Göß­wein­stein: Bür­ger­ver­samm­lung zum „Rat­haus ins Pfarrhaus“

Bür­ger­mei­ster Hanngörg Zim­mer­mann (FW) wirk­te sicht­lich ange­spannt. Am Schluss dann erleich­tert, weil die anwe­sen­den Bür­ger den Umzug der Ver­wal­tung in das Pfarr­haus mehr­heit­lich befür­wor­te­ten. Zu sei­ner Infor­ma­ti­ons­ver­samm­lung zum The­ma Rat­haus waren rund 100 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in die Schul­turn­hal­le gekom­men, dar­un­ter auch fast alle Marktgemeinderäte.

So könn­te es ein­mal aussehen

Die erste Skizze zeigt das bestehende Pfarrhaus. Dahinter Richtung Pfarrgarten soll links ein Versorgungsturm mit Aufzug gebaut werden. Rechts die neuen Toiletten, links daneben ein Flachbau als Rathaus- und Bürgersaal, in der Mitte ein Innenhof zwischen Saal/Toiletten und neuem Rathaus (Pfarrhaus).

Die erste Skiz­ze zeigt das bestehen­de Pfarr­haus. Dahin­ter Rich­tung Pfarr­gar­ten soll links ein Ver­sor­gungs­turm mit Auf­zug gebaut wer­den. Rechts die neu­en Toi­let­ten, links dane­ben ein Flach­bau als Rat­haus- und Bür­ger­saal, in der Mit­te ein Innen­hof zwi­schen Saal/​Toiletten und neu­em Rat­haus (Pfarr­haus).

Auch Archi­tekt Micha­el Schoe­ner vom Leip­zi­ger Archi­tek­tur­bü­ro Schoe­ner + Pan­zer war gekom­men und prä­sen­tier­te einen Roh­ent­wurf zum Umbau des Pfarr­hau­ses zum Rat­haus mit Pfarr­amt, Tou­rist-Info, einem Saal­neu­bau, den öffent­li­chen Toi­let­ten und der Öff­nung des Pfarr­gar­tens für die All­ge­mein­heit. Der­zeit ist das Büro mit wei­te­ren zahl­rei­chen Fach­bü­ros dabei eine Grund­la­gen­er­mitt­lung durch­zu­füh­ren. Die Vor­pla­nung mit der ersten Kosten­schät­zung wird laut Schoe­ner dem Markt­ge­mein­de­rat im Sep­tem­ber vor­ge­stellt. Zim­mer­mann ging in sei­nem Vor­trag weit zurück. 1963 kauf­te die Gemein­de das Forst­haus mit Bau­jahr 1863 und bau­te es zum Rat­haus um. 1988 wur­de die Sanie­rung und Erwei­te­rung des Rat­hau­ses als dring­li­che Maß­nah­me bei der Städ­te­bau­för­de­rung ange­mel­det. Zahl­rei­che Pla­nungs­va­ri­an­ten an zehn ver­schie­de­nen Stand­or­ten wur­den seit­dem geprüft. Der elf­te ist nun das Pfarr­haus für das sich der Gemein­de­rat 2019 aus­ge­spro­chen hat. In der Janu­ar­sit­zung die­sen Jah­res stimm­te der Rat dem Abschluss eines Stu­fen­ver­tra­ges mit den Leip­zi­ger Archi­tek­ten zu und beauf­trag­te zunächst die Lei­stungs­pha­sen 1 und 2 (Grund­la­gen­er­mitt­lung und Vor­pla­nung). Bereits 2010 hat­te der Gemein­de­rat Leit­pro­jek­te im Rah­men des ISEK beschlos­sen und dann mit den Bür­gern fort­ge­schrie­ben. Ein Leit­pro­jekt ist seit 2019 die Ver­la­ge­rung des Rat­hau­ses ins Pfarr­haus mit Schaf­fung eines Bür­ger­saals, Tou­rist-Info, öffent­li­cher Nut­zungs­mög­lich­keit des Für­sten­saals mit Poten­ti­al tou­ri­sti­scher Erwei­te­rung mit einem Pil­ger­ca­fé. Zwei­tes Leit­pro­jekt die bar­rie­re­freie Sanie­rung der öffent­li­chen Toi­let­ten und drit­tes Leit­pro­jekt die Öff­nung und Nut­zung des Pfarr­gar­tens als Erho­lungs- und öffent­li­cher Begeg­nungs­raum im Orts­kern. Die­se drei Leit­pro­jek­te bil­den gemein­sam das Pro­jekt „Pfarr­haus-Rat­haus.“ Beglei­ten­de Maß­nah­men dazu sind die gestal­te­ri­sche Auf­wer­tung des Markt­plat­zes, das Park­raum­kon­zept, das Park- und Besu­cher­leit­sy­stem sowie der Anschluss an das Nah­wär­me­netz als nach­hal­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung. Bei dem Gesamt­kon­zept geht es also nicht nur um einen Umzug der Ver­wal­tung in das Pfarr­haus, son­dern um eine Auf­wer­tung und Attrak­ti­vi­täts­stei­ge­rung des gesam­ten Ortskerns.

