Arten­kennt­nis­pro­jekt in der Regi­on Bamberg

Gastredner Prof. Dr. Kai Frobel umrahmt von Projektkoordinator Jan Ebert (links) und dem 1. Vorsitzender des BN Bamberg Erich Spranger. Foto: Amelie Seidler
Gastredner Prof. Dr. Kai Frobel umrahmt von Projektkoordinator Jan Ebert (links) und dem 1. Vorsitzender des BN Bamberg Erich Spranger. Foto: Amelie Seidler

Was man kennt, das schützt man – BN zieht posi­ti­ve Bilanz

Bei der Abschluss­ver­an­stal­tung des Pro­jekts „Arten­kennt­nis erhal­ten – ent­decke Dein Natur­ta­lent“ blick­te der BUND Natur­schutz (BN) Bam­berg auf drei Pro­jekt­jah­re zurück. Ziel des Umwelt­bil­dungs­an­ge­bots war und ist es, der immer wei­ter schwin­den­den Arten­kennt­nis in der Bevöl­ke­rung ent­ge­gen­zu­wir­ken, denn nicht nur vie­le Tier- und Pflan­zen­ar­ten ste­hen auf der Roten Liste, son­dern auch Men­schen mit guten Artenkenntnissen.

Gast­red­ner und BN-Arten­schutz­re­fe­rent Prof. Dr. Kai Fro­bel, bekannt als Initia­tor für das Natur­schutz­groß­pro­jekt „Grü­nes Band“, ist gei­sti­ger Vater des Arten­kennt­nis­pro­jekts. Zunächst ver­deut­lich­te er an ver­schie­de­nen Bei­spie­len den dra­ma­ti­schen Rück­gang der Arten­viel­falt in den letz­ten Jahr­zehn­ten. Die Roten Listen der gefähr­de­ten Tier- und Pflan­zen­ar­ten in Bay­ern wer­den immer län­ger. Sie spie­geln die nega­ti­ve Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te deut­lich wider. Knapp über die Hälf­te sowohl der Pflan­zen als auch der Tier­ar­ten in Bay­ern sind gefähr­det oder bereits aus­ge­stor­ben. Ehe­mals häu­fi­ge Arten wie die Feld­ler­che sind sel­ten gewor­den. Frü­her ver­brei­te­te, aber nicht so häu­fi­ge Arten wie der Kie­bitz sind mitt­ler­wei­le fast ver­schwun­den. Bekannt ist auch die soge­nann­te Kre­fel­der Stu­die, nach der in 25 Jah­ren in 63 deut­schen Schutz­ge­bie­ten ein Rück­gang von drei Vier­tel der Flug­in­sek­ten-Bio­mas­se fest­ge­stellt wur­de. „Wir müs­sen erheb­lich mehr für die Bio­di­ver­si­tät tun. Das Arten­ster­ben stellt neben der Kli­ma­ka­ta­stro­phe eine wei­te­re Bedro­hung unse­rer Lebens­grund­la­gen dar und wird von der Dimen­si­on her lei­der immer noch unter­schätzt“, mahn­te Frobel.

Haupt­ur­sa­che der Gefähr­dung ist der Ver­lust geeig­ne­ter Lebens­räu­me durch zu inten­si­ve Land­nut­zung, durch Flä­chen­ver­sie­ge­lung und durch Zer­schnei­dung von Lebens­räu­men. So min­dert die hohe Nähr­stoff­be­la­stun­gen durch zu viel Dün­gung und durch den Ver­kehr die Arten­viel­falt. Ein wei­te­res Pro­blem sind der Ein­satz von Pesti­zi­den sowie struk­tur­ar­me Agrar­land­schaf­ten. Der Kli­ma­wan­del kommt als Ursa­che für das Arten­ster­ben hin­zu und stellt nach Fro­bels Wor­ten den Arten­schutz vor ganz neue Herausforderungen.

Die Ver­än­de­run­gen im Zusam­men­hang mit dem erfolg­rei­chen Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt in Bay­ern wer­te­te Fro­bel als posi­tiv. Wenn­gleich vie­le der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Maß­nah­men von der Staats­re­gie­rung nur schlep­pend umge­setzt wer­den. So geht bei­spiels­wei­se die Aus­wei­tung des öko­lo­gi­schen Land­baus deut­lich zu lang­sam voran.

Aber nicht nur die Arten­viel­falt nimmt ab, son­dern auch Men­schen mit Arten­kennt­nis. Fro­bel berich­te­te über die Ursprün­ge des Arten­kennt­nis­pro­jekts und die Wich­tig­keit, Men­schen für die Bio­di­ver­si­tät zu begei­stern und zu Arten­ken­nern aus­zu­bil­den. Denn gute Arten­kennt­nis­se sind eine unver­zicht­ba­re Grund­vor­aus­set­zung für eine Beur­tei­lung des Arten­rück­gangs und für prak­ti­schen Natur­schutz. Seit sei­ner 2016 erschie­ne­nen Stu­die zur „Ero­si­on der Arten­ken­ner“ ist das Anle­gen und Ver­bes­sern von Arten­kennt­nis mitt­ler­wei­le fester Bestand­teil im Bereich der Umwelt­bil­dungs­an­ge­bo­te ver­schie­de­ner Natur­schutz­ver­ei­ne und ‑orga­ni­sa­tio­nen in ganz Deutsch­land geworden.

Koor­di­na­tor des Bam­ber­ger Arten­ken­ner­pro­jekts und Lei­ter der Vogel­be­stim­mungs­kur­se Jan Ebert blick­te auf die im Land­kreis von 2020 bis 2022 durch­ge­führ­ten Kur­se zurück, die mit der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung von LEA­DER, der Ober­fran­ken- und Hei­de­hof­stif­tung sowie der Post­code Lot­te­rie umge­setzt wer­den konn­ten. Ins­ge­samt nah­men über 250 Erwach­se­ne an den Kur­sen teil, die alle aus einer theo­re­ti­schen Ein­füh­rung und 4–5 Exkur­sio­nen bestan­den. Ange­bo­ten wur­den die Art­grup­pen Amphi­bi­en, Fal­ter, Fle­der­mäu­se, Insek­ten, Pflan­zen, Pil­ze und Vögel. Auf den Exkur­sio­nen wur­den typi­sche Lebens­räu­me im Land­kreis Bam­berg auf­ge­sucht. Wich­tig war es den Kurs­lei­te­rin­nen und Kurs­lei­tern nicht nur Wis­sen zu ver­mit­teln, son­dern für die Viel­falt und Schön­heit der Natur zu begeistern.

Eine Aus­wer­tung der Fra­ge­bö­gen, die alle Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer am Ende der Kur­se anonym aus­fül­len konn­ten, ergab, dass sich der aller­größ­te Teil erfolg­reich Arten­kennt­nis­se aneig­nen konn­te und sich auch wei­ter­hin mit der jewei­li­gen Art­grup­pe beschäf­ti­gen wird. Dies wur­de auch bei einem klei­nen Talk am Ende der Ver­an­stal­tung von Erich Spran­ger mit Kurs­teil­neh­me­rin­nen und Kurs­teil­neh­mern deutlich.

Auf­grund des gro­ßen Inter­es­ses an den Arten­kennt­nis­kur­sen plant der BN Bam­berg die Kurs­rei­he fortzusetzen.

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