Schub für Fran­ken-Sach­sen-Magi­stra­le angemahnt

Die Unterzeichner der Petition für die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale © StMB
Die Unterzeichner der Petition für die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale © StMB

Ver­kehrs­mi­ni­ster Bern­rei­ter: „Wir las­sen Bund nicht aus sei­ner Verantwortung!“

  • Durch­ge­hen­de Elek­tri­fi­zie­rung der Strecke Nürn­berg – Markt­red­witz – Hof – Dres­den drin­gend nötig
  • Schul­ter­schluss der betrof­fe­nen Regio­nen und gemein­sa­me Reso­lu­ti­on an den Bund
  • Bay­erns Ver­kehrs­mi­ni­ster Chri­sti­an Bern­rei­ter und Sach­sens Ver­kehrs­mi­ni­ster Mar­tin Dulig: „Der Rück­zugs­ver­such des Bun­des ist völ­lig unver­ständ­lich! Nur mit der durch­ge­hen­den Elek­tri­fi­zie­rung rücken inter­na­tio­na­le Direkt­ver­bin­dun­gen von Nürn­berg und Nord­ost­bay­ern über Süd­westsach­sen, Dres­den und Ostsach­sen bis nach Bres­lau oder Kra­kau in den Bereich des Möglichen“

Das Unver­ständ­nis und die Ver­wun­de­rung in Bay­ern und Sach­sen zum Stopp des Bun­des­ver­kehrs­mi­ni­ste­ri­ums für den Aus­bau der Fran­ken-Sach­sen-Magi­stra­le nimmt wei­ter Fahrt auf. „Die Fran­ken-Sach­sen-Magi­stra­le ist viel zu wich­tig, als dass wir uns den plum­pen Ver­such der Bun­des­re­gie­rung gefal­len las­sen, das Pro­jekt im Regen ste­hen zu las­sen. Es ist völ­lig hane­bü­chen, nun mit einer zu gerin­gen Wirt­schaft­lich­keit zu argu­men­tie­ren“, so Bay­erns Ver­kehrs­mi­ni­ster Chri­sti­an Bern­rei­ter. „Der Stopp des Pro­jekts macht die jahr­zehn­te­lan­gen Bemü­hun­gen um eine bes­se­re und direk­te Ver­bin­dung von Nürn­berg nach Sach­sen und Tsche­chi­en zunich­te und ist eine abrup­te Voll­brem­sung auf hal­bem Weg – vom nega­ti­ven Kli­ma­ef­fekt ganz zu schweigen!“In einer gemein­sa­men Reso­lu­ti­on for­dern nun Man­dats­trä­ger aus Nord­ost­bay­ern und Sach­sen zusam­men mit den Frei­staa­ten Bay­ern und Sach­sen den Bund des­we­gen auf, das Pro­jekt zügig voranzutreiben.

Der Aus­bau der Bahn­strecke von Nürn­berg über Markt­red­witz bis Hof bzw. Schirn­ding an der deutsch-tsche­chi­schen Gren­ze soll die Elek­tri­fi­zie­rungs­lücke zwi­schen Nürn­berg und Leip­zig bzw. Dres­den und wei­ter nach Prag schlie­ßen und einen durch­gän­gi­gen Fern­ver­kehr ermög­li­chen. Ver­ant­wort­lich für die­ses über­re­gio­na­le Infra­struk­tur­pro­jekt ist gemäß Grund­ge­setz der Bund. Doch der ver­sucht nun, sich aus der Ver­ant­wor­tung zu zie­hen. „Dau­ernd redet die Bun­des­re­gie­rung davon, mehr für die Ver­kehrs­wen­de und den Kli­ma­schutz zu machen und die Pla­nun­gen bei Infra­struk­tur­pro­jek­ten deut­lich beschleu­ni­gen zu wol­len“, so Mini­ster Bern­rei­ter. „Bei der Fran­ken-Sach­sen-Magi­stra­le ist jetzt mona­te­lang aber gar nichts vor­an­ge­gan­gen. Nun teilt der Bund auf ein­mal auch noch mit, dass die Pla­nun­gen wegen zu gerin­ger Wirt­schaft­lich­keit nicht fort­ge­führt wer­den sol­len. Ich bin mit mei­nem Kol­le­gen in Sach­sen und den Man­dats­trä­gern aus der Regi­on einer Mei­nung: Das wer­den wir der Bun­des­re­gie­rung nicht durch­ge­hen lassen!“

„Die Elek­tri­fi­zie­rung der Fran­ken-Sach­sen-Magi­stra­le ist für alle Regio­nen ent­lang der Strecke von zen­tra­ler Bedeu­tung“, so Hofs Land­rat Dr. Oli­ver Bär und Kulm­bachs Land­rat Klaus Peter Söll­ner ein­mü­tig. „Dies gilt für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die schon sehr lan­ge auf eine Ver­bes­se­rung der Bahn­ver­bin­dun­gen war­ten. Dies gilt aber auch für unse­re Wirt­schaft. In Zei­ten der Nach­hal­tig­keit kön­nen wir uns die größ­te Die­sel­insel Deutsch­lands nicht wei­ter leisten.“