Wei­ter­hin beton­te Zim­mer­mann, dass der Markt Göß­wein­stein im Rah­men des Erb­bau­rechts seit Febru­ar 2020 Eigen­tü­mer des Pfarr­hau­ses mit Neben­ge­bäu­den und Pfarr­gar­ten auf einer Flä­che von 3999 Qua­drat­me­tern ist. Der Erb­bau­ver­trag mit der Kir­che gilt vor­erst für 60 Jah­re, kann immer wie­der ver­län­gert wer­den und der Erb­bau­zins betrug ein­ma­lig sym­bo­lisch einen Euro. Das Nut­zungs­recht für das Pfarr­bü­ro, von dem aus ein Zugang vom Basi­li­ka­vor­platz geschaf­fen wer­den soll, bleibt bei der Kir­che. Des­halb betei­ligt sich die Kir­che im Ver­hält­nis zur genutz­ten Flä­che sowohl an den Sanie­rungs­ko­sten als auch den spä­te­ren Neben­ko­sten inklu­si­ve Bau­un­ter­halt. Bis­her ange­fal­le­ne Kosten sind der Anschluss an das Nah­wär­me­netz für 29 000 Euro, das Ver­ga­be­ver­fah­ren für 90 000 Euro (Zuschuss 90 Pro­zent) und die Archi­tek­tur- und Inge­nieur­lei­stun­gen für die Lei­stungs­pha­sen 1 und 2 für 210 000 Euro, die nur dann geför­dert wer­den, wenn das Pro­jekt auch umge­setzt wird. Die bis­her geplan­te Finan­zie­rung sieht rund 4,23 Mil­lio­nen Euro Staats­zu­schüs­se, 600 000 Euro bereits erhal­te­ne Sta­bi­li­sie­rungs­hil­fe und rund 1,2 Mil­lio­nen Euro Zuschuss der Kir­che vor. Somit liegt die Sum­me der Ein­nah­men bei rund 6 Mil­lio­nen Euro. Gesamt­ko­sten für den Umbau zum Rat­haus inklu­si­ve Erwei­te­rungs­bau, Pfarr­gar­ten und öffent­li­che Toi­let­ten wur­den auf rund 8,6 Mil­lio­nen Euro geschätzt. Für die Rat­haus­aus­stat­tung sind 200 000 Euro ange­setzt, für die Nach­nut­zung des alten Rat­hau­ses 50 000 Euro. Somit ver­blie­be ein Inve­sti­ti­ons­ei­gen­an­teil für den Markt Göß­wein­stein von rund 2,8 Mil­lio­nen Euro. Wie Zim­mer­mann beton­te habe man die Sanie­rungs­ko­sten wegen zu erwar­ten­der Preis­stei­ge­run­gen schon damals mit 500 000 Euro mehr ange­setzt, um einen Puf­fer zu haben. Weil befürch­tet wird das sich die Gemein­de bei dem Pro­jekt finan­zi­ell über­hebt, ging der Bür­ger­mei­ster auch aus­führ­lich auf die Finanz­si­tua­ti­on des Mark­tes ein. Der­zeit liegt die Ver­schul­dung bei rund 1,4 Mil­lio­nen Euro, bis 2025 – dann soll das Rat­haus fer­tig sein – steigt die­se vor­aus­sicht­lich auf rund 2,5 Mil­lio­nen Euro an. Letz­tes Jahr konn­te konn­te der Markt sei­nen Anteil von rund 2,7 Mil­lio­nen Euro für die neue Dop­pel­sport­hal­le bereits kom­plett aus den Rück­la­gen bezah­len. Seit 2014 wur­den rund 16,5 Mil­lio­nen Euro in Infra­struk­tur­maß­nah­men inve­stiert, bei einem Eigen­an­teil von rund 10,5 Mil­lio­nen Euro. Ohne das ISEK-Pro­jekt Pfarr­haus und Pfarr­gar­ten sind zudem bis 2025 wei­te­re rund 2,5 Mil­lio­nen Euro für die Ver­bes­se­rung der Infra­struk­tur geplant.

