Natur­schutz im Sperr­ge­biet: Wie sel­te­ne Arten auf Bun­des­flä­chen im Osten Bam­bergs erhal­ten werden

Typische Art der Sandmagerrasen: Das Berg-Sandglöckchen. Es gehört zu den Glockenblumengewächsen. (Foto: Klima- und Umweltamt, Dr. Jürgen Gerdes)
Typische Art der Sandmagerrasen: Das Berg-Sandglöckchen. Es gehört zu den Glockenblumengewächsen. (Foto: Klima- und Umweltamt, Dr. Jürgen Gerdes)

Wie dyna­misch die Natur ist, das ist auf dem ehe­ma­li­gen Schieß­platz der US-Armee zu beob­ach­ten. Seit dem Abzug der Ame­ri­ka­ner im Jahr 2014 ist das Gelän­de sich selbst über­las­sen. Und damit der Natur. Inner­halb weni­ger Jah­re gin­gen unzäh­li­ge Spröss­lin­ge der Kie­fer auf und das Gelän­de droh­te zu einem Wald zu wer­den. Das wäre prin­zi­pi­ell nicht wei­ter schlimm, schließ­lich ist auch ein Wald Natur, ins­be­son­de­re ein sich selbst ent­wickeln­der Wald. Aber in die­sem Fall leg­ten Natur­schüt­zer ihr Veto ein – sowohl die Natur­schüt­zer der Regie­rung von Ober­fran­ken und der Stadt Bam­berg als auch die der Natur­schutz­ver­bän­de. Denn: Der Schieß­platz hat­te sich bereits wäh­rend der Zeit sei­ner mili­tä­ri­schen Nut­zung in ein hoch­wer­ti­ges, lan­des­weit bedeut­sa­mes Bio­top, eine sehr arten­rei­che Sand­step­pe, ver­wan­delt. Die soll­te erhal­ten blei­ben und nicht einem Kie­fer­wald zum Opfer fallen.

In dem Bio­top wach­sen unzäh­li­ge wär­me­lie­ben­de Pflan­zen­ar­ten, wie etwa die Sand­gras­nel­ke oder das Berg-Sand­glöck­chen. Außer­dem brü­tet auf den nied­ri­gen Rasen­flä­chen die sel­te­ne Hei­de­lerche, die sich offen­bar auch durch den gele­gent­li­chen Schieß­lärm nicht ver­trei­ben ließ. Um die arten­rei­che Kul­tur­land­schaft zu erhal­ten, muss die Flä­che ent­spre­chend gepflegt wer­den. Da der Schieß­platz nach wie vor Eigen­tum der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist, stimm­ten sich hier­zu die Natur­schüt­zer der Regie­rung, Sieg­fried Weid und Ste­phan Neu­mann, sowie Stadt­bio­lo­ge Jür­gen Ger­des mit dem Bun­des­forst ab. Bun­des­för­ster und Revier­lei­ter Seve­rin Lech­ner orga­ni­sier­te einen Pfle­ge-Ein­satz der Aus­zu­bil­den­den der Bun­des­po­li­zei, die mit Japan­sä­ge und Mus­kel­kraft den auf­schie­ßen­den Jung­kie­fern zu Lei­be rück­ten. Mit Erfolg: Die zuge­wach­se­nen Mager­ra­sen wur­den wie­der freigestellt.

Die Aus­lich­tung der Mager­ra­sen­flä­chen ist Vor­aus­set­zung für die wei­te­re Pfle­ge. Die­se über­nimmt ab die­sem Herbst der Land­schafts­pfle­ge­ver­band Land­kreis Bam­berg e.V., bei dem die Stadt Bam­berg Mit­glied ist. Unter Auf­sicht des Bun­des­for­stes wird die Flä­che des Schieß­plat­zes künf­tig jähr­lich im Herbst gemäht, um eine Wald­be­wach­sung zu ver­hin­dern. Das Mäh­gut wird ent­fernt, um Stick­stoff­an­rei­che­rung zu ver­mei­den, und ver­bleibt in den Wald­be­rei­chen des Schieß­plat­zes. Zukünf­tig wird es, so beto­nen Natur­schutz und Bun­des­forst, damit kei­ne Kon­kur­renz für die arten­rei­chen Sand­ma­ger­ra­sen durch Kie­fern mehr geben.

Geför­dert wer­den die Pfle­ge­ar­bei­ten mit 90 Pro­zent durch den Frei­staat Bayern.

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