen Ver­drän­gung durch ande­re Vor­ha­ben macht beson­de­res deut­lich, dass es einer ver­ein­fach­ten poli­ti­schen Lösung bei Elek­tri­fi­zie­run­gen bedarf. „Bereits mei­ne bei­den Amts­vor­gän­ger enga­gier­ten sich nach der Grenz­öff­nung und Wieder­ver­ei­ni­gung für den Aus­bau der Fran­ken-Sach­sen-Magis­tra­le“, ruft die Hofer Ober­bür­ger­meis­te­rin Eva Döh­la in Erin­ne­rung. Die­ser wur­de seit­her in enger Zusam­men­ar­beit der Anlie­ger­städ­te und -regio­nen bei Bund, Län­dern und der EU ein­ge­for­dert.


Zuletzt muss­te ein nie dage­we­se­ner Rück­schlag ver­kraf­tet wer­den, da bei einer erneu­ten Berech­nung die sicher geglaub­te Wirt­schaft­lich­keit ver­fehlt wur­de. „So deut­lich, dass wir die­sem Ver­fah­ren kei­nen Glau­ben schen­ken kön­nen. Nach und nach wur­de klar, dass die Prämis­sen sys­te­ma­tisch zu Unguns­ten unse­res
Pro­jekts aus­ge­legt wur­den oder falsch sind“, stellt Ober­bür­ger­meis­te­rin Con­s­tance Arndt (Zwi­ckau) fest.

Aufs Abstell­gleis gescho­ben „Offen­sicht­lich wur­de die Über­gangs­pha­se im Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um dazu genutzt, die Fran­ken-Sach­sen-Magis­tra­le wie­der ein­mal aufs Abstell­gleis zu schie­ben“, mut­maßt Stef­fen Zen­ner, Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Plau­en. Die Hin­ter­grün­de und die trei­ben­den Kräf­te dazu kön­ne man nur ver­mu­ten. „Umso mehr freut es uns, dass der Bahn­be­auf­tragte der Bun­des­re­gie­rung, der Parla­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Digi­ta­les und Ver­kehr, Micha­el Theu­rer, die poli­ti­sche Lösung vor­an­treibt, flan­kiert von den Bahn­ex­per­ten der Koali­ti­on“, so Mar­tin Rein­hold, Lei­ter des Ver­kehrs- und Tief­bau­am­tes Chem­nitz in Ver­tre­tung des Ober­bür­ger­meis­ters Sven Schul­ze.

„Bei aller Zuver­sicht soll­te uns bewusst sein, dass die Her­aus­for­de­run­gen wach­sen. Schließ­lich muss die größ­te Die­sel­in­sel Deutsch­lands, ja Mit­tel­eu­ro­pas, bis 2040 kli­ma­neu­tral gestellt wer­den. Die­se umfasst grob umris­sen das Drei­eck Hof-Nürn­berg-Regens­burg mit rund 1.000 zusam­men­hän­gen­den Stre­cken­ki­lo­me­tern ohne Fahr­draht“, wie 2. Bür­ger­meis­ter Horst Geißel aus Markt­red­witz beschreibt. „Die voll­stän­di­ge Elek­tri­fi­zie­rung der Fran­ken-Sach­sen-Magis­tra­le ist nicht nur Vor­aus­set­zung für die S-Bahn-Erwei­te­rung Nürn­berg bis Neu­haus a.d.P. Unter ihrem Fahr­draht kön­nen auch Bat­te­rie­fahr­zeu­ge laden, wel­che die zahlreichen nicht elek­tri­fi­zierten Zweig­stre­cken bedie­nen“, ergänzt der Bay­reu­ther Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Ebers­ber­ger.


Elek­tri­fi­zie­rung der Dieselinsel


Alle Ober­bür­ger­meis­ter sehen in der Elek­tri­fi­zie­rung der Die­sel­in­sel das Rück­grat des erfor­der­li­chen Mobi­li­täts­wan­dels. Der Wech­sel auf umwelt­freund­li­che Ver­kehrs­mit­tel kann nur gelin­gen, wenn die­se attrak­tiv sind. Ein Wech­sel ist nur dann kli­ma­freund­lich, wenn die Fahr­zeu­ge selbst emis­si­ons­frei sind. Daher ist die Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Minis­ter­rats vom ver­gan­ge­nen Dezem­ber für den Ein­satz von Nei­ge­tech­nik­zü­gen mit Hybrid­an­trieb in Bay­ern ab Ende des Jahr­zehnts ein star­kes und rich­tungs­wei­sen­des Signal.


Die­se High-Tech-Hybri­de sol­len im Express­ver­kehr auf nicht- bezie­hungs­wei­se teil­elek­tri­fi­zier­ten Stre­cken­net­zen den ver­al­te­ten Die­sel­zü­gen fol­gen und Strom aus der Ober­lei­tung, der Bat­te­rie­o­der der Brenn­stoff­zel­le bezie­hen kön­nen. Sie wer­den nicht nur mit lei­sen Elek­tro­mo­to­ren fah­ren, son­dern auch mehr Platz und Kom­fort bie­ten. Über­dies wer­den sie bar­rie­re­freie Ein­stie­ge haben. „Der Hybrid­an­trieb erüb­rigt jedoch nicht die Elek­tri­fi­zie­rung der Fran­ken-Sach­sen-Magis­tra­le. Eben­so wenig kann die Elek­tri­fi­zie­rung die Nei­ge­tech­nik erset­zen“ beto­nen die baye­ri­schen Ober­bür­ger­meis­ter. „Der Hybrid­an­trieb im Express­ver­kehr wird so lan­ge gebraucht, bis alle Haupt­stre­cken elek­tri­fi­ziert sind. Die Nei­ge­tech­nik kann nur ent­fal­len, wenn die­se Stre­cken durch bau­li­che und tech­ni­sche Maß­nah­men auch beschleu­nigt werden.“