Der Ver­kehrs­mi­ni­ster des Frei­staats Sach­sen, Mar­tin Dulig, ergänzt: „Ich gehe stark davon aus, dass hier noch nicht das letz­te Wort gespro­chen ist und erwar­te vom Bund, dass er sich mit uns dazu an einen Tisch setzt. Ein Nein zum geplan­ten Aus­bau wird Sach­sen daher nicht akzep­tie­ren. Stra­te­gi­sches Ziel ist, auf den ein­sti­gen Fern­ver­kehrs­strecken Mün­chen – Regensburg/​Nürnberg – Hof – Leipzig/​Dresden und dar­über hin­aus mit­tel­fri­stig wie­der hoch­qua­li­ta­ti­ve Lei­stun­gen im Eisen­bahn­fern­ver­kehr zu ermög­li­chen. Grund­vor­aus­set­zung hier­für ist die voll­stän­di­ge Elek­tri­fi­zie­rung der zuge­hö­ri­gen Streckenabschnitte.“

Bei­de Frei­staa­ten hat­ten auf der Teil­strecke Rei­chen­bach – Hof die Initia­ti­ve ergrif­fen und unter finan­zi­el­ler Betei­li­gung bei­der Län­der die Elek­tri­fi­zie­rung die­ses Abschnit­tes ange­scho­ben, wel­cher Ende 2013 in Betrieb genom­men wur­de. Dies auch im Ver­trau­en dar­auf, dass die Elek­tri­fi­zie­rung in Rich­tung Nürn­berg auf baye­ri­scher Sei­te fort­ge­führt wird. Die Maß­nah­me kann erst dann ihre vol­le ver­kehr­li­che und wirt­schaft­li­che Wirk­sam­keit ent­fal­ten, wenn die ver­blei­ben­de Elek­tri­fi­zie­rungs­lücke geschlos­sen ist. Die durch­ge­hen­de Elek­tri­fi­zie­rung bil­det zudem das Rück­grat für wei­ter­ge­hen­de inter­na­tio­na­le Direkt­ver­bin­dun­gen von den baye­ri­schen Groß­städ­ten über Nord­ost­bay­ern und Süd­westsach­sen, Dres­den und Ostsach­sen bis nach Bres­lau oder Kra­kau und sogar in die Ukraine.

Bei der Ver­an­ke­rung im Vor­dring­li­chen Bedarf des aktu­el­len Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans (BVWP 2030) hat der Bund für das Pro­jekt ins­ge­samt 1,2 Mil­li­ar­den Euro ver­an­schlagt und ein Nut­zen-Kosten-Ver­hält­nis (NKV) mit 1,3 berech­net. Nun soll die­ses Ver­hält­nis auf ein­mal nur noch bei 0,6 und damit unter dem nöti­gen Min­dest­wert von 1,0 lie­gen. Mini­ster Bern­rei­ter: „Der Aus­bau ist aus gutem Grund von Bun­des­tag und Bun­des­rat als Bedarfs­plan­pro­jekt beschlos­sen wor­den. Zudem ist es auch im Deutsch­land­takt, für den der Bund erst kürz­lich bei sei­ner Regio­nal­kon­fe­renz Süd­ost in Nürn­berg getrom­melt hat, als soge­nann­te unmit­tel­ba­re Maß­nah­me ver­or­tet. Nicht zuletzt gehört die Strecke zum Kern­netz der EU, das bei der Schie­ne in sei­ner Gesamt­heit elek­tri­fi­ziert sein soll.“

Schon im zurück­lie­gen­den Som­mer hat­ten Sach­sens Ver­kehrs­mi­ni­ster Mar­tin Dulig und Mini­ster Bern­rei­ter in einem gemein­sa­men Brand­brief an Bun­des­ver­kehrs­mi­ni­ster Dr. Vol­ker Wis­sing gefor­dert, den Aus­bau end­lich wei­ter vor­an­zu­trei­ben. Gemein­sam hat nun Bay­erns Ver­kehrs­mi­ni­ster mit Land­rä­ten, Ober­bür­ger­mei­stern und Abge­ord­ne­ten aus der betrof­fe­nen Regi­on in Mün­chen eine Reso­lu­ti­on ver­ab­schie­det, um ihre For­de­run­gen klar zu machen. Im Kon­text zur Reso­lu­ti­on äußern die Unter­zeich­ner auch ihre Kri­tik und Zwei­fel an den Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nun­gen des Bun­des und wol­len vom Bund hier­zu einen umfang­rei­chen Fra­gen­ka­ta­log beant­wor­tet wissen.

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