ZBFS Bay­reuth: „Stauf­fen­berg-Atten­tat vom 20. Juli 1944 – und die Rol­le der Kriegs­op­fer- und Opferentschädigung“

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Sozia­le Entschädigung

Wer von Claus Schenk Graf von Stauf­fen­berg und vom miss­lun­ge­nen Hit­ler-Atten­tat vom 20. Juli 1944 hört, denkt nicht zwangs­läu­fig an das Zen­trum Bay­ern Fami­lie und Sozia­les (ZBFS) in Bay­reuth. „Und doch hat unse­re – ein­schließ­lich ihrer Vor­gän­ger­be­hör­den rund 100 Jah­re bestehen­de – Lan­des­be­hör­de einen wich­ti­gen Bezug zu den Gescheh­nis­sen sei­ner­zeit“, erklärt Dr. Nor­bert Koll­mer, Prä­si­dent des ZBFS.

Wenn wir die Geschich­te staat­li­cher Sozi­al­lei­stun­gen in die Zeit nach Kriegs­en­de zurück­spu­len, rückt die Kriegs­op­fer­ver­sor­gung – und damit die dama­li­ge Ver­sor­gung­ver­wal­tung (heu­te: ZBFS) – in den Fokus. Kriegs­heim­keh­ren­de und Hin­ter­blie­be­ne brauch­ten Über­le­bens­hil­fe und beka­men sie vom Staat. „Hier lohnt der Blick auf die knapp über 100-jäh­ri­ge, beweg­te Geschich­te unse­rer Lan­des­be­hör­de und ihrer Vor­gän­ge­rin­nen, die sich in all den Jah­ren den Her­aus­for­de­run­gen der jewei­li­gen Gege­ben­hei­ten ange­passt hat“, so Kollmer.

Seit Grün­dung der Ver­sor­gungs­äm­ter vor rund 100 Jah­ren zur zivi­len Kriegs­op­fer­ent­schä­di­gung nach dem Ersten Welt­krieg hat der Gesetz­ge­ber unse­re Ver­wal­tung über die Jahr­zehn­te mit immer neu­en Auf­ga­ben betraut: Zum viel­fäl­ti­gen Kom­pe­tenz­spek­trum gehö­ren heu­te das Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung von (Schwer-)Behinderungen und die Inklu­si­on von Men­schen mit Han­di­kap in das Berufs­le­ben, Fami­li­en­lei­stun­gen wie das Eltern‑, Fami­li­en- und Krip­pen­geld sowie zahl­rei­che För­de­run­gen mit landes‑, bun­des- und euro­päi­schen Mit­teln. Zudem befin­den sich das Baye­ri­sche Lan­des­ju­gend­amt, das Amt für Maß­re­gel­voll­zug sowie das Amt für öffent­lich-recht­li­che Unter­brin­gung unter dem Dach des ZBFS. Rund 1.800 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter küm­mern sich um Bür­ger­be­lan­ge – und haben dabei aktu­ell Kon­takt zu jeder sieb­ten Bür­ge­rin bzw. jedem sieb­ten Bür­ger in Bayern!

„Wie anpas­sungs­fä­hig unse­re Lan­des­be­hör­de ist, zeigt beson­ders die Sozia­le Ent­schä­di­gung“, erklärt Koll­mer. Sie bil­det den Wan­del der Gesell­schaft und den Stel­len­wert des ZBFS dar­in ab: Zur lan­ge nach Kriegs­en­de aus­lau­fen­den Ver­sor­gung für Kriegs­op­fer kamen finan­zi­el­le Ent­schä­di­gungs­lei­stun­gen für Gewalt­op­fer, geschä­dig­te Zivil­dienst­lei­sten­de sowie rechts­staat­wid­rig Ver­folg­te der ehe­ma­li­gen DDR hin­zu. Auch Aner­ken­nun­gen nach dem in der Pan­de­mie gera­de beson­ders aktu­el­len Infek­ti­ons­schutz­ge­setz (Stich­wort: Impfschäden/​Corona) prüft das ZBFS.

Hier schließt sich der Kreis, denn nach der Hin­rich­tung des Ehe­manns gehör­te Nina Schenk Grä­fin von Stauf­fen­berg als Hin­ter­blie­be­ne zu den durch die Ver­sor­gungs­ver­wal­tung (heu­te: das ZBFS) Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten. Die „Stauf­fen­berg-Akte“ mit wert­vol­len Zeit­do­ku­men­ten wird im Archiv unse­rer ZBFS-Regio­nal­stel­le Ober­fran­ken in Bay­reuth verwahrt.

Das Sozia­le Ent­schä­di­gungs­recht aber ent­wickelt sich bestän­dig wei­ter: 2024 tritt das SGB XIV in Kraft, in dem alle Geset­ze der Sozia­len Ent­schä­di­gung zusam­men­ge­fasst sind. Neben höhe­ren Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen wird der Ent­schä­di­gungs­tat­be­stand der Gewalt­ta­ten um schwer­wie­gen­de psy­chi­sche Ein­wir­kun­gen erwei­tert. Eine zusätz­li­che Neue­rung ist die deut­li­che Stär­kung des Teil­ha­be­ge­dan­kens für Gewalt­op­fer: Die­se sol­len – auch über soge­nann­te schnel­le Hil­fen und grund­sätz­lich ohne Ein­satz von Ein­kom­men und Ver­mö­gen – bei der beruf­li­chen und gesell­schaft­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on Unter­stüt­zung erhal­ten. Die Neu­aus­rich­tung der Sozia­len Ent­schä­di­gung zeigt, dass auch eine Ver­wal­tung, die schon über 100 Jah­re alt ist, jung bleibt und sich bestän­dig den gesell­schaft­li­chen Anfor­de­run­gen anpasst.

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