Stim­men der Bür­ger und Antworten

Rund 100 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Infoveranstaltung zum Thema Rathaus. Foto: Thomas Weichert

Rund 100 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger kamen zur Info­ver­an­stal­tung zum The­ma Rat­haus. Foto: Tho­mas Weichert

Als erster mel­de­te sich Fer­di­nand Hasel­mei­er, Spre­cher der IG des Bür­ger­be­geh­rens „Kein Rat­haus ins Pfarr­haus“ zu Wort. Wie Hasel­mei­er sag­te sei im nach der Prä­sen­ta­ti­on des Bür­ger­mei­sters auf­ge­fal­len, dass sich sei­ne Zah­len mit denen von Hanngörg Zim­mer­mann (FW) decken. Er wun­de­re sich des­halb, wie­so er, Zim­mer­mann, sei­ne Aus­füh­run­gen als Halb- und Unwahr­hei­ten bezeich­net habe.

2015 hät­te Zim­mer­mann ver­kün­det, dass er in den näch­sten vier Jah­ren für 1,7 Mil­lio­nen Euro ein neu­es Rat­haus bau­en wol­le, ohne dafür neue Schul­den auf­zu­neh­men, so Hasel­mei­er. Zim­mer­mann dank­te für Hasel­mei­ers Wort­mel­dung, eine Ant­wort kam jedoch von Gott­fried Pol­zer, Hasel­mei­ers Nach­bar. „Ich hal­te die­se Aus­füh­run­gen etwas für selt­sam, Herr Hasel­mei­er“, so Pol­zer. Win­fried Schuh frag­te nach den Park­plät­zen. Dazu erklär­te Zim­mer­mann, dass der Pfarr­gar­ten nicht ver­sie­gelt wer­den soll und sich Park­plät­ze beim Fried­hof und altem Rat­haus befin­den. Mar­kus Zweck woll­te wis­sen, woher die Zahl 8,6 Mil­lio­nen Euro kommt. Zim­mer­mann beton­te, dass es sich um eine Grob­schät­zung nach dem Bau­ko­sten­in­dex han­delt und Archi­tekt Micha­el Schoe­ner ergänz­te das die Zahl eine rea­li­sti­sche Grö­ße ist. Aller­dings wäre es zum jet­zi­gen Zeit­punkt unse­ri­ös genaue­re Zah­len zu nen­nen, weil es noch kei­ne Kosten­schät­zung gibt. Bau­fach­mann Ger­hard Wolf ver­wies dar­auf, dass im letz­ten Halb­jahr die Bau­prei­se um 30 Pro­zent gestie­gen sind. Rech­ne man auf die 8,5 Mil­lio­nen Euro 30 Pro­zent drauf, dann sei man laut Wolf bei 2,4 Mil­lio­nen Euro Mehr­ko­sten zur Grob­schät­zung. Dazu räum­te der Pla­ner ein, dass der Markt in bestimm­ten Seg­men­ten der­zeit unkal­ku­lier­bar sei. Er habe auch schon Aus­schrei­bun­gen auf­he­ben müs­sen. Bür­ger­mei­ster Zim­mer­mann räum­te eben­falls ein dass es Preis­stei­ge­run­gen gäbe, hielt das Gan­ze aber für eine ima­gi­nä­re Dis­kus­si­on, weil man noch kei­ne kon­kre­ten Unter­su­chun­gen der Bau­sub­stanz und somit noch kei­ne genaue­ren Zah­len habe. Des­halb sei aber schon ein Puf­fer von 500 000 Euro drauf­ge­sat­telt wor­den. Zweck woll­te nun wis­sen ob es auch höhe­re Zuschüs­se gibt, wenn