Gemein­de­rats­sit­zung in Kun­reuth: Haus­halt verabschiedet

Gemeinderatssitzung Kunreuth Juli 2022
Der Rohbau des Weingartser Feuerwehrhauses. Foto, Text + Kommentar: Thomas Weichert

Feu­er­wehr­haus in Wein­garts soll end­lich fer­tig werden

Fragt man in Wein­garts nach dem Weg zum neu­en Feu­er­wehr­haus, dann kommt die Ant­wort: „Ach, Sie mei­nen die Bau­rui­ne.“ So gesche­hen nach der Gemein­de­rats­sit­zung in Kun­reuth als es um die Ver­ab­schie­dung des Haus­halts­pla­nes ging. Die zwei jun­gen Damen in Wein­garts wie­sen unse­rem Repor­ter dann den Weg zum seit zwei­ein­halb Jah­ren im Bau befind­li­chen Feu­er­wehr­haus, das von außen noch einem Roh­bau gleicht. Noch in die­sem Jahr soll das Feu­er­wehr­haus aber bezugs­fer­tig werden.

Für die rest­li­chen Arbei­ten ste­hen 300 000 Euro im Plan denen ein zu erwar­ten­der Zuschuss von 100 000 Euro gegen­über­steht. Die Haus­halts­be­ra­tung selbst könn­te man so zusam­men­fas­sen: „Was Genau­es weiß man nicht.“ Was man jedoch weiß, ist, dass die Gemein­de Kun­reuth einen Inve­sti­ti­ons­stau vor sich her­schiebt und in den näch­sten Jah­ren sehr viel in die Infra­struk­tur inve­stie­ren muss. Wohl­ge­merkt fast alles Pflicht­auf­ga­ben. Noch ist die Gemein­de Kun­reuth schul­den­frei. Dies kann sich aber schon bis zum Jah­res­en­de ändern, denn in der ein­stim­mig beschlos­se­nen Haus­halts­sat­zung steht eine Kre­dit­auf­nah­me von 1,5 Mil­lio­nen Euro.

Zusätz­lich sol­len aus der Rück­la­ge 650 000 Euro ent­nom­men wer­den die auf 68 800 Euro abschmel­zen wür­de. Ob es jedoch heu­er so kommt, ist mehr als frag­lich. „Die Gemein­de wird heu­er kei­ne 1,5 Mil­lio­nen Euro aus­ge­ben und wir brau­chen auch kei­nen Kre­dit in die­ser Höhe“, so Zwei­ter Bür­ger­mei­ster Edwin Rank (CSU/​Bürgerblock), dem Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Zeiß­ner bei­pflich­te­te, weil „das Gan­ze heu­er nicht mehr umzu­set­zen ist.“

Bür­ger­mei­ster Stri­an: Wir brau­chen alles

„Es ist kei­ne Posi­ti­on dabei um zu sagen, das brau­chen wir nicht“, resü­mier­te Bür­ger­mei­ster Ernst Stri­an (Demo­kra­tie Kun­reuth). Die Inve­sti­tio­nen wer­den über Jah­re gestreckt, stell­te Bernd Wohl­hö­fer (Bür­ger­li­ste Ermreus) fest. Unbe­strit­ten für ihn, dass man das alles machen müs­se was im Plan steht. Am wich­tig­sten für Wohl­hö­fer ist jedoch, dass in Wein­garts das The­ma Feu­er­wehr­haus in die­sem Jahr abge­schlos­sen wird.

Drin­gen­der Hand­lungs­be­darf besteht auch beim Schlep­per des Bau­hofs. Die­ser muss­te in letz­ter Zeit schon drei­mal repa­riert wer­den. Für einen neu­en Schlep­per, einen Drei­sei­ten­kip­per und ein Schnee­räums­child ste­hen 150 000 Euro im Plan, für ein Salz­si­lo im Bau­hof wei­te­re 40 000 Euro. Für einen Mehr­ge­nera­tio­nen­spiel­platz mit Toi­let­ten­an­la­ge 120 000 Euro. Wohl­hö­fer ist zwar der Mei­nung, dass man so einen Spiel­platz für Alt und Jung machen soll­te, aber nicht dort wo sich zwei Staats­stra­ßen tref­fen. Lie­ber am Sport­platz. Außer­dem riet er von einer Toi­let­te (10 000 Euro) am Spiel­platz ab. „Denn wer küm­mert sich dann darum?“

Stri­an sprach von einer Ein­zel­mei­nung, denn ande­re Bür­ger wol­len den Spiel­platz genau dort. Zudem gäbe es dafür noch kei­ne Detail­pla­nung. Zwei­ter Schritt sei erst danach die Stand­ort­fin­dung, so der Rathauschef.

