Land­kreis Lich­ten­fels: Obst­wie­sen sind ein „Hot­spot“ der Arten­viel­falt und tra­gen zum Kli­ma­schutz bei

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Obstwiesen wie hier die Anlage am Westhang unterhalb von Kloster Banz, auf denen auch mal ein absterbender oder abgestorbener Baum stehen bleiben darf, sind ein „Hotspot“ der Artenvielfalt und ein „Genpool“, dessen Bedeutung noch gar nicht so richtig erforscht ist, so Kreisfachberater Michael Stromer. Foto: Umweltstation Weismain, Michael Stromer

Streu­obst­wie­sen gehö­ren zu den arten­reich­sten Ele­men­ten unse­rer Kul­tur­land­schaft. Nicht nur der ver­schie­de­nen Obst­sor­ten wegen, son­dern auch wegen der Art und Wei­se, wie sie gepflegt wer­den und was an Lebens­räu­men für Klein­säu­ger wie den Her­me­lin oder für Insek­ten und Vögel gebo­ten ist. Das ist auch der Grund, war­um die Streu­obst­wie­sen im Zuge der ver­schie­de­nen Kli­ma­schutz-Initia­ti­ven so stark in den Fokus kom­men und unter­stützt wer­den, erläu­tert der Kreis­fach­be­ra­ter für Gar­ten­bau, Micha­el Stromer.

Lei­der set­zen die lan­gen Trocken­pe­ri­oden und die vie­len hei­ßen Tage auch unse­ren Obst­wie­sen zu. Jeder, der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Jung­bäu­me gepflanzt hat, kam um ein zeit­in­ten­si­ves Wäs­sern nicht her­um. Aber auch den Alt­bäu­men sind Dür­re­stress, aus­trock­nen­de Böden und sin­ken­de Grund­was­ser­stän­de anzu­mer­ken. Die vie­len Son­nen­stun­den brin­gen zwar süße und aro­ma­ti­sche Zwetsch­gen, Bir­nen und Äpfel her­vor, aber der star­ke Obst­fall der ver­gan­ge­nen Wochen und der teil­wei­se schon hef­ti­ge Laub­fall zei­gen, dass die Bäu­me sich nicht gut ver­sor­gen konnten.

Nach der sehr guten Ern­te im ver­gan­ge­nen Jahr war in unse­rer Regi­on ohne­hin heu­er mit kei­nen gro­ßen Men­gen zu rech­nen, so Kreis­fach­be­ra­ter Micha­el Stro­mer. Gera­de bei den alten Obst­sor­ten ist die Alternanz, also star­ke Schwan­kun­gen bei Erträ­gen, weit ver­brei­tet. Das passt zwar nicht zu unse­rem Stre­ben nach Opti­mie­rung und Maxi­mie­rung und wur­de des­halb bei den Erwerbs­sor­ten mög­lichst her­aus­ge­züch­tet. Aber dafür sind die alten Sor­ten wider­stands­fä­hi­ger und weni­ger all­er­gie­aus­lö­send – Stich­wort Gen­pool – und haben geschmack­lich mehr Charakter.

Was sind eigent­lich „alte Sor­ten“? Dafür gibt es kei­ne genaue Defi­ni­ti­on, aber vie­le Sor­ten, die gän­gi­ger­wei­se dazu­ge­zählt wer­den, sind kaum älter als 100 bis 150 Jah­re. Die Lands­ber­ger Renet­te bei­spiels­wei­se, ein bei uns belieb­ter Apfel, des­sen Früch­te lan­ge wie gel­be Leuch­ten im Baum hän­gen blei­ben, ist erst 1850 in Lands­berg an der Wart­he (heu­te Polen) erst­mals beschrie­ben. Und auch der Bos­koop wur­de erst 1856 in der gleich­na­mi­gen Ort­schaft in den Nie­der­lan­den gefunden.

Da ist der Wel­schis­ner, einer der besten Lager­äp­fel, mit sei­nen gut 400 Jah­ren ein ech­ter Opa unter den Apfel­sor­ten. Bei den Bir­nen ist es ähn­lich: Die „Grä­fin von Paris“ wur­de um 1885 in Frank­reich gezüch­tet und die „Kon­fe­renz-Bir­ne“ ist – wie vie­le ande­re auch – ein Zufalls­säm­ling des aus­ge­hen­den 19. Jahrhunderts.

Der Begriff „Streu­obst“ ist übri­gens eben­falls ver­gleichs­wei­se jung. Er kam erst nach dem Zwei­ten Welt­krieg auf und wur­de etwas ver­ächt­lich für die als rück­stän­dig erach­te­te Hoch­stamm­er­zie­hung und für die über die Wie­sen „ver­streu­te“ Pflan­zung der Bäu­me ver­wen­det. Da erschien die Obst­plan­ta­ge mit klei­nen Bäu­men in stren­gen und engen Rei­hen wesent­lich fort­schritt­li­cher. Und auch heu­te noch ist im Han­del Obst aus Plan­ta­gen wesent­lich ein­fa­cher und bes­ser abzu­set­zen als „Streu­obst“ – Arten­viel­falt und Kli­ma­schutz hin- oder her.

Des­halb als „Umwelt­tipp“: Pflan­zen und pfle­gen Sie selbst Obst­bäu­me oder kau­fen Sie ihr Obst regio­nal beim Land­wirt, Obst­bau­ern oder Direkt­ver­mark­ter, zum Bei­spiel bei einem der Obst­märk­te, die in den näch­sten Wochen in unse­rer Regi­on stattfinden.

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