Land­tags­vi­ze­prä­si­dent Frel­ler zu Gast beim frän­ki­schen Hum­boldt-Tag in Goldkronach

Der Zamirchor unter der Leitung von Barbara Baier (2.v.r.) umrahmte den diesjährigen Humboldt-Tag mit Landtagsvizepräsident Karl Freller und Dorothée von Humboldt (Bildmitte) Foto:Privat
Der Zamirchor unter der Leitung von Barbara Baier (2.v.r.) umrahmte den diesjährigen Humboldt-Tag mit Landtagsvizepräsident Karl Freller und Dorothée von Humboldt (Bildmitte) Foto:Privat

In Gold­kro­nach wird als ein­zi­gem Ort in Deutsch­land all­jähr­lich am 14. Sep­tem­ber 2022 des Geburts­ta­ges Alex­an­der von Hum­boldts gedacht. In die­sem Jahr waren als Ehren­gä­ste eine Nach­fah­rin Wil­helm von Hum­boldts, Doro­thée-Isa­bell Frei­in von Hum­boldt-Dach­roe­den, sowie der baye­ri­sche Land­tags­vi­ze­prä­si­dent Karl Frel­ler als Fest­red­ner gekom­men, um dem Uni­ver­sal­ge­lehr­ten zu huldigen.

Musi­ka­lisch fei­er­lich begrüßt wur­den die Gäste anläss­lich des 253. Geburts­ta­ges Alex­an­der von Hum­boldts in der Evang.-Luth. Stadt­kir­che Gold­kro­nach von den Soli­stin­nen des Zamirchors (der Chor­lei­te­rin Bar­ba­ra Bai­er und Scar­lett Rani Adler) sowie dem Orga­ni­sten Aure­lia­no Zattoni.

Ver­eins­vor­sit­zen­der Hart­mut Koschyk berich­te­te von den viel­fäl­ti­gen Akti­vi­tä­ten des Kul­tur­fo­rums und teil­te mit, dass der im ver­gan­ge­nen Jahr beim Hum­boldt-Tag ins Leben geru­fe­ne Schü­ler­wett­be­werb für alle ober­frän­ki­schen Grund­schu­len bereits Früch­te trägt: ein kom­pe­ten­tes wis­sen­schaft­li­ches Team hat eine über­aus gelun­ge­ne Hand­rei­chung aus­ge­ar­bei­tet, wel­che die Grund­la­ge für den Wett­be­werb bil­det. Er sei nun gespannt, wie die ober­frän­ki­schen Grund­schü­ler in einer Pro­jekt­wo­che die gelie­fer­ten Mate­ria­li­en umset­zen. Das Ergeb­nis wird zum Ende des lau­fen­den Schul­jah­res erwar­tet und in einer Fei­er­stun­de vorgestellt.

Doro­thée-Isa­bell Frei­in von Hum­boldt-Dach­roe­den oute­te sich in ihrem Gruß­wort als „Gold­kro­nache­rin“, sei sie doch schon bei vie­len Ver­an­stal­tun­gen des Kul­tur­fo­rums dabei gewe­sen. Sie ver­wies dar­auf, dass sie gemein­sam mit Micha­el Grimm, einem Nach­fah­ren der Gebrü­der Grimm, ein Kin­der­buch mit dem Titel „Der klei­ne Alex­an­der – alles ist mit allem ver­bun­den“ her­aus­ge­ge­ben habe. Das Buch wur­de im Jahr 2021 an ver­schie­de­nen Orten in Gold­kro­nach und Bay­reuth vor­ge­stellt und wird dem­nächst auch als Hör­buch erhält­lich sein. Dar­über hin­aus wur­de aus der Text­vor­la­ge auch ein Musi­cal kom­po­niert, das schon bald auf­ge­führt wird.

