Aus der Unter­greu­ther Leser­post: Leser­brief zum Bericht „FDP-Abge­ord­ne­te für Natio­nal­park Steigerwald“

leserbrief-symbolbild

Ein grü­nes Män­tel­chen für die FDP?

Zum Bericht vom 12.08.2022 im Der Neue Wie­sent­bo­te: FDP-Abge­ord­ne­te für Natio­nal­park Steigerwald

Es geht auf die Land­tags­wah­len in Bay­ern zu. Immer noch glau­ben eini­ge ewig Gest­ri­ge, mit grü­nen The­men auf Stim­men­fang gehen zu kön­nen. Offen­sicht­lich haben sie noch nicht erkannt, dass die in der Rea­li­tät ange­kom­me­nen Grü­nen alle ihre Ideo­lo­gien über den Hau­fen wer­fen muss­ten. Es ist sehr ober­fläch­lich, wenn die drei im oben genann­ten Bericht zitier­ten FDP-Poli­ti­ker Muth­mann, Kör­ber und Sku­tel­la die längst wider­leg­ten Paro­len des Bund Natur­schutz nach­sin­gen. Von einem Poli­ti­ker erwar­tet man, dass er sich umfas­send mit der Mate­rie, das heißt auch mit den Argu­men­ten der Gegen­sei­te, befasst und die sind überzeugend.

Die Buche, eine Baum­art des kühl-feuch­ten Kli­mas, wird bis auf weni­ge Opti­mal­stand­or­te aus dem Stei­ger­wald und auch aus wei­ten Tei­len Deutsch­lands ver­schwin­den, denn das 1,5 Grad Ziel wird in der Trocken­re­gi­on Unter­fran­ken weit ver­fehlt. Auf ein Buchen­welt­na­tur­er­be Stei­ger­wald zu spe­ku­lie­ren, ist typisch für grü­ne Träu­me. Das Fata­le an die­ser Ideo­lo­gie ist, dass in einem ange­dach­ten Natio­nal­park der Umbau des Stei­ger­wal­des mit zukunfts­fä­hi­gen Baum­ar­ten ver­bo­ten ist.

Der Ver­weis auf das ver­meint­li­che Erfolgs­mo­dell Natio­nal­park Baye­ri­scher Wald ist ein pein­li­ches Eigen­tor. Denn was hat er gebracht? Einen groß­flä­chig abge­stor­be­nen Wald mit allen Fol­gen einer aus­fal­len­den CO₂-Ent­la­stung und was die sich selbst über­las­se­ne Natur wie­der bringt sind 95% Fich­ten, die der Bor­ken­kä­fer mit Genuss wie­der ver­nich­ten wird. Da kön­nen auch die öffent­lich­keits­wirk­sam publi­zier­ten Bei­trä­ge (mitt­ler­wei­le auch vom Baye­ri­schen Fern­se­hen), die den Wald der Zukunft bestehend aus eini­gen Vogel­bee­ren, Aspen und Bir­ken sug­ge­rie­ren sol­len, nicht überzeugen.

Weder Wolf noch Luchs noch Wild­kat­ze brau­chen einen Natio­nal­park und die – um das Arten­schutz­ar­gu­ment zu recht­fer­ti­gen – oft zitier­ten Urwald­re­likt­ar­ten sind nicht vom Him­mel gefal­len, weil man ein Schild Natio­nal­park auf­ge­stellt hat, son­dern sie waren vor­her schon da.

Allein in den letz­ten zwei Jah­ren wur­den in den Wäl­dern der Stei­ger­wald­re­gi­on knapp ein Dut­zend vom Aus­ster­ben bedroh­te Arten rein zufäl­lig, wohl­ge­merkt in bewirt­schaf­te­ten Wäl­dern, gefunden.