Lie­fer­pro­ble­me für Defi-Batterien

„Wir soll­ten noch irgend­wo im Haus­halt Defi­bril­la­to­ren für jeden Orts­teil mit unter­brin­gen“, so der Wunsch von Phil­ipp Ochs (JB). „Wir hän­gen kei­ne Defis irgend­wo hin, wenn sie nicht im Betriebs­zu­stand gehal­ten kön­nen“, gab ihm Stri­an zurück. Denn so lan­ge sich die Lie­fer­ket­te für die Akkus nicht ändert, macht dies kei­nen Sinn. Für den Defi in Kun­reuth war­te man schon ein drei­vier­tel Jahr auf eine neue Bat­te­rie. Schuld sei mitt­ler­wei­le die EU, so Stri­an, der anstatt Defis zu einem Erste-Hil­fe-Kurs riet. „Man kann ja mal 10 000 Euro dafür ein­stel­len“, dazu Rank.

Ein gro­ßer Posten sind die Feu­er­weh­ren mit über 500 000 Euro. Für Pla­nungs­ko­sten einen Feu­er­wehr­haus­neu­bau­es in Kun­reuth ste­hen 120 000 Euro im Plan. Für die Sanie­rung des Kin­der­gar­tens 100 000 Euro, für den Hoch­was­ser­schutz, die Kanal­sa­nie­rung und den Was­ser­lei­tungs­bau in Wein­garts ins­ge­samt 480 000 Euro und als Kun­reu­ther VG-Bei­trag für das Regen­über­lauf­becken in Gos­berg 467 400 Euro. Für Grund­er­werb sind 500 000 Euro ein­ge­plant, denn die Gemein­de hat kei­ne eige­nen Bau­plät­ze mehr. Die Umrü­stung der Orts­be­leuch­tung auf LED kostet 92 700 Euro.

Der Kom­men­tar

Seit zwei­ein­halb Jah­ren wird am neu­en Heim der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Wein­garts gebaut. Von außen ist das Feu­er­wer­haus immer noch im Roh­bau­zu­stand, auch innen fehlt Vie­les noch. Wie zum Bei­spiel der Fuß­bo­den über den wäh­rend der Gemein­de­rats­sit­zung gestrit­ten wurde.

Fragt man in Wein­garts nach dem Weg zum neu­en Sprit­zen­haus, dann kommt die Ant­wort: „Ach, zur Bau­rui­ne wol­len Sie.“ Wofür ande­re Gemein­den und ande­re Feu­er­weh­ren nur ein paar Mona­te brau­chen um ein Gerä­te­haus die­ser Grö­ße zu bau­en, dau­ert dies in der Gemein­de Kun­reuth Jah­re. Am Geld kann es nicht lie­gen. Denn noch ist die Gemein­de schul­den­frei. Auch am Mate­ri­al und an den Hand­wer­kern kann es nicht lie­gen. Coro­na hat zwar am Bau wegen Lie­fer­eng­päs­sen zu Ver­zö­ge­run­gen geführt und Vie­les teu­rer gemacht. Die Gemein­de Göß­wein­stein hat in der Coro­na-Zeit sei­ne Dop­pel­turn­hal­le gebaut. Die­se ist ein Viel­fa­ches grö­ßer als das ver­gleichs­wei­se klei­ne Feu­er­wehr­haus in Wein­garts, das auch als grö­ße­res Ein­fa­mi­li­en­wohn­haus durch gin­ge. Etwa ein Jahr Bau­zeit waren für die größ­te Hal­le im Forch­hei­mer Ober­land erfor­der­lich, in die bis zu 1000 Besu­cher rein­pas­sen. Wor­an liegt es also, das in Wein­garts nichts vor­an­geht? An den akti­ven Feu­er­wehr­leu­ten sicher­lich auch nicht.

Viel­leicht ja an Klei­nig­kei­ten, wie die Art und Beschaf­fen­heit des Fuß­bo­dens, über die man nicht einig wird. Bür­ger­mei­ster Ernst Stri­an kün­dig­te wäh­rend der Sit­zung an, man habe sich ent­schie­den, in die Umklei­den einen Lami­nat­bo­den zu ver­le­gen. Der ist wär­mer als der Indu­strie­bo­den für Fahr­zeug­hal­le und son­sti­ge Berei­che. „Ich bit­te dar­um über­all Indu­strie­bo­den zu ver­le­gen“, ent­geg­ne­te sein Stell­ver­tre­ter Edwin Rank, nach­dem ihm ein Feu­er­wehr­mann aus dem Zuschau­er­be­reich einen Zet­tel zuge­steckt hat­te. Nach eini­gem Hin und Her ver­kün­de­te der Rat­haus­chef schließ­lich, das Die­je­ni­gen, die dort ein­zie­hen, ent­schei­den wel­cher Boden rein­kommt. Also die Feu­er­wehr selbst. Viel­leicht soll­te die Feu­er­wehr selbst die Bau­leit­pla­nung in die Hand neh­men. Dann gin­ge viel­leicht so man­ches schneller?

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