Nach drei wun­der­ba­ren Lie­dern von Felix Men­dels­sohn Bar­thol­dy, dar­un­ter „Ver­leih uns Frie­den gnä­dig­lich“, begann Land­tags­vi­ze­prä­si­dent Karl Frel­ler sei­ne Fest­re­de zum The­ma „Alex­an­der von Hum­boldts Bei­trag zur Eman­zi­pa­ti­on der Juden in Deutsch­land“. Als Wink des Schick­sals bezeich­ne­te er es, dass er erst vor eini­gen Tagen von einer Israel­rei­se zurück­ge­kehrt sei und dort erle­ben durf­te, wie lebens­froh und welt­of­fen die Bewoh­ner des Lan­des sei­en, obwohl ihnen vie­ler­orts auf der Welt Into­le­ranz ent­ge­gen­ge­bracht werde.

Als Vor­sit­zen­der der Stif­tung Baye­ri­scher Gedenk­stät­ten, die seit ihrer Grün­dung am 1. Janu­ar 2003 die Ver­ant­wor­tung für die KZ-Gedenk­stät­ten Dach­au und Flos­sen­bürg trägt, sieht er es als sei­ne Auf­ga­be, das Bewusst­sein in der Bevöl­ke­rung für die deutsch-jüdi­sche Geschich­te zu schär­fen, die zwölf dun­kel­sten Jah­re die­ser Bezie­hung nicht aus­zu­spa­ren, son­dern zu ver­su­chen, in eine gemein­sa­me lebens­fro­he Zukunft zu blicken. „Das wür­de Alex­an­der von Hum­boldt gefallen.“

Schon früh­zei­tig kam Alex­an­der von Hum­boldt – wie auch die gesam­te Fami­lie – mit Juden in Kon­takt. Das Haus von Hum­boldt wur­de zum Treff­punkt für die intel­lek­tu­el­le Éli­te, die eine Gleich­stel­lung der Juden in der Gesell­schaft mit glei­chen Rech­ten und Pflich­ten postu­lier­te. Alex­an­der war von die­sen Gedan­ken begei­stert, sie präg­ten sein poli­ti­sches Den­ken, was sich auch dar­in äußer­te, dass er sich für jüdi­sche Künst­ler stark mach­te. Wie z. B. Gia­co­mo Mey­er­beer und eben Felix Men­dels­sohn Bartholdy.

Auch die wis­sen­schaft­li­chen Erfol­ge Alex­an­der von Hum­boldts wären ohne Freund­schaf­ten, die sei­nen Lebens­weg beglei­te­ten, nicht denk­bar. Zu sei­nen wich­tig­sten Freun­den zähl­ten die Ban­kiers Joseph und Alex­an­der Men­dels­sohn. Joseph stell­te nicht nur die Mit­tel für die Ame­ri­ka­rei­se zur Ver­fü­gung, er und sein Sohn befrei­ten den For­scher auch spä­ter durch Kre­di­te von finan­zi­el­len Sor­gen. Eben­so blieb Hum­boldt mit der Fami­lie des Ban­kiers und Stadt­ra­tes Abra­ham Men­dels­sohn Bar­thol­dy und mit wei­te­ren Nach­kom­men des jüdi­schen Phi­lo­so­phen Moses Men­dels­sohn, des­sen Söh­ne und Töch­ter ihm aus Kin­der­ta­gen gut bekannt waren, lebens­lang verbunden.

Resü­mie­rend stell­te Frel­ler zum Schluss sei­ner Rede fest, dass Alex­an­der von Hum­boldt erschüt­tert wäre, wenn er den der­zeit in Deutsch­land und der Welt wie­der auf­kei­men­den Anti­se­mi­tis­mus erle­ben müss­te und mahn­te mit dem treff­li­chen Kin­der­reim „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch kei­nem andern zu“!

Mit sei­ner Fest­re­de hat­te Frel­ler ins Herz des Publi­kums getrof­fen, was ihm mit lang anhal­ten­dem Applaus gedankt wurde.

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