Nach 28 Jah­ren: Ger­hard Rüh­ling über­gibt die Lei­tung des Forst­re­viers Lee­sten an Seba­sti­an Feulner

Mit ban­gem Blick in den Ruhestand

Ger­hard Rüh­ling über­gibt die Lei­tung des Forst­re­viers Lee­sten nach 28 Jah­ren an Seba­sti­an Feulner 

Nach 28 Jahren: Gerhard Rühling übergibt die Leitung des Forstreviers Leesten an Sebastian Feulner Oktober 2022

Der bis­he­ri­ge Lei­ter des Forst­re­viers (bis­her Lee­sten, rechts), Ger­hard Rüh­ling, bei der Über­ga­be des Tough­books an sei­nen Nach­fol­ger Seba­sti­an Feul­ner (links, künf­tig Forst­re­vier Obern­grub). Foto: Baye­ri­sche Staatsforsten

28 Jah­re lang waren sie ihm anver­traut, die Wäl­der am Stamm­berg, Geisberg und im Eich­wald. In den Ruhe­stand geht der Lee­ste­ner För­ster Ger­hard Rüh­ling nun zum 1. Okto­ber 2022 mit sehr gemisch­ten Gefühlen.

Ja, er ist stolz auf das in die­ser Zeit Erreich­te. Vie­le Wald­be­stän­de wur­den in sei­ner Zustän­dig­keit in laubb­baum­rei­che Misch­be­stän­de umge­baut. Der Wald wur­de viel­fäl­ti­ger, bie­tet Lebens­räu­me für unter­schied­lich­ste Tier- und Pflan­zen­ar­ten. Selbst die scheue Wild­kat­ze ist zurück­ge­kehrt auf den Geisberg und schätzt die gro­ße Struk­tur­viel­falt aus tot­holz­rei­chen Alt­be­stän­den, kaum durch­dring­ba­ren Dickun­gen und ver­steck­ten Waldwiesen.

Damit könn­te Ger­hard Rüh­ling sehr zufrie­den in den Ruhe­stand gehen. Doch die Sor­ge um den ihm so lan­ge anver­trau­ten Wald treibt ihn um. Sol­che Schä­den im Wald, wie er sie seit kur­zem erlebt, hat­te er, der För­sters­sohn, seit sei­ner Kind­heit in der Ober­pfalz nicht beob­ach­tet. Bor­ken­kä­fer hat­ten sicher auch schon frü­her reich­lich Appe­tit brach­ten so ein­zel­ne Fich­ten­be­stän­de zum Abster­ben. Die Orka­ne Wieb­ke und Kyrill hat­ten auch schon 1990 und 2007 die Wäl­der rund um den Geisberg­s­en­der schwer geschä­digt. Aber mit der Dimen­si­on der aktu­el­len Kala­mi­tä­ten über alle Baum­ar­ten hin­weg sind die­se frü­he­ren Schä­den nicht zu vergleichen.

Die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels, der Hit­ze und extre­men Trocken­pe­ri­oden sind bereits unüber­seh­bar. Doch Rüh­ling fragt sich, wohin das in den kom­men­den Jah­ren noch füh­ren soll. „Ich habe da ein ganz ungu­tes Gefühl, wenn ich die abster­ben­den und bereits abge­stor­be­nen Alt­bu­chen sehe. Dabei fürch­te ich, dass wir vie­le Schä­den durch die extre­me Som­mer­trocken­heit noch gar nicht erken­nen. Was bedeu­ten die­se gera­de ein­mal hun­dert Liter Regen pro Qua­drat­me­ter in die­sem Jahr zwi­schen Mai und August für die Was­ser­lei­tun­gen in den Alt­bäu­men, für die Wur­zel­zer­rei­ßun­gen oder für die Anfäl­lig­keit gegen­über Insek­ten oder Pil­zen?“, rät­selt Rühling.

Die­se Fra­gen über­la­gern im Moment das Gefühl, doch vie­les erreicht oder ange­sto­ßen zu haben. Dabei wird vie­les im Wald noch lan­ge an Rüh­ling erin­nern. Da sind die gut gepfleg­ten Wald­we­ge, die aus­ge­wie­se­nen Natur­wäl­der. Da sind die vie­len gefass­ten Quel­len Otto‑, Lin­dig- oder Denz­lei­ns-Brun­nen, die er mit Ehren­amt­li­chen instand­ge­setzt hat, oder die Wald­fe­ste am ehe­ma­li­gen Wald­haus Geisberg. Und da ist v.a. auf rie­si­ger Flä­che unter den Alt­bäu­men eine neue Wald­ge­nera­ti­on aus Natur­ver­jün­gung mit den unter­schied­lich­sten Bäum­chen, die er mit sei­nen Jagd­gä­sten gegen zu hohen Ver­biss schütz­te, indem er den Reh­wild­be­stand auf einem wald­ver­träg­li­chen Niveau hal­ten konnte.

Auch die vie­len Holz­ofen­be­sit­zer und Säge­werks­be­trei­ber wer­den sich ger­ne an ihren flei­ßi­gen und gut orga­ni­sier­ten För­ster erin­nern, der ihnen im Rah­men der Nach­hal­tig­keit den begehr­ten nach­wach­sen­den Öko­roh­stoff Holz jeweils bedarfs­ge­recht und zeit­nah zur Ver­fü­gung stellte.

So über­gibt der För­ster aus Lei­den­schaft zum 1. Okto­ber 2022 die ihm über 28 Jah­re anver­trau­ten Wäl­der nun mit gemisch­ten Gefüh­len. Den Abschied erleich­tert ihm die Zuver­sicht, dass ihm mit Seba­sti­an Feul­ner, den er noch umfas­send ein­ar­bei­ten konn­te, ein jun­ger Kol­le­ge nach­folgt, der sich mit eben­so viel Herz­blut bereits inten­siv in sei­nen neu­en Ver­ant­wor­tungs­be­reich ein­ge­ar­bei­tet hat – in die FFH- Manage­ment­plä­ne, die Belan­ge der Rei­ter am Stamm­berg, die tra­di­tio­nel­len Ker­was­bäu­me oder die ange­dach­ten Kon­zep­te, die zahl­lo­sen „wil­den“ Moun­tain­bi­ker in gere­gel­te Bah­nen zu lenken.

Da Seba­sti­an Feul­ner sein Büro bei sich zu Hau­se in Obern­grub 11, 91332 Hei­li­gen­stadt ein­rich­ten kann, wird das Revier Lee­sten künf­tig in „Obern­grub“ umbe­nannt. Seba­sti­an Feul­ner ist unter Tel. +49 9198 38 599 80 oder per E‑Mail Sebastian.​Feulner@​baysf.​de erreich­bar. Die Sprech­stun­de des Forst­re­viers fin­det in Obern­grub jeweils don­ners­tags von 16–18 Uhr statt.

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