Hei­mat­kun­de am Sonn­tag: Tüchersfeld

Symbolbild Heimatkunde

„Der Ort, bam­ber­gisch, katho­lisch, im Land­ge­richt Pot­ten­stein lie­gend, hat 200 Ein­woh­ner, eine Juden­schu­le und ein gutes Wirths­haus. Sei­ne Lage ist höchst roman­tisch und in die­ser Hin­sicht allen ande­ren Orten um Mug­gen­dorf vor­zu­zie­hen. Die Hälf­te des Ortes ist zwi­schen den höch­sten Fel­sen hin­ein­ge­baut; auf zwey­en der­sel­ben stan­den im 15. Jahr­hun­dert ansehn­li­che Schlös­ser, von wel­chen aber nur noch weni­ge Spu­ren sicht­bar sind. Herr­li­che Ansich­ten fin­det hier der Land­schafts­ma­ler. Das Tüchers­fel­der Thal nach Pot­ten­stein hin, ist das schön­ste und das eng­ste, oft kaum 100 Schrit­te breit. Auf bei­den Sei­ten sind die größ­ten Fel­sen­mas­sen in den wun­der­bar­sten For­men auf­get­hürmt. Wer die Mug­gen­dor­fer Gegend besucht und die­ses Thal nicht durch­wan­dert, hat nur die Hälf­te gesehen“.

Die­se Beschrei­bung von Tüchers­feld, 1829 von Joseph Hel­ler in sei­nem berühm­ten Rei­se­füh­rer ver­fasst, war der Anlass für den Besu­cher­an­sturm, den der Ort anschlie­ßend erleb­te. Zuerst kam Reichs­kanz­ler Bis­marck, dann Maler und Zeichner.

Die Postkarte zeigt Tüchersfeld um 1913. Repro: Reinhard Löwisch

Die Post­kar­te zeigt Tüchers­feld um 1913. Repro: Rein­hard Löwisch

Noch bis in die 70er Jah­re des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts gehör­te das Tüchers­fel­der Orts­bild mit dem heu­ti­gen Frän­ki­sche Schweiz- Muse­um (ehe­mals Juden­hof) vor den hohen Fel­sen­tür­men zu den belieb­te­sten und daher am häu­fig­sten foto­gra­fier­ten und gemal­ten Ansich­ten der Frän­ki­schen Schweiz. Das roman­ti­sche gleich­wohl sehr enge Fel­sen­tal war nicht nur Anzie­hungs­punkt son­dern gleich­zei­tig ein Hemm­nis, wes­halb Pot­ten­stein, im Gegen­satz zur Mug­gen­dor­fer Umge­bung, erst in den 1920er Jah­ren von Tou­ri­sten ent­deckt wor­den ist. Man konn­te schlicht­weg nicht mit der Kut­sche durchs Tal nach Pot­ten­stein fah­ren, weil der Weg zu eng war. Und ein Umweg über die Göß­wein­stei­ner Höhe war damals ein Tagesausflug.


Reinhard Löwisch

Rein­hard Löwisch

„Hei­mat­kun­de am Sonn­tag“ ist eine Arti­kel­se­rie mit histo­ri­schen Infor­ma­tio­nen zu Orten in der Frän­ki­schen Schweiz, dan­kens­wer­ter­wei­se bereit­ge­stellt von Rein­hard Löwisch, einem lang­jäh­ri­gen Mit­ar­bei­ter der Tou­ris­mus­zen­tra­le Frän­ki­sche Schweiz, bekannt durch sei­ne Publi­ka­tio­nen zur Wai­schen­fel­der Geschich­te. Sein jüng­stes Werk ist eine Schrif­ten­rei­he zur Wai­schen­fel­der Geschich­te, deren erstes Heft bereits vor­liegt: Band eins „Die krie­ge­ri­sche Zeit in Wai­schen­feld“ mit 44 Sei­ten und 20 Abbil­dun­gen gibt es beim Autor in Affal­ter­thal, Tele­fon 09197–697740. Erhält­lich zum Preis von zehn Euro, plus drei Euro Ver­sand­ko­sten. Selbst­ab­ho­lung ger­ne nach Ankün­di­gung mög­lich. Alle Arti­kel zu „Hei­mat­kun­de am Sonn­tag

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