Ver­kehrs­aus­schuss des Erlan­ger Stadt­ra­tes stimmt für Unter­stüt­zung eines stu­den­ti­schen 365€-Tickets

Ver­kehrs­aus­schuss in Erlan­gen stimmt ein­stim­mig für die Unter­stüt­zung eines stu­den­ti­schen 365€-Tickets

In einer Pres­se­mit­tei­lung des AK Seme­ster­ticket Erlan­gen-Nürn­berg und des Sprecher*innenrats der FAU Erlan­gen-Nürn­berg heißt es dazu:

Zu Beginn des Som­mer­se­me­sters haben die Stu­die­ren­den­ver­tre­tun­gen von FAU, TH Nürn­berg, EvHN und HfM gemein­sam Unter­schrif­ten für einen Bürger*innenantrag in Erlan­gen sowie einen Bür­ge­rin­nen­an­trag in Nürn­berg mehr als 5.000 Unter­schrif­ten gesam­melt. In Erlan­gen hat nun der Ver­kehrs­aus­schuss des Stadt­ra­tes dem Antrag ein­stim­mig zuge­stimmt. In Nürn­berg ist die Anzahl not­wen­di­ger Unter­schrif­ten noch nicht ganz erreicht. Nach der Stadt Mün­chen ist Erlan­gen nun die zwei­te Stadt in Bay­ern, die die Inklu­die­rung von Stu­die­ren­den in das bestehen­de 365€-Ticket von Schüler*innen und Aus­zu­bil­den­den befürwortet.

In der Beschluss­vor­la­ge heißt es: „Die Ein­füh­rung eines 365-Euro-Tickets für Stu­die­ren­de wird grund­sätz­lich als sinn­voll erach­tet. […] Die Stadt Erlan­gen unter­stützt im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten die Ein­füh­rung eines 365-Euro-Tickets für Studierende.“

Der Antrag, für den vor der Ein­füh­rung und Debat­te um ein 9€-Ticket tau­sen­de Unter­schrif­ten gesam­melt wur­den, sei ein wich­ti­ges sozi­al­po­li­ti­sches und ver­kehrs­po­li­ti­sches The­ma, so die Stu­die­ren­den­ver­tre­tun­gen. Gera­de vom 9€-Ticket haben Men­schen mit klei­nen Geld­beu­tel pro­fi­tiert und der Erfolg mit 52 Mio. ver­kauf­ten Tickets und zudem 10 Mio. Abonnent*innen sprä­che dafür. Der Dach­ver­band der Ver­kehrs­un­ter­neh­men VDV hat zudem eine Erspa­rung von 1,8 Mil­lio­nen Ton­nen CO2 errech­net.

Die Preis­span­ne zwi­schen (Berufs)schüler*innen, Aus­zu­bil­den­den und Stu­die­ren­den klafft dabei immer wei­ter aus­ein­an­der. Stu­die­ren­de wer­den im kom­men­den Jahr 230€ mehr zah­len, um den VGN ganz­tä­gig nut­zen zu kön­nen. „Dabei zeigt eine Umfra­ge mit fast 30% Teil­nah­me­quo­te aller Stu­die­ren­den der vier Hoch­schu­len, dass fast 2/3 aller Stu­die­ren­den weni­ger als 400€ pro Monat nach Abzug von Mie­te und Ver­si­che­run­gen haben. Weni­ger als 400€ für Ernäh­rung, Lern­mit­tel, Mobi­li­tät, Klei­dung uvm. Stu­die­ren­de sind also eine enorm preissen­si­ble Grup­pe und für die­se preissen­si­blen Grup­pen schlägt die 365€-Ticket-Studie des VGN flä­chen­deckend gün­sti­ge­re Tickets vor.“, so Pau­lus Guter, der Koor­di­na­tor des AK Seme­ster­tickets und Ver­tre­ter des Bürger*innenantrags.

„Wir brau­chen die­se Ent­la­stung jetzt! Wäh­rend Coro­na haben wir unse­ren Bei­trag trotz Home­stu­dy­ing wei­ter­ge­zahlt, wir haben kei­ne sechs­mo­na­ti­ge Mehr­wert­steu­er zurück­er­hal­ten, nach dem letz­ten Seme­ster mit 9€-Ticket stei­gen die Prei­se jetzt im kom­men­den Seme­ster um 76% und das in einer Zeit, in der vie­le nicht wis­sen, wie sie die Ener­gie und Lebens­mit­tel noch bezah­len sol­len. Stu­die­ren­de wer­den regel­mä­ßig – wie zuerst auch bei den Ent­la­stungs­pa­ke­ten der Ampel-Regie­rung – ver­ges­sen und auch Lohn­stei­ge­run­gen kom­men hier zuletzt an. Ein 365€-Ticket kann hier merk­lich ent­la­sten und gleich­zei­tig nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät för­dern.“, so Büs­ra Basol, stv. Vor­sit­zen­de des stu­den­ti­schen Kon­vents der FAU und eben­falls Ver­tre­te­rin des Bürger*innenantrags.

