Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken: Aus­zu­bil­den­den­zahl sta­bil, aber auf nied­ri­gem Niveau

Hand­werk steht in star­ker Kon­kur­renz mit allen ande­ren Bran­chen – In der Zukunft war­ten her­vor­ra­gen­de Per­spek­ti­ven auf Berufseinsteiger

Am Don­ners­tag, 1. Sep­tem­ber 2022 star­te­ten ins­ge­samt 1711 Aus­zu­bil­den­de Ihren Berufs­weg im ober­frän­ki­schen Hand­werk. „Wir sind froh, dass wir unse­re Aus­bil­dungs­zah­len im Ver­gleich zum Vor­jahr kon­stant hal­ten und sogar ein klei­nes Plus errei­chen konn­ten“, sagt der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, Rein­hard Bau­er. Den­noch habe man die Coro­na-Del­le noch nicht über­wun­den. Im Ver­gleich zu 2019 lie­ge man in der Sum­me noch um fast 10 Pro­zent zurück. „Mitt­ler­wei­le wird es immer schwie­ri­ger, jun­ge Men­schen für das Hand­werk zu begei­stern“, so Bau­er. Dies sei auch kein Wun­der, tre­te man doch hier in Kon­kur­renz mit allen ande­ren Wirt­schafts­be­rei­chen, die eben­so hän­de­rin­gend nach dem geeig­ne­ten Nach­wuchs suchen. Aller­dings gebe es mehr als nur einen Hoff­nungs­schim­mer am Hori­zont. „Hand­werk hat Zukunft! Handwerker*innen wer­den gebraucht. Das ermög­licht den jun­gen Leu­ten her­vor­ra­gen­de Per­spek­ti­ven. Noch nie waren die Ein­stiegs- und Kar­rie­re­chan­cen im Hand­werk so gut wie jetzt“, ist Rein­hard Bau­er überzeugt.

Der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, Mat­thi­as Graß­mann, sieht eben­so eine Viel­zahl von Ursa­chen für die immer noch redu­zier­te Nach­fra­ge nach Aus­bil­dungs­plät­zen: „Die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung, die star­ke Kon­kur­renz aus Indu­strie, Han­del und Ver­wal­tun­gen sowie die kri­sen­be­ding­te Unsi­cher­heit der jun­gen Men­schen und ihrer Eltern spie­len uns beim Wer­ben um die pas­sen­den Nach­wuchs­kräf­ten nicht gera­de in die Kar­ten.“ Zudem konn­te das Hand­werk coro­nabe­dingt zwei Jah­re lang kei­ne Prak­ti­ka anbie­ten. Die­se sind gera­de für das Hand­werk beson­ders wich­tig. „Wir sind bei unse­rer Nach­wuchs­ar­beit immer dann erfolg­reich, wenn es uns gelingt, jun­ge Men­schen zum Mit­ma­chen zu bewe­gen, weil sie dann mer­ken, wie schön und erfül­lend es ist, mit den eige­nen Hän­den etwas zu gestal­ten und zu bewe­gen,“ so Graßmann.

Den­noch ver­spü­re das Hand­werk in Gesell­schaft und Poli­tik mitt­ler­wei­le einen leich­ten Bewusst­seins­wan­del pro Hand­werk. „Der Öffent­lich­keit ist bewusst gewor­den, dass die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft wie Kli­ma­schutz, Ener­gie- und Mobi­li­täts­wen­de, Digi­ta­li­sie­rung und nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten ohne das Hand­werk nicht zu machen sind“, sagt der HWK-Präsident.

Dies gebe zusätz­li­chen Rücken­wind für die Nach­wuchs­ar­beit und eröff­net der Jugend beste Chan­cen, sich beruf­lich zu eta­blie­ren und wei­ter­zu­ent­wickeln. Und zwar in Betrie­ben, die modern und inno­va­tiv auf­ge­stellt sind und schon lan­ge nicht mehr die alt­her­ge­brach­ten Vor­ur­tei­le von schwe­rer und schlecht bezahl­ter Arbeit bestä­ti­gen. Ganz im Gegen­teil: „Das Hand­werk steht gera­de in die­sen unsi­che­ren Zei­ten für sta­bi­le und siche­re Arbeits­plät­ze, meist direkt vor Ort, mit ver­gleich­ba­ren Ver­dien­sten zu ande­ren Bran­chen,“ so Graßmann.

„Wir arbei­ten inten­siv dar­an, die Aus­bil­dung im Hand­werk als das zu posi­tio­nie­ren, was sie ist: ein höchst inter­es­san­ter und erfolg­ver­spre­chen­der Weg in das Berufs­le­ben, der nach oben alle Qua­li­fi­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten offen­lässt, bei­spiels­wei­se auch ein Stu­di­um“, sagt Rein­hard Bauer.

„Als Handwerker*in hilft man mit, das Kli­ma zu ret­ten, setzt die Ener­gie­wen­de um, ermög­licht die E‑Mobilität, steu­ert das Smart-Home, sorgt für nach­hal­ti­ge Lebens­mit­tel und baut Häu­ser für die Zukunft.“ Des­halb wird die Hand­werks­kam­mer auch nicht müde, für eine Aus­bil­dung im Hand­werk zu wer­ben. Bei­spielswie­se bei den kamm­erei­ge­nen Berufs­mes­sen Hand­werk am 15. Okto­ber 2022 in den drei HWK-Bil­dungs­zen­tren in Bay­reuth, Bam­berg und Coburg. „Unter dem Mot­to ‚Ein Sams­tag für Dei­ne Zukunft‘ ver­su­chen wir, die hand­werk­li­chen Beru­fe bei Jugend­li­chen und ihren Eltern ins rech­te Licht zu rücken, even­tu­el­le Vor­ur­tei­le aus dem Weg zu räu­men und unse­re Gewer­ke pra­xis­nah mit Mit­ma­ch­ef­fekt zu prä­sen­tie­ren,“ so Bauer.

Türen zur Aus­bil­dung blei­ben wei­ter offen

Auch wenn der offi­zi­el­le Start­schuss für das Aus­bil­dungs­jahr auf den 1. Sep­tem­ber 2022 fällt, blei­ben für inter­es­sier­te Jugend­li­che im Hand­werk wei­ter offen. „Unse­re Betrie­be ermög­li­chen auch einen spä­te­ren Start bis zum 31. Okto­ber 2022“, betont HWK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bau­er. Unab­hän­gig vom jewei­li­gen Aus­bil­dungs­jahr sei sogar rein theo­re­tisch an jedem Tag des Jah­res ein Ein­stieg in die Berufs­aus­bil­dung mög­lich. In der „Lehr­stel­len­bör­se“ der Hand­werks­kam­mer sind momen­tan 551 freie Aus­bil­dungs­stel­len in den unter­schied­lich­sten Gewer­ken ein­ge­tra­gen. Die kla­re Bot­schaft an alle, die in die Berufs­welt star­ten wol­len: „Im Hand­werk war­ten aus­ge­zeich­ne­te Per­spek­ti­ven auf Euch!“

Eck­da­ten zum Start des Aus­bil­dungs­jahrs im ober­frän­ki­schen Hand­werk gibt es als pdf hier.

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