Bezirks­kli­ni­kum Ober­main: „Mor­bus Bech­te­rew – eine beson­de­re rheu­ma­ti­sche Erkrankung“

„Morbus Bechterew zeigt sich oft auch im Röntgenbild, wenn es zu knöchernen Veränderungen an der Wirbelsäule kommt“, erläutert Rheumatologe Dr. Dirk Günthel, Leitender Oberarzt am Bezirksklinikum Obermain.
„Morbus Bechterew zeigt sich oft auch im Röntgenbild, wenn es zu knöchernen Veränderungen an der Wirbelsäule kommt“, erläutert Rheumatologe Dr. Dirk Günthel, Leitender Oberarzt am Bezirksklinikum Obermain.

„Der Name Rheu­ma“, so Dr. Dirk Günt­hel, „kommt aus dem Alt­grie­chi­schen und bezeich­net den für die­ses Krank­heits­bild so typi­schen flie­ßen­den Schmerz. Vie­le den­ken bei den über ein­hun­dert Erkran­kun­gen des rheu­ma­ti­schen For­men­krei­ses an die rheu­mato­ide Arthri­tis und die Fibro­my­al­gie, doch der Mor­bus Bech­te­rew zeigt sich immer­hin bei unge­fähr 1% der Bevöl­ke­rung Mit­tel­eu­ro­pas.“ Günt­hel ist Rheu­ma-Exper­te und arbei­tet als Lei­ten­der Ober­arzt an der Kli­nik für Inter­ni­sti­sche Rheu­ma­to­lo­gie am Bezirks­kli­ni­kum Ober­main in Kut­zen­berg. Am Welt­rheu­ma­tag, der immer am 12. Okto­ber began­gen wird, erin­nert er an eine Krank­heit, die nicht heil­bar ist, deren Ver­lauf jedoch gün­stig beein­flusst wer­den kann. Der nach einem rus­si­schen Neu­ro­lo­gen benann­te Mor­bus Bech­te­rew kann bei einer Viel­zahl Betrof­fe­ner zu einer Ver­knö­che­rung und Ver­stei­fung der Wir­bel­säu­le sowie der Darm-Kreuz­bein-Gelen­ke füh­ren und damit ver­laufs­ab­hän­gig auch zu einem mehr oder min­der aus­ge­präg­ten Rundrücken.

Bech­te­rew ist eine chro­nisch-ent­zünd­li­che Erkran­kung, deren Aus­prä­gungs­grad sich über Jah­re und Jahr­zehn­te kon­ti­nu­ier­lich ver­schlech­tern kann, wenn sie uner­kannt bleibt oder nicht behan­delt wird. Bis­wei­len kann es zwar dazu kom­men, dass das Krank­heits­bild bereits in einem Früh­sta­di­um nicht wei­ter fort­schrei­tet, ohne dass der Pati­ent dadurch groß beein­träch­tigt wird. Doch gibt es auch Fäl­le, bei denen ein Schmerz- und Ent­zün­dungs­ge­sche­hen schub­wei­se auf­tritt und größ­te Pro­ble­me berei­tet. Ist die Wir­bel­säu­le bereits inten­siv knö­chern durch­baut, kann sich die Schmer­z­in­ten­si­tät sogar auf Kosten einer deut­lich fort­ge­schrit­te­nen Bewe­gungs­ein­schrän­kung redu­zie­ren. Dirk Günt­hel kennt vie­le die­ser Krank­heits­ver­läu­fe. Der erfah­re­ne Rheu­ma­to­lo­ge arbei­tet nicht nur kli­nisch, son­dern hält auch Sprech­stun­den im Ambu­lan­ten Behand­lungs­zen­trum Ober­main ab, das wie eine Pra­xis funktioniert.

„Ent­zün­dun­gen und Schmer­zen im Bereich der Wir­bel­säu­le beim jun­gen Men­schen, die über Wochen hin­weg andau­ern, soll­ten auch auf Mor­bus Bech­te­rew hin unter­sucht wer­den“, rät des­halb Günt­hel. „Die Schmer­zen begin­nen in der Jugend oder im frü­hen Erwach­se­nen­al­ter, oft­mals schlei­chend und tre­ten ver­stärkt in der zwei­ten Nacht­hälf­te auf. Die Beweg­lich­keit der Gelen­ke nach dem Auf­ste­hen bes­sert sich oft erst nach mehr als einer hal­ben Stun­de.“ Doch auch Schmer­zen im Gesäß, gera­de bei län­ge­rem Sit­zen, kön­nen ein erstes Sym­ptom für Bech­te­rew sein. Dann sind die Darm-Kreuz­bein-Gelen­ke betrof­fen. Die Beweg­lich­keit der Wir­bel­säu­le kann deut­lich ein­ge­schränkt sein. Seh­nen­an­sät­ze kön­nen sich eben­falls ent­zün­den, sogar die Augen – bei­des typi­sche Sym­pto­me für die­se spe­zi­el­le rheu­ma­ti­sche Erkran­kung. Bei bis zu 10 Pro­zent der Betrof­fe­nen geht der Bech­te­rew auch mit einem Mor­bus Crohn ein­her, einer chro­nisch-ent­zünd­li­chen Darmerkrankung.

Ober­stes Ziel bei der Behand­lung des Mor­bus Bech­te­rew muss es sein, das Ent­zün­dungs­ge­sche­hen zu kon­trol­lie­ren und zu redu­zie­ren sowie die Beweg­lich­keit des Pati­en­ten weit­ge­hend zu erhal­ten. „Sicher­lich ist die medi­ka­men­tö­se The­ra­pie, unter ande­rem mit ziel­ge­nau ins Immun­sy­stem ein­grei­fen­den Bio­lo­gi­ka, eine Säu­le der Behand­lung“, erklärt Günt­hel. „Doch ganz ent­schei­dend ist dabei die mul­ti­moda­le Kom­plex­be­hand­lung, näm­lich das per­fek­te Zusam­men­spiel sich ergän­zen­der und auf den jewei­li­gen Men­schen abge­stimm­ter The­ra­pie­ver­fah­ren. Das ist der Königs­weg für einen Behand­lungs­er­folg.“ Bewe­gung und Phy­sio­the­ra­pie sind dabei genau­so unver­zicht­bar wie Ver­fah­ren der Phy­si­ka­li­schen The­ra­pie (unter ande­rem Wär­me- oder Käl­te­be­hand­lun­gen, Mas­sa­gen, Reizstrom).

Die exak­te Ursa­che für die Ent­ste­hung eines Mor­bus Bech­te­rew ist noch nicht bekannt. Aus­ge­gan­gen wird von einer Stö­rung des Immun­sy­stems. Eine Blut­un­ter­su­chung kann offen legen, dass bestimm­te, krank­heits­ty­pi­sche Ent­zün­dungs­pa­ra­me­ter erhöht sind. Als bild­ge­ben­de Ver­fah­ren kom­men Kern­spin­to­mo­gra­fie oder die Rönt­gen­auf­nah­me in Frage.

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