Hei­mat­kun­de am Sonn­tag: Waischenfeld

Symbolbild Heimatkunde

„Bam­ber­gisch, katho­lisch, im Land­ge­richt Hollfeld gele­gen. Die­ses Land­städt­chen liegt in einer sehr roman­ti­schen Gegend an der Wie­sent und ist von allen Sei­ten von den schön­sten Fel­spart­hien umge­ben. Jeder Freund der schö­nen Natur wird hier eini­ge Tage mit Ver­gnü­gen ver­wei­len. Außer sei­nen alten Schlös­sern bie­tet es in der Nähe die vor­züg­li­che För­sters­höh­le, die Raben­ecker. Und Sil­ber­gold­steins- und die Nan­ken­dor­fer Höh­le mit dem schö­nen Tha­le, den Löhlit­zer Anger mit wen­di­schen Grä­bern etc. dar. Wai­schen­feld hat 140 Gast­häu­ser, dar­un­ter zwei gute Gast­häu­ser. Das rothe Roß wird von Frem­den vor­züg­lich stark besucht; es ist das ehe­mals För­ste­ri­sche Haus, jetzt im Besitz der Wei­ßel­schen Fami­lie. Bei die­sem Haus haf­tet auch das Eig­en­t­hum der För­sterhöh­le. Bei dem Wir­te Löb­isch ist gleich­falls sehr gut zu logie­ren; bei ihm hat die Har­mo­nie­ge­sell­schaft ihre Loka­le, wo wöchent­lich die Amt­leu­te und Pfar­rer der Umge­bung zusam­men kommen.“

Das und noch viel mehr schrei­be Joseph Hel­ler im Jah­re 1829 in sei­nem berühm­ten Rei­se­füh­rer „Mug­gen­dorf und sei­ne Umgebungen“.

Die Postkarte von 1899 zeigt die alte hölzerne Brücke, die dem Hochwasser 1901 zum Opfer gefallen ist. Repro: Reinhard Löwisch

Die Post­kar­te von 1899 zeigt die alte höl­zer­ne Brücke, die dem Hoch­was­ser 1901 zum Opfer gefal­len ist. Repro: Rein­hard Löwisch

1901 erlebt Wai­schen­feld ein nie dage­we­se­nes Hoch­was­ser, dass in der Nacht vom ersten auf zwei­ten August wüte­te. Ein Augen­zeu­ge berich­te­te im Wie­sent­bo­ten: „Früh (am 2. August) um ½ 3 Uhr stieg der Zeu­bach rapid, über­schwemm­te die Vor­stadt, drang in die Schul­zim­mer der Land­schu­le, in Stäl­le, Zim­mer und Scheu­nen, unge­fähr um 3 Uhr trat das Glei­che bei der Wie­sent ein. Men­gen von Lang­höl­zern, wahr­schein­lich von der Trup­pach her­un­ter­ge­führt, stau­ten sich an der Brücke dahier, durch die­se Stau­ung wur­de auch das den Wai­schen­fel­der Bür­gern gehö­ri­ge, auf dem sog. Hir­ten­an­ger lagern­de Bau­holz, Bret­ter und Blö­cher und Brenn­holz, viel­leicht 1 000 cbm und dar­über, von den Flu­ten fort­ge­schwemmt. Alle die­se Men­ge von Holz war bis in die Höhe von 2 Stock­wer­ken (über das Gelän­der gerech­net) auf­ge­türmt, bis an das Rent­amts­ge­bäu­de war das gan­ze Fluss­bett von oben ange­führ­ten Holz­sor­ti­men­ten bedeckt. In der Fischer­gas­se muss­ten zwei Oeko­no­men das Vieh über die Stie­gen hin­aus auf die Leit­hen schaffen.

Da, zum Glücke für Fischer­gas­se und Vor­stadt stürz­te um ¾ 4 Uhr die Brücke zusam­men, sie wur­de von den gewal­ti­gen Holz- und Was­ser­mas­sen hin­weg­ge­scho­ben. Es war schau­der­haft, als mit ohren­zer­rei­sen­den Knir­schen und Gekra­che, die­se vom Was­ser getrie­be­ne unwi­der­steh­li­che Mas­se die Bäu­me und Gar­ten­zäu­ne hin­weg­nahm; aber damit war auch die größ­te Gefahr besei­tigt. Es konn­te auch infol­ge des immensen Stei­gens kei­ne Alar­mie­rung erfol­gen, da inner­halb 20 Minu­ten die Brücke unpas­sier­bar war. An eine Hil­fe hät­te, wenn auch Pio­nie­re zur Stel­le gewe­sen wären, nicht gedacht wer­den kön­nen, stieg doch das Was­ser schub­wei­se um einen Meter sogar“, schrieb der Augen­zeu­ge Wie­sent-Bote über die Zer­stö­rung der Wai­schen­fel­der Brücke. Es dau­er­te vier Wochen, ehe Wai­schen­feld über eine Not­brücke wie­der mit den öst­lich gele­ge­nen Orten und Gemein­den ver­bun­den und ein hal­bes Jahr spä­ter war die neue Brücke aus Eisen und Stahl fer­tig. Sie steht noch heute.


Reinhard Löwisch

Rein­hard Löwisch

„Hei­mat­kun­de am Sonn­tag“ ist eine Arti­kel­se­rie mit histo­ri­schen Infor­ma­tio­nen zu Orten in der Frän­ki­schen Schweiz, dan­kens­wer­ter­wei­se bereit­ge­stellt von Rein­hard Löwisch, einem lang­jäh­ri­gen Mit­ar­bei­ter der Tou­ris­mus­zen­tra­le Frän­ki­sche Schweiz, bekannt durch sei­ne Publi­ka­tio­nen zur Wai­schen­fel­der Geschich­te. Sein jüng­stes Werk ist eine Schrif­ten­rei­he zur Wai­schen­fel­der Geschich­te, deren erstes Heft bereits vor­liegt: Band eins „Die krie­ge­ri­sche Zeit in Wai­schen­feld“ mit 44 Sei­ten und 20 Abbil­dun­gen gibt es beim Autor in Affal­ter­thal, Tele­fon 09197–697740. Erhält­lich zum Preis von zehn Euro, plus drei Euro Ver­sand­ko­sten. Selbst­ab­ho­lung ger­ne nach Ankün­di­gung mög­lich. Alle Arti­kel zu „Hei­mat­kun­de am Sonn­tag

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