AELF Coburg-Kulm­bach: „Auch Natur­schutz braucht Regen, einen lan­gen Atem und Geld“

LOGO Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg-Kulmbach

Die Hit­ze und die Trocken­heit heu­er machen nicht nur den land­wirt­schaft­li­chen Kul­tu­ren (v.a. den Som­me­run­gen, also den im Früh­jahr gesä­ten Kul­tu­ren) schwer zu schaf­fen. Auch Pro­jek­te, die dem Arten­schutz die­nen, kom­men kaum vom Fleck. So hat auch die staat­li­che Wild­le­bens­raum­be­ratung, die am Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und For­sten (AELF) Coburg-Kulm­bach ange­sie­delt ist, auf ver­schie­de­nen Ver­suchs­flä­chen teil­wei­se Total­aus­fall durch Ver­trock­nen fest­stel­len müssen.

Trocken­heit setzt Ver­suchs­flä­chen zu

Die Stangenbohnen leiden zusammen mit dem Mais im Modellgebiet stark unter der Trockenheit. Foto: Ulf Felgenhauer / AELF Coburg-Kulmbach

Die Stan­gen­boh­nen lei­den zusam­men mit dem Mais im Modell­ge­biet stark unter
der Trocken­heit. Foto: Ulf Fel­gen­hau­er / AELF Coburg-Kulmbach

Auf einer im Modell­ge­biet Prü­gel (Gemein­de Alten­kunst­adt) mit Durch­wach­se­ner Sil­phie ange­leg­ten Flä­che von Land­wirt David Neid­lein aus Alten­kunst­adt ist nur der gleich­zei­tig, aber tie­fer gesä­te Mais auf­ge­lau­fen. Die Sil­phie selbst, die fla­cher abge­legt wer­den muss­te, ist zu 100 Pro­zent ver­trock­net. „Und sowas ist in der Natur extrem sel­ten“, wun­dert sich der für Wild­le­bens­raum­be­ratung zustän­di­ge Bera­ter Ste­phan Poersch, „aber die Wit­te­rung 2022 stellt in der Kom­bi­na­ti­on Hit­ze, Trocken­heit und per­ma­nent star­kem Wind selbst die Extrem­jah­re 2018 und 2019 in den Schatten.“

Auch die bei Land­wirt Steng­lein in Main­roth (Stadt Burg­kunst­adt) ver­suchs­wei­se ange­bau­te Mischung Mais plus Stan­gen­boh­nen kämpft ums Über­le­ben, eben­so wie der „nor­ma­le“ Mais. Mit ihren wei­ßen oder roten Blü­ten hät­ten die Stan­gen­boh­nen den Mais („für unse­re Land­wir­te eine abso­lut unver­zicht­ba­re Frucht!“) optisch und als Bie­nen­wei­de aufgewertet.

Natur braucht mehr Insek­ten in der Flur

Die Blühfläche im Kulmbacher Kessel ist eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten. Foto: Ulf Felgenhauer / AELF Coburg-Kulmbach

Die Blüh­flä­che im Kulm­ba­cher Kes­sel ist eine wich­ti­ge Nah­rungs­quel­le für Insek­ten. Foto: Ulf Fel­gen­hau­er / AELF Coburg-Kulmbach

Vom Zustand der mehr­jäh­ri­gen Blüh­mi­schung im Kulm­ba­cher Kes­sel waren Ste­phan Poersch und Flä­chen­ei­gen­tü­me­rin Hei­di Nüt­zel posi­tiv über­rascht: Im Mai gesät, hat vie­les – wenig­stens bis jetzt – über­lebt und so eini­ges für die Insek­ten­welt bewirkt.

„Wir brau­chen wie­der mehr Insek­ten in der Flur, wenn wir für die Offen­land-Ver­lie­rer der letz­ten Jahr­zehn­te, also Reb­huhn, Feld­ler­che und Kie­bitz, etwas tun wol­len. Denn deren Küken fres­sen anfangs nichts ande­res und über­le­ben sonst die ersten Wochen nicht!“, beschreibt Ste­phan Poersch eines sei­ner Beratungsziele.

Kli­ma­wan­del macht Natur­schutz schwieriger

Er ergänzt, dass der Natur­schutz mit Ziel­rich­tung Land­wirt­schaft neben der Kli­ma­än­de­rung aber auch von ande­rer Sei­te in die Zan­ge genom­men wer­de: Trocken­heit bedeu­tet Ertrags­aus­fäl­le, wenn dies wie in die­sem Jahr auch in ande­ren wich­ti­gen Anbau­re­gio­nen passiere.

Die Landwirtinnen Stefanie Kraus und Heidi Nützel zusammen mit Wildlebensraumberater Stephan Poersch auf ihrer Blühfläche im Kulmbacher Kessel. Foto: Ulf Felgenhauer / AELF Coburg-Kulmbach

Die Land­wir­tin­nen Ste­fa­nie Kraus und Hei­di Nüt­zel zusam­men mit Wild­le­bens­raum­be­rater Ste­phan Poersch auf ihrer Blüh­flä­che im Kulm­ba­cher Kes­sel. Foto: Ulf Fel­gen­hau­er / AELF Coburg-Kulmbach

Neben Deutsch­land kla­gen etwa auch ganz Süd­eu­ro­pa, Frank­reich und Eng­land über außer­ge­wöhn­lich gerin­ge Nie­der­schlä­ge, und nied­ri­ge Ern­ten haben hohe Erzeu­ger­prei­se zur Folge.

Die­se glei­chen zwar die Ver­lu­ste für den Land­wirt wenig­stens zum Teil aus, aber bei hohen Getrei­de­prei­sen nimmt erfah­rungs­ge­mäß die Bereit­schaft der Bau­ern ab, Flä­chen für den Natur­schutz zur Ver­fü­gung zu stel­len. Ste­phan Poersch: „Das war in die­sem Früh­jahr deut­lich zu spü­ren, als es dar­um ging, neue Flä­chen für den Arten­schutz zu fin­den. Und des­halb ein gro­ßes Kom­pli­ment und Dan­ke­schön an die Land­wir­te, die trotz­dem mit­ge­macht haben, auch wenn sich das nicht immer ‚gerech­net‘ hat.“

Öko­lo­gi­sche Lei­stun­gen der Land­wir­te bedür­fen Unterstützung

Aber die Pro­ble­ma­tik zei­ge, dass öko­lo­gi­sche Lei­stun­gen der Land­wir­tin­nen und Land­wir­te nur mit staat­li­cher Hil­fe funk­tio­nie­ren kön­nen, denn „auch Bau­ern sind Unter­neh­mer und müs­sen lang­fri­stig natür­lich betriebs­wirt­schaft­lich ent­schei­den.“ Die Gesell­schaft wird sich also gera­de unter schlech­te­ren wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen wie z.B. dem Damo­kles­schwert „Infla­ti­on“ die Fra­ge stel­len müs­sen, wie viel ihr eine intak­te und nach­hal­ti­ge Natur wert ist. Denn ohne aus­rei­chen­de Unter­stüt­zung wird die Land­wirt­schaft im knall­har­ten glo­ba­len Wett­be­werb „nur“ Lebens­mit­tel pro­du­zie­ren kön­nen – nicht mehr und nicht weniger.

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