„Zudem kön­nen wir die Hoch­schul­re­gi­on stär­ken, denn die Regi­on hat mit das teu­er­ste Seme­ster­ticket Deutsch­lands. Auch wer­den durch eine gün­sti­ge­re öffent­li­che Mobi­li­tät Hür­den der Bil­dungs­un­ge­rech­tig­keit abge­baut und das Stu­di­um für mehr jun­ge Men­schen finan­zier­bar.“, so Chri­sti­an Pep­pel, Vor­sit­zen­der des stu­den­ti­schen Kon­vents der FAU und eben­falls Ver­tre­ter des Bürger*innenantrags.

Beson­ders prä­gnant in die­sem Kon­text ist die Hal­tung der CSU. So hat sie und rang­ho­he Mit­glie­der ihrer Frak­tio­nen seit Jah­ren ver­spro­chen, dass die Stu­die­ren­de auch in das 365€-Ticket inklu­diert wer­den. Im Koali­ti­ons­ver­trag von CSU und Frei­en Wäh­lern steht: „Für die gro­ßen Städ­te Mün­chen, Augs­burg, Nürnberg/​Fürth/​Erlangen, Augs­burg, Regens­burg, Ingol­stadt und Würz­burg wol­len wir auf Dau­er ein 365€-Jahresticket ein­füh­ren. Auf dem Weg dort­hin schaf­fen wir inner­halb der Ver­kehrs­ver­bün­de die Vor­aus­set­zun­gen für neue Tarif­an­ge­bo­te für Jugend­li­che sowie Schü­le­rin­nen und Schü­ler.“ Auch das Ver­kehrs­mi­ni­ste­ri­um hat die Ein­füh­rung durch ver­schie­de­ne wech­seln­de Minister*innen mehr­fach unter­stützt. In einem Schrei­ben der Staats­re­gie­rung an den MVV heißt es, dass bei einer Betei­li­gung der Kom­mu­nen von 1/3 der Min­der­ein­nah­men auch der Frei­staat das Vor­ha­ben finan­zi­ell unter­stützt. Im April 2020 teil­te ein CSU-MdL mit: „Vor­be­halt­lich der Bereit­stel­lung der Mit­tel kann die Erwei­te­rung des Tarif­an­ge­bots auf Stu­den­ten ab dem Win­ter­se­me­ster 2021/22 ver­folgt wer­den.“ Im Früh­jahr 2022 hieß es von Kolleg*innen aus Land­tag und Bun­des­tag, dass ein Beschluss für die Auf­nah­me von Stu­die­ren­den in das 365€-Ticket noch für Q1/2022 geplant sei. Dar­auf­hin stell­te die CSU Mün­chen einen ent­spre­chen­den Antrag im Münch­ner Stadt­rat, des­sen Beschluss­vor­la­ge Vor­la­ge für den hie­si­gen Bürger*innenantrag war. In einem per­sön­li­chen Gespräch sag­te im Juni 2022 auch der Erlan­ger Direkt­ab­ge­ord­ne­te Innen­mi­ni­ster Herr­mann sei­ne Unter­stüt­zung zu. Am 17.07. for­der­te Mini­ster­prä­si­dent Mar­kus Söder ein 365€-Ticket für alle vom Bund, ehe er das Ver­spre­chen eines stu­den­ti­schen 365€-Tickets, das auf einen Ver­kehrs­ver­bund begrenzt ist, am 18.07. – einen Tag spä­ter – öffent­lich kas­sier­te. Dar­auf­hin gab es in Mün­chen einen offe­nen Brief zahl­rei­cher Ver­bän­de, den u.a. auch die Jun­ge Uni­on unterzeichnete.

„Die CSU Ver­kehrs­po­li­tik in Bund und Land hat ver­sagt und bedarf einer völ­lig neu­en Aus­rich­tung auf öko­lo­gi­sche und sozia­le Fak­to­ren! Die Ideo­lo­gie ’Auto first’ oder ’Rich Peop­le first’ gehört der Ver­gan­gen­heit an. Von den mind. 660 Mil­lio­nen Euro, die z.B. der Fran­ken­schnell­weg kosten wird, könn­te man 55 Jah­re lang ein 365€-Ticket für Stu­die­ren­de im VGN finan­zie­ren.“, so Pau­lus Guter in sei­nem Rede­bei­trag im Verkehrsausschuss.

Ein 365€-Ticket ein­zu­füh­ren ist jeder­zeit mög­lich, denn der Ver­trag zwi­schen Stu­die­ren­den­werk und VGN ent­hält eine Aus­stiegs­klau­sel: „Im Fal­le der Ein­füh­rung eines stark rabat­tier­ten Tickets für Stu­die­ren­de (z.B. 365-Euro-Ticket) und gleich­zei­tig gewähr­tem Aus­gleich der dadurch ent­ste­hen­den Min­der­ein­nah­men durch Drit­te, besteht sei­tens des Stu­den­ten­werks eben­falls ein außer­or­dent­li­ches Kün­di­gungs­recht. Das Vor­ge­hen ist ein­ver­nehm­lich abzu­stim­men.“ Die Stu­die­ren­den bedan­ken sich beim Stu­die­ren­den­werk, dem VGN und allen betei­lig­ten Stadt­rats­mit­glie­dern für ihre Unter­stüt­zung und for­dern auf die Staats­re­gie­rung auf, jetzt nachzuziehen.

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