Prä­si­dent des Deut­schen Bau­ern­ver­ban­des beim Land­wirt­schafts­Fo­rum der Spar­kas­se Forch­heim zu Gast

Pointiert und engagiert zeigt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, beim LandwirtschaftsForum die Herausforderungen der Agrarpolitik in Deutschland und in der Region Forchheim auf. Foto: Sparkasse Forchheim
Pointiert und engagiert zeigt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, beim LandwirtschaftsForum die Herausforderungen der Agrarpolitik in Deutschland und in der Region Forchheim auf. Foto: Sparkasse Forchheim

Solch hohen Besuch wie Joa­chim Ruk­wied hat­te das Land­wirt­schafts-Forum in neun Jah­ren noch nie. Dabei hat­ten die Spar­kas­se Forch­heim und der Kreis­ver­band des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­ban­des schon so man­chen Star­gast ein­ge­la­den. In einer kämp­fe­ri­schen Rede warb der Prä­si­dent des Deut­schen Bau­ern­ver­ban­des um den land­wirt­schaft­li­chen Nach­wuchs. Immer­hin gehe es um Deutsch­lands Ernährungssicherheit.

Immer mehr Land­wir­te geben auf. Sie kön­nen die stän­dig stei­gen­den Anfor­de­run­gen nicht mehr bewäl­ti­gen. Beson­ders die Rin­der- und Schwei­ne­hal­ter trifft es hart. „Die Ent­wick­lung ist beäng­sti­gend“. Im letz­ten Jahr­zehnt habe sich die Zahl der Schwei­ne auf deut­schem Boden um fast sechs Mil­lio­nen ver­rin­gert. Im glei­chen Zeit­raum habe man in Spa­ni­en mas­siv in die Schwei­ne­hal­tung inve­stiert. „Es hat nur eine Ver­la­ge­rung statt­ge­fun­den“. Gerin­ge­re Kosten für Mit­ar­bei­ter sind aber nur ein Puz­zle­teil. Viel dra­ma­ti­scher sei es bei den Auf­la­gen. Es sind die unzäh­li­gen Stun­den, in denen die Bau­ern am Lap­top sit­zen und irgend­wel­che Sta­ti­sti­ken, Anträ­ge oder For­mu­la­re aus­fül­len. Dann wird der Bau­ern­prä­si­dent deut­lich: „Der Bau­er muss wie­der mehr Erzeu­gung machen und weni­ger Doku­men­ta­ti­on“. Es brau­che mehr Freiräume.

Rück­gang der Familienbetriebe

Der Rück­gang der Fami­li­en­be­trie­be macht Ruk­wied Sor­gen. Schließ­lich gehe es um die Ernäh­rungs­si­cher­heit. Wie wich­tig das sei, habe man an den gestör­ten Lie­fer­ket­ten infol­ge der Coro­na-Pan­de­mie und des Ukrai­ne-Krie­ges gese­hen. „Wir kön­nen die aus­rei­chen­de Men­ge an qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Lebens­mit­teln zu akzep­ta­blen Prei­sen erzeu­gen“. Dafür bräuch­te es frei­lich mehr Spiel­räu­me für die Land­wir­te und nicht noch mehr Auf­la­gen und Ver­bo­te. Von allen Sei­ten gera­ten die Bau­ern­hö­fe näm­lich unter Druck. Die Bau­ern sol­len Flä­chen still­le­gen; dabei ist von fünf Mil­lio­nen Hekt­ar die Rede, die aus der Pro­duk­ti­on genom­men wer­den sol­len. „Bei rund 17 Mil­lio­nen Hekt­ar bedeu­tet das, dass wir nicht mehr in der Lage sind, Euro­pa zu ernäh­ren“. Die Bau­ern sol­len deut­lich weni­ger, am besten gar kei­ne Pflan­zen­schutz- oder Dün­ge­mit­tel ver­wen­den; dabei sei doch jedem klar, dass der­lei völ­lig pra­xis­fremd sei und dadurch enor­me Ern­te­ver­lu­ste ent­stün­den. Und all das zu einem Dum­ping­preis, den der Ver­brau­cher zu zah­len bereit ist. „Ich habe den Ein­druck, die Umwelt soll allein auf unse­re Kosten geret­tet werden“.

Ruk­wied sieht die Zukunft in der näch­sten, gut aus­ge­bil­de­ten Gene­ra­ti­on. Die aber wer­de durch stän­di­ge Beob­ach­tung und Kri­tik fach­frem­der Men­schen demo­ti­viert, ergänz­te Ober­fran­kens Bau­ern­prä­si­dent Her­mann Greif. „Manch einer schaut beim Betre­ten des Stalls nicht zuerst auf die Tie­re, son­dern dar­auf, ob eine ver­steck­te Kame­ra ange­bracht wor­den ist“. Eine Hof­über­ga­be, die Ruk­wied selbst bereits plant, gebe es auch nur dann, wenn sich die Mühe auch loh­ne. Den Ball sieht der Bau­ern­prä­si­dent im Spiel­feld des Han­dels und der Poli­tik. Man brau­che bei­de, damit es nicht zu Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen kom­me, die die deut­schen Land­wir­te benach­tei­lig­ten. Stich­punk­te sind hier rück­wir­ken­de Über­ge­winn­steu­er, Nitrat­be­la­stung des Grund­was­sers, stei­gen­de Ener­gie­prei­se, nicht nutz­ba­re FFH-Gebie­te, zu hoher Min­dest­lohn, Schlupf­lö­cher in Hal­tungs- und Her­kunfts-Kenn­zeich­nung, Beja­gung von Wolf, Kor­mo­ran und Fisch­ot­ter… Man sei bereit, mit allen Sei­ten zusam­men­ar­bei­ten, auch den Umwelt­schutz­ver­bän­den. Am Ende müss­ten die Land­wir­te und ihre Fami­li­en von ihrer Arbeit aber auch leben können.

Auf­ge­ge­ben wird nicht

Auf­ge­ben kommt für Ruk­wied aller­dings nicht in Fra­ge. Er plä­diert in sei­ner völ­lig frei gehal­te­nen Rede für das stän­di­ge, immer wie­der­keh­ren­de Boh­ren dicker Bret­ter. Tat­säch­lich erfah­ren sei­ne Kol­le­gen, wie ihr Prä­si­dent tag­täg­lich mit den poli­ti­schen Ent­schei­dern spricht, die Argu­men­te der Land­wir­te vor­bringt und ver­sucht, das Schlimm­ste zu ver­hin­dern. Das gelin­ge manch­mal, aber nicht immer. „Die Mehr­hei­ten sind ande­re“. Es hel­fe nichts, sich nur über die Lage zu bekla­gen. Man müs­se sich in Gemein­de­rä­ten und Kreis­ta­gen und dar­über hin­aus poli­tisch enga­gie­ren. „Man kann nur etwas bewir­ken, wo man die Hand zur Abstim­mung hebt“.

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