Weil das Arten­schutz­ar­gu­ment nicht über­zeu­gen kann, muss das Kli­ma­schutz­ar­gu­ment her­hal­ten. Fakt ist, Wäl­der kön­nen nur dann nach­hal­tig Kli­ma­schutz­funk­tio­nen erfül­len, wenn sie in ihrer Exi­stenz erhal­ten blei­ben. Dies gewähr­lei­stet in erster Linie ein akti­ver Wald­um­bau, der lei­der in einem Natio­nal­park ver­bo­ten ist. Und das höch­ste Maß an CO₂-Bin­dung erreicht ein Baum­be­stand, wenn er sein Zuwachs­op­ti­mum erreicht hat. Wird er dann geern­tet und sein Holz in lang­le­bi­gen Holz­pro­duk­ten ver­ar­bei­tet, statt es im Wald ver­fau­len zu las­sen, wie in einem Natio­nal­park, wird ein Maxi­mum an Kli­ma­schutz erreicht. Nicht umsonst wer­ben unse­re nam­haf­ten Kli­ma­for­scher für mehr Holz­ver­wen­dung. Übri­gens auch Frau Badum von den Grü­nen hat den Ein­satz von Holz­hack­schnit­zeln für die Wär­me- bzw. Ener­gie­ver­sor­gung gefor­dert. Welch eine spä­te Erleuchtung.

Bleibt das drit­te Pseu­do­ar­gu­ment, die wirt­schaft­li­che Stär­kung einer Regi­on durch einen Natio­nal­park. Eine blü­hen­de Land­schaft müss­te die Bay­er­wald­re­gi­on sein, nach­dem mehr als eine hal­be Mil­li­ar­de für den Natio­nal­park ver­aus­gabt wur­den und zum 50jährigen Jubi­lä­um noch ein­mal 30 Mil­lio­nen nach­ge­wor­fen wur­den. Insi­der spre­chen von Schwei­ge­gel­dern, damit die ört­li­chen Kom­mu­nal­po­li­ti­ker die kras­se Fehl­in­ve­sti­ti­on tole­rie­ren und auf wei­te­re Dau­er­sub­ven­tio­nen set­zen kön­nen. Ein Bevöl­ke­rungs­rück­gang von 11% in den Natio­nal­park­ge­mein­den seit Grün­dung, nach wie vor hoch ver­schul­de­te Gemein­den, eine hohe Win­ter­ar­beits­lo­sig­keit und eine gerin­ge Ein­kom­mens- und Steu­er­kraft pro Kopf im Ver­gleich zur Stei­ger­wald­re­gi­on – eine trau­ri­ge Bilanz. Selbst das Bun­des­amt für Natur­schutz spricht in den drei älte­sten Natio­nal­parken Baye­ri­scher Wald, Harz und Berch­tes­ga­den von „Über­nach­tungs­ver­lu­sten und mas­si­ven Markt­an­teils­ver­lu­sten“. Und der Würz­bur­ger Pro­fes­sor Job muss­te ein­ge­ste­hen, dass er ein Gefäl­lig­keits­gut­ach­ten für die Poli­tik gemacht hat, um den wirt­schaft­li­chen Vor­teil eines Natio­nal­parks schön zu reden. Wann schal­tet sich end­lich der Rech­nungs­hof ein, fragt sich der Steuerzahler.

Die drei FDP-Poli­ti­ker soll­ten sich, wol­len sie eine Bla­ma­ge ver­hin­dern, mit dem bes­se­ren Kon­zept für den Stei­ger­wald aus­ein­an­der­set­zen. Es erlaubt den drin­gen­den Wald­um­bau in kli­ma­sta­bi­le Wäl­der, ermög­licht einen her­vor­ra­gen­den Arten­schutz, erhält die funk­tio­nie­ren­de hei­mi­sche Wirt­schafts­struk­tur und sichert einen unge­hin­der­ten Zugang für die Wald­be­su­cher im Steigerwald.

„Tritt­stein­kon­zept“ heißt die Lösung für den Stei­ger­wald. Sie sind herz­lich ein­ge­la­den, sich aus erster Hand zu informieren.

Dr. Andre­as Knorr

Unter­greuth 13

96158 Frens­dorf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.