Tipp der Stern­war­te Feu­er­stein: Leo­ni­den 2022 – Stern­schnup­pen des Kome­ten 55P/­Tem­pel-Tut­tle

Sternwarte Feuerstein. Foto: Alex Dittrich / Wiesentbote
Sternwarte Feuerstein. Foto: Alex Dittrich / Wiesentbote

Einer der bekann­te­sten peri­odi­schen Mete­or­strö­me des Jah­res sind die Leo­ni­den, die aus abge­lö­sten Par­ti­keln des Kome­ten 55P/­Tem­pel-Tut­tle bestehen. Etwa am 18. Novem­ber kreuzt die Erde auf ihrem Weg um die Son­ne die Umlauf­bahn des oben genann­ten Kome­ten und somit kön­nen abge­lö­ste Kome­ten­par­ti­kel auf die­ser Bahn mit der Erde bzw. der Atmo­sphä­re kollidieren.

Trouvelot, E. L.: "The November meteors: As observed between midnight and 5 o'clock A.M. on the night of November 13-14 1868." Quelle: The New York Public Library,

Trou­ve­lot, E. L.: „The Novem­ber mete­ors: As obser­ved bet­ween mid­ni­ght and 5 o’clock A.M. on the night of Novem­ber 13–14 1868.“ Quel­le: The New York Public Library,

Beim Ein­tritt der Par­ti­kel in unse­re Luft­hül­le in etwa 100km Höhe mit einer Geschwin­dig­keit von etwa 70km/​s kann die Luft nicht aus­wei­chen, wird kom­pri­miert und somit enorm heiß. Das führt zum Glü­hen und weit­hin sicht­ba­ren Auf­leuch­ten. Schließ­lich Ver­damp­fen die meist nur sand­korn­gro­ßen Par­ti­kel. Für Beob­ach­ter auf der Erd­ober­flä­che scheint der per­spek­ti­vi­sche Ursprung (Radi­ant) all die­ser Stern­schnup­pen im Stern­bild Löwe (lat. Leo) zu lie­gen. Der Name des Stern­bil­des prägt dabei den Namen des Mete­or­stroms der Leoniden.

Da der Löwe erst in der zwei­ten Nacht­hälf­te zu sehen ist, kön­nen die Meteo­re, im Volks­mund Stern­schnup­pen genannt, vor­her nicht beob­ach­tet wer­den. Rich­tig hoch steigt der Radi­ant aber erst kurz vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung. Der Akti­vi­täts­zeit­raum der Leo­ni­den erstreckt sich vom 13. bis zum 21. November.

Die­ses Jahr wird das erste inter­es­san­te Leo­ni­den­jahr seit 2009 sein. Das tra­di­tio­nel­le Maxi­mum mit etwa 10 – 15 Stern­schnup­pen pro Stun­de wird um Mit­ter­nacht 18.–19.11.2022 erreicht, wenn der Radi­ant bei uns noch sehr tief steht. Wesent­lich inter­es­san­ter – wenn auch durch das Licht des abneh­men­den Mon­des und die Mor­gen­däm­me­rung beein­träch­tigt – ist die Pas­sa­ge einer Par­ti­kel­spur am Mor­gen des 19.11.2022 gegen 7 Uhr MEZ. Die die Zeni­thal Hour­ly Rate (ZHR, deutsch etwa zeni­ta­le stünd­li­che Rate) liegt dann im Bereich von 50 – 200. Nicht gera­de groß­ar­tig, aber ein Zei­chen, dass der Ursprungs­ko­met im Jahr 2033 der Erde wie­der nahe kommt.

Skizze der Sternpositionen und des Leonidenzentrums am Morgenhimmel / Sichtrichtung SüdOst

Skiz­ze der Stern­po­si­tio­nen und des Leo­ni­den­zen­trums am Mor­gen­him­mel / Sicht­rich­tung SüdOst

Für die Beob­ach­tung ist ein geeig­ne­ter Beob­ach­tungs­platz sehr wich­tig. Einer­seits soll kein künst­li­ches Licht weit und breit zu sehen sein. Um das stö­ren­de Mond­licht abzu­schir­men ist z.B. ein ein­zeln ste­hen­der Baum oder ein ande­res Hin­der­nis sehr hilf­reich. Anson­sten soll­te man in der zwei­ten Nacht­hälf­te ein­fach nur freie Sicht auf den öst­li­chen Him­mel haben. Hilfs­mit­tel wie Fern­glas oder gar Tele­skop sind nicht nötig. Wich­tig dage­gen ist eine sehr war­me Klei­dung, dann ent­spannt für eini­ge Stun­den den Blick über den Him­mel schwei­fen lassen.

Dr. Frank Fleischmann
Stern­war­te Feu­er­stein, Ebermannstadt

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