„Rit­ter, Tod und Teu­fel“ zu Gast auf Burg Gößweinstein

In den Voll­mond­näch­ten des 10. und 11. August waren Trau­er­schreie aus der Burg­ka­pel­le Göß­wein­stein zu hören. Doch es war kein Burg­ge­spenst, das dort schrie, son­dern ein des­il­lu­sio­nier­ter Kreuz­ritt­ter, der vor der Lei­che sei­ner ermor­de­ten Frau knie­te und schließ­lich den Teu­fel anrief um sie von den Toten zurückzuholen.

Dank finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung der Gemein­de Göß­wein­stein, (von der dann die Über­nach­tun­gen für 15 Mann Cast&Crew gezahlt wer­den konn­ten) dreh­te das hoch­schul­über­grei­fen­de Kurz­film­kol­lek­tiv „Eisen­berg Films“ auf der Burg Göß­wein­stein ein schwarz­ro­man­ti­sches Märchen.

Das Filmteam v.l.n.r.: Irene Müller, Yannick Renn, Jonas Auernhammer, Elias Müller, Laura Lucchesi, Pascal Klein, Leif Eisenberg, Drehbuchautor und Ritter Hieronymus, Katharina Reinhardt, Kilian Eisenberg, Phillip Nedeljkovic, Noelle Götz, JoshuaDiMarcoberardino und Luna Kaiser

Das Film­team v.l.n.r.: Ire­ne Mül­ler, Yan­nick Renn, Jonas Auern­ham­mer, Eli­as Mül­ler, Lau­ra Luc­che­si, Pas­cal Klein, Leif Eisen­berg, Dreh­buch­au­tor und Rit­ter Hie­ro­ny­mus, Katha­ri­na Rein­hardt, Kili­an Eisen­berg, Phil­lip Nedel­j­ko­vic, Noel­le Götz, Joshua­DiM­ar­cober­ar­di­no und Luna Kai­ser (Foto: Tou­rist-Info Gößweinstein)

„An dem Ort, der schon Richard Wag­ner zur Grals­burg in sei­ner Oper Par­zi­val inspi­riert hat, dre­hen zu dür­fen, war uns eine gro­ße Ehre“, so Leif Eisen­berg. Leif Eisen­berg, der Pro­du­zent und Haupt­dar­stel­ler von Rit­ter, Tod & Teu­fel, ist ein jun­ger Fil­me­ma­cher aus dem Ober­land mit der Spe­zia­li­sie­rung auf mythi­sche, mär­chen­haf­te und ger­ne auch ein wenig gru­se­li­ge Stof­fe. Schon seit sei­ner Kind­heit rei­zen ihn Roman­tik und Wahn­sinn, der düste­re Wald, die ewi­ge Suche nach Gott und der Tod als ein­zi­ge Gewiss­heit. Seit 2020 stu­diert er Dreh­buch an der Film­aka­de­mie Baden-Württemberg.

Inspi­riert durch den gleich­na­mi­gen Mei­ster­stich von Albrecht Dürer, ent­wickel­te er dort mit Manu­el Pohl und Fran­çois Stern­ki­ker (zwei Kom­mi­li­to­nen, die genau­so wie er für mär­chen­haf­te Stof­fe bren­nen), das Dreh­buch für „Rit­ter Tod und Teufel“:

Als der jun­ge Rit­ter Hie­ro­ny­mus aus dem Kreuz­zug zurück­kehrt und fest­stel­len muss, dass in sei­ner Abwe­sen­heit sei­ne Burg geplün­dert und sei­ne Frau Aure­lia (gespielt von Katha­ri­na Rein­hardt) ermor­det wur­de, ist sein Glau­be an Gott und die hei­li­ge Kir­che voll­ends zer­bro­chen. Drei Tage und Näch­te wacht er ohne zu essen und zu schla­fen an ihrer Lei­che und als er schluss­end­lich zorn­ent­brannt Gott ver­flucht, erscheint ihm der Teu­fel und macht ihm ein Ange­bot. Er müs­se ein Schach­spiel gegen den Tod gewin­nen und er bekä­me Aure­lia zurück, doch wenn er ver­lie­re so wür­de er ihn zu sich in die Höl­le holen. Trotz der War­nun­gen sei­nes Bru­ders Bal­du­in (nur Gott kön­ne Tote auf­er­wecken, der Teu­fel ledig­lich Trug­bil­der schaf­fen) wil­ligt er ein, was hat er schon zu ver­lie­ren, doch wie­der Erwar­ten gewinnt er das Schach­spiel gegen den Tod. Aure­lia kommt in die Welt der Leben­den zurück. Hie­ro­ny­mus ist über­glück­lich, doch für sie, die das himm­li­sche Jeru­sa­lem gese­hen hat, ist die irdi­sche Welt nur noch ein schwa­cher Abglanz davon. Hie­ro­ny­mus Herz ist gebro­chen, meint er doch, dass er am Ende der Zeit, für die Sün­de Aure­lia auf­er­weckt zu haben, in die ewi­ge Fin­ster­nis stür­zen und sie nie wie­der sehen wird, aber die­se eröff­net ihm, dass Gott gnä­dig ist und Hie­ro­ny­mus immer noch in den Him­mel kom­men kann, wenn er auf Erden für sei­ne Sün­den büßt und Gutes tut. Tief betrübt nimmt Hie­ro­ny­mus Abschied von ihr und lässt sie zurück in die Ewig­keit gehen. Ein letz­tes Mal tritt der Teu­fel auf. Erst schlägt er Hie­ro­ny­mus vor, Aure­lia in den Tod zu fol­gen, aber der ver­neint. Statt­des­sen wen­det er sich dem Leben zu, bricht in dem Glau­ben, so schnel­ler ins Him­mel­reich zu gelan­gen, zu einem neu­en Kreuz­zug auf um erneut Ungläu­bi­ge zu töten und der Plan des Teu­fels ist aufgegangen.

