Coburg: Jun­ge Kunst aus dem Hier und Jetzt: Aus­stel­lungs­er­öff­nung „Dou­ble Fea­ture. Die Klas­se Freie Kunst Glas der Hoch­schu­le Koblenz“

Selina Weber, Ohne Titel, 2022 © Kunstsammlungen der Veste Coburg
Selina Weber, Ohne Titel, 2022 © Kunstsammlungen der Veste Coburg

Aus­stel­lungs­er­öff­nung „Dou­ble Fea­ture. Die Klas­se Freie Kunst Glas der Hoch­schu­le Koblenz“

Sahar Baharymoghaddam in ihrer Installation „Verweile doch“, 2021; © Kunstsammlungen der Veste Coburg

Sahar Baha­ry­mo­g­had­dam in ihrer Instal­la­ti­on „Ver­wei­le doch“, 2021; © Kunst­samm­lun­gen der Veste Coburg

Der erste Teil der Aus­stel­lung „Dou­ble Fea­ture. Die Klas­se Freie Kunst Glas der Hoch­schu­le Koblenz“ wur­de eröffnet.

Die Arbei­ten der Stu­die­ren­den fügen sich wie selbst­ver­ständ­lich ein in das Euro­päi­sche Muse­um für Moder­nes Glas. Ent­spre­chend stolz zeig­te sich Jens Gus­sek, Kunst-Pro­fes­sor am Insti­tut für Künst­le­ri­sche Kera­mik und Glas in Höhr-Grenz­hau­sen, der mit vier Stu­die­ren­den zum Aus­stel­lungs­auf­bau nach Fran­ken gekom­men ist und nun das Ergeb­nis prä­sen­tie­ren darf. „Ein Kunst­werk ist dann fer­tig, wenn es sich im Raum bewährt. Wir kön­nen die Qua­li­tät ein­lö­sen, die eine Aus­stel­lung in einem Muse­um erfor­dert“, so Jens Gussek.

Ange­schlos­sen ist das Insti­tut an die Hoch­schu­le Koblenz ─ in Deutsch­land einer der weni­gen Orte, an denen der­zeit eine aka­de­mi­sche Aus­bil­dung im Zusam­men­hang mit Glas und Kera­mik mög­lich ist. „Was beschäf­tigt die jun­gen Künst­le­rin­nen und Künst­ler heu­te? Was pas­siert heu­te in den Aka­de­mien? Das woll­ten wir zei­gen“, erklärt Jens Gus­sek die Aus­stel­lungs­idee. Und sehr Rei­fes, Inter­na­tio­na­les gilt es zu ent­decken. Zum Bei­spiel die für ein Erst­se­me­ster-Werk ganz erstaun­li­che Arbeit: „Die Begeg­nung“ von Nata­lie Veken aus Ita­li­en. Zwei Glas­kör­per ste­hen sich gegen­über, deren Ten­ta­kel vor­sich­ti­gen Kon­takt suchen. Ob die­ses „Füh­ler-Aus­strecken“ erfolg­reich sein wird, bleibt unklar, aber es wird eine spür­ba­re Span­nung erzeugt.

Lena Trost, [Distill] the smell of glass, 2022; © Kunstsammlungen der Veste Coburg

Lena Trost, [Distill] the smell of glass, 2022; © Kunst­samm­lun­gen der Veste Coburg

In unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft stellt Liya Gabi­to­va aus Russ­land eine Blu­me in den Mit­tel­punkt der Betrach­tung. Kei­ne sym­bol­schwe­ren Rosen oder Lili­en, son­dern: die Gera­nie. Der Aller­welts-Blu­men­schmuck vie­ler Wohn­häu­ser steht in ihrer Wand­in­stal­la­ti­on „Melan­cho­lie“ für Bei­läu­fig­keit und Nor­ma­li­tät. Für Liya Gabi­to­va ist sie eine Brücke zwi­schen ihrem deut­schen Stu­di­en­ort und ihrer rus­si­schen Hei­mat, denn auch dort schmücken die Men­schen ihre Häu­ser mit Gera­ni­en. Auch die Ira­ne­rin Sahar Baha­ry­mag­had­dam setzt sich mit dem Gegen­satz von Hei­mat und Frem­de aus­ein­an­der. Eine bereits zum Teil in der Aus­stel­lung zum Cobur­ger Glas­preis 2022 gezeig­te Arbeit ent­fal­tet sich nun auf meh­re­ren Qua­drat­me­tern Grund­flä­che. Da sind glä­ser­ne Umriss­li­ni­en einer klei­nen Woh­nung, dar­in ein glä­ser­ner Gar­ten­stuhl nach Schin­kel, ein kalt­wei­ches Kis­sen aus Glas, eine orga­ni­sche, gehirn­ar­ti­ge Struk­tur aus Kera­mik. Fin­det hier das Unbe­ha­gen ein Zuhause?

„Die Kraft der Balan­ce“ beti­tel­ten Sija Wang und Yun­fei Fan aus Chi­na ihre Vide­oper­for­mance. Das Paar prüft das fra­gi­le Gleich­ge­wicht inner­halb mensch­li­cher Bezie­hun­gen, indem es eine gro­ße Milch­glas­plat­te zwi­schen sich hin und her­pen­deln lässt. Der Durch­blick und gleich­zei­tig der Anblick der Part­ner wech­selt vom Deut­li­chen ins Unschar­fe und wie­der zurück, wäh­rend die Mate­ria­li­tät des Gla­ses und sein har­ter Klang einer­seits Kon­trol­lier­bar­keit, ande­rer­seits aber auch Gefahr asso­zi­ie­ren lässt. Raum­grei­fend ist die Boden­in­stal­la­ti­on von Lena Trost, die nach ihrem Stu­di­um der­zeit an der Bau­haus-Uni­ver­si­tät Wei­mar pro­mo­viert. Sie beschäf­tigt sich mit der Kraft des Ima­gi­nä­ren, mit Kör­per­lich­kei­ten und mit Gerü­chen und bie­tet Work­shops in Form von Glas-Tastings“ an. Für die Aus­stel­lung schuf sie das objekt­ge­wor­de­ne Kon­zept eines „Geruchs­la­bors“ rund um das ─ an sich geruchs- und geschmacks­neu­tra­le ─ Mate­ri­al Glas. Ihr Werk greift einer­seits die Idee einer Destil­le­rie auf, in der Par­füm her­ge­stellt wird und ver­weist ande­rer­seits auf Labo­re aus Che­mie und Medizin.

/ Geblasenes und geschliffenes Objekt von Markus Marschmann als Teil der Installation „Polymorphie“

/ Gebla­se­nes und geschlif­fe­nes Objekt von Mar­kus Marsch­mann als Teil der Instal­la­ti­on „Poly­mor­phie“ © Kunst­samm­lun­gen der Veste Coburg

„Die Aus­stel­lung der Klas­se Freie Kunst Glas fügt sich ein in eine Rei­he von Prä­sen­ta­tio­nen mit aktu­el­len Arbei­ten von Kunst­aka­de­mien und belegt die dyna­mi­sche Ent­wick­lung und die hohe Qua­li­tät der Arbei­ten aus und mit Glas. Beein­druckend ist nicht nur die kon­zep­tio­nel­le Viel­falt der Wer­ke, die The­men wie Hei­mat, Zwi­schen­mensch­lich­keit und Mate­ria­li­tät berührt, son­dern auch die selbst­ver­ständ­li­che Inter­na­tio­na­li­tät der Glas­sze­ne“, betont Sven Hausch­ke, Direk­tor der Kunst­samm­lun­gen der Veste Coburg.

Der erste Teil der Aus­stel­lung ist bis 15. Janu­ar 2023 zu sehen, danach wer­den wei­te­re Arbei­ten der Klas­se Freie Kunst bis 16. April 2023 gezeigt.

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