Zet­tels Refle­xio­nen: Sinn

Peter Zettel
Peter Zettel

Das ist das letz­te The­ma, dem ich mich stel­len muss. Vic­tor Frankl hat aus den Erfah­run­gen aus sei­ner KZ-Gefan­gen­schaft erkannt, wel­che Bedeu­tung es für uns hat, Sinn leben zu können.

Er war davon über­zeugt, dass der Mensch an Selbst­ent­frem­dung lei­det, da er nicht mehr weiß, was er eigent­lich will. Die­se Selbst­ent­frem­dung äußert sich in einer ver­än­der­ten Wer­te­hier­ar­chie, in der mate­ri­el­le Din­ge dominieren.

Das Wert­ge­fühl des Men­schen wird redu­ziert. Das ist aber nichts Schick­sal­haf­tes, nichts Not­wen­di­ges, son­dern Zuge­las­se­nes, das von einer akti­ven Sein- und Sinn­ver­ges­sen­heit zeugt.

Fran­kls Men­schen­bild ist drei­di­men­sio­nal. Nebst der psy­cho­so­ma­ti­schen Ebe­ne bringt er die noe­ti­sche Dimen­si­on ins Spiel. Für ihn ist dies von Nöten, da die bis­he­ri­ge Psy­cho­the­ra­pie den Men­schen auf die kör­per­li­che- und psy­chi­sche Ebe­ne redu­ziert hat.

Die­se bei­den Ebe­nen wer­den bestimmt durch Erbe, sozia­les Umfeld und äuße­re Bedin­gun­gen. Der Mensch ist in die­sen bei­den Dimen­sio­nen nicht frei. Auf die­ser zwei­di­men­sio­na­len Ebe­ne reagiert der Mensch mit sei­nen inne­ren Gege­ben­hei­ten auf äuße­re Situationen.

Doch zwi­schen dem Reiz und mei­ner Reak­ti­on gibt es einen Moment der Frei­heit. In die­sem Moment, je acht­sa­mer ich unter­wegs bin, mel­det sich die gei­sti­ge Ebene.

Der Geist in mir kann Stel­lung bezie­hen zu äuße­ren Umstän­den und inne­ren Reak­tio­nen. Der Geist lässt mich Wer­te sehen und Mög­lich­kei­ten erken­nen, wo, wann und wie die­se ver­wirk­licht wer­den können.

Noe­tik ist ein Begriff der neu­zeit­li­chen Phi­lo­so­phie. Ich ver­ste­he dar­un­ter die Phä­no­me­no­lo­gie der Ver­nunft. Der Geist lässt den Men­schen Wer­te sehen und Mög­lich­kei­ten auf­blit­zen, wo, wann und wie die­se ver­wirk­licht wer­den können.

Tut er dies, erhebt sich der Mensch aus sei­ner Zwei­di­men­sio­na­li­tät in die gei­stig-per­so­na­le Exi­stenz. Der Mensch ist im Stan­de, die Dimen­sio­nen Leib und Psy­che gei­stig zu reflek­tie­ren. Nicht nur zu reflek­tie­ren, son­dern zu steu­ern, bewusst zu lenken.

Es geht also um die Frei­heit des Wil­lens, den Wil­le zum Sinn und den Sinn des Lebens. Das Leben hat einen bedin­gungs­lo­sen Sinn, den es unter kei­nen Umstän­den verliert!

Die­ser Sinn kann sich mensch­li­chem Begrei­fen ent­zie­hen. Inso­fern ist der Sinn eine men­schen­über­grei­fen­de Grö­ße (Über­sinn), der erspürt und erahnt wer­den kann und muss … wie­der und wieder.

Über und durch den Sinn kann ich mich immer wie­der neu „erfin­den“.


Peter Zet­tel

ist pen­sio­nier­ter Anwalt. Seit ein paar Jah­ren ist er begei­ster­ter Motor­rad­fah­rer – sein per­sön­li­cher Weg der Selbst­er­kennt­nis. Er inter­es­siert sich für das, was die Welt bewegt und schreibt dar­über in sei­nem Blog zet​tel​.biz.

Alle bis­her im Wie­sent­bo­ten erschie­nen „Zet­tels Refle­xio­nen

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