Rit­ter, Tod und Teu­fel ist das bis­her auf­wen­dig­ste Pro­jekt von „Eisen­berg Films“. Der erste Dreh­block mag abge­schlos­sen erfolg­reich abge­schlos­sen sein, auf das Team war­ten jedoch noch eine gro­ße Schlacht­sze­ne und alles ab dem Punkt, ab dem Hie­ro­ny­mus gegen Gevat­ter Tod Schach spielt.

Um sich voll­kom­men aufs Schau­spiel kon­zen­trie­ren zu kön­nen, sitzt Leif dabei zum ersten Mal nicht selbst auf dem Regie­po­sten, son­dern das über­nimmt Noel­le Götz, die an der tech­ni­schen Hoch­schu­le Nürn­berg, genau­so wie der Rest der Tech­nik­crew Design mit Schwer­punkt Film und Ani­ma­ti­on studiert.

Was Noel­le an dem Pro­jekt beson­ders reizt ist der span­nen­de Mix aus ver­träum­ten Mär­chen und düste­rem Plot. Außer­dem fin­det sie es immer schön zu sehen, wie das Pro­jekt Stu­den­ten von meh­re­ren Film­hoch­schu­len ver­eint, die ihre Begei­ste­rung durch ihre Auf­ga­ben am Set ausdrücken.

Eli­as Mül­ler (der Kame­ra­mann und Cut­ter), Yan­nick Renn (der Ton­mei­ster und Film­kom­po­nist) und Leif Eisen­berg (der Haupt­dar­stel­ler und Pro­du­zent), ken­nen sich schon seit der fünf­ten Klas­se des Gym­na­si­ums Bad Tölz. Schon damals ver­brach­ten sie jede freie Minu­te damit, Musik zu machen, Thea­ter zu spie­len und Fil­me zu dre­hen und da sie sich dar­über so gut anfreun­de­ten beschlos­sen sie, auch wenn es uns nach dem Abitur fürs Stu­di­um in ver­schie­den Städ­te ver­schlug (Eli­as für das Stu­di­um Design mit Schwer­punkt Film und Ani­ma­ti­on an die TH Nürn­berg, Yan­nick Renn für Film­wis­sen­schaf­ten an die Uni­ver­si­tät Wien und Leif für Dreh­buch an die Film­aka­de­mie Lud­wigs­burg) die Seme­ster­fe­ri­en zu nut­zen um nun hoch­schul­über­grei­fend wei­ter­hin Kurz­fil­me zu pro­du­zie­ren. In der deut­schen Kino­land­schaft, die vor allem von Komö­di­en und Sozi­al­dra­men domi­niert wird, wol­len sie eska­pi­sti­sche Gen­re­fil­me dre­hen, die sowohl unter­hal­ten, als auch phi­lo­so­phi­sche The­men behandeln.

„Wir hät­ten uns kei­ne schö­ne­re Loca­ti­on als Burg Göß­wein­stein vor­stel­len kön­nen“, so Leif Eisen­berg, „Die roman­ti­sche Burg Göß­wein­stein zu erhal­ten und somit ein Stück Mit­tel­al­ter der All­ge­mein­heit zugäng­lich zu machen, scheint eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit von Tho­mas Plei­ner zu sein. Ich kann jedem Tou­ri­sten einen Besuch nur ans Herz legen. Ein ganz beson­de­rer Dan­ke­schön auch an Micha­el Ham­mer, unse­ren Ansprech­part­nerm auf der Burg, wäh­rend des Drehs, der, obwohl wir von Son­nen­un­ter­gang bis Son­nen­auf­gang gedreht haben, immer gut gelaunt war, und uns auch um vier Uhr mor­gens noch mit Kaf­fee ver­sorgt hat. In stern­kla­rer Nacht den ersten Dreh­block und Burg Göß­wein­stein hin­ter uns zu las­sen, war ein wun­der­ba­res Gefühl“.

Ab Dezem­ber 2022 wird „Rit­ter, Tod und Teu­fel“ bun­des­weit auf ver­schie­de­nen Kurz­film­fe­sti­vals zu sehen sein. Sobald genaue Ter­mi­ne bekannt sind, wer­den die­se auf der Web­site der Gemein­de Göß­wein­stein veröffentlicht

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