es teu­rer wird. Dies bestä­ti­ge der Pla­ner, weil die Zuschüs­se pro­zen­tu­al erfol­gen (aktu­ell rech­net man im Schnitt mit 70 Pro­zent Zuschuss) und die Regie­rung kein Inter­es­se dar­an habe das eine Gemein­de hand­lungs­un­fä­hig wird. Georg Schäff­ner, der die Idee mit dem Pfarr­haus hat­te, wun­der­te sich, das für den Saal nun ein Anbau geplant wird, obwohl die­ser im ersten Plan im Dach­ge­schoss inte­griert war. Die neue­ste Erkennt­nis dazu sei, dass die bei­den wuch­ti­gen Kami­ne denk­mal­ge­schützt sind. Des­halb rei­che der Platz für einen Saal im Dach­ge­schoss nicht aus, so Zim­mer­manns Ant­wort. Zum The­ma Neu­tra­li­tät zwi­schen Kir­che und Gemein­de, wie von Hasel­mei­er kri­ti­siert, sag­te Schäff­ner, dass er sich nicht vor­stel­len kön­ne das sich der Pfar­rer in die Belan­ge der Gemein­de ein­mischt oder die Ange­stell­ten des Rat­haus am Sonn­tag in die Kir­che „prü­gelt.“ Das die Kir­che nichts inve­stiert habe, wies Schäff­ner eben­falls ener­gisch zurück. Schäff­ner nann­te enor­me Inve­sti­tio­nen von 3,2 Mil­lio­nen Euro in die Sanie­rung der Basi­li­ka, davon über 1 Mil­lio­nen durch die Pfar­rei selbst. Auch in das Wall­fahrts­mu­se­um und in die Klo­ster­kir­che inve­stier­te die Kir­che enorm und zur Pfarr­haus­sa­nie­rung kom­men vom erz­bi­schöf­li­chem Ordi­na­ri­at 1,2 Mil­lio­nen Euro hin­zu. Wei­ter woll­te Schäff­ner wis­sen, ob es für einen Rat­haus­neu­bau an ande­rer Stel­le auch Zuschüs­se gibt. „Ein Neu­bau ist nicht för­der­fä­hig, nur ein Saal, der auch der Öffent­lich­keit zur Ver­fü­gung steht“, so die Ant­wort des Bür­ger­mei­sters. Ein Ver­kehrs­cha­os am Markt­platz, wie von Hasel­mei­er befürch­tet, sah Schäff­ner nicht. Denn Aus­flugs­bus­se dürf­ten nur zum Ein- und Aus­stei­gen kurz hal­ten. Mar­tin Redel wun­der­te sich, wie­so man unbe­dingt eine Saal­an­bau braucht. Der Gemein­de­rat kön­ne auch woan­ders tagen. Außer­dem ver­än­de­re sich dadurch die Außen­dar­stel­lung des Pfarr­gar­tens. „Von der Optik her kann ich noch nichts sagen, weil ich noch nicht weiß, wie es aus­se­hen wird“, so Zim­mer­mann, der beton­te, das es der Wunsch der Bür­ger­schaft war, dass der Pfarr­gar­ten geöff­net wird. Ein Saal sei außer­dem auch für die Infra­struk­tur des öffent­li­chen Raums wich­tig. „Haupt­zweck ist die Bele­bung des Ortes“, so der Rat­haus­chef. Markt­rä­tin Caro­lin Kel­ler (FW) beton­te, dass es jetzt mit dem Rat­haus lang­sam Zeit wer­de. Das Rat­haus im Pfarr­haus ist nach ihrer Mei­nung eine enor­me Attrak­ti­vi­täts­stei­ge­rung für die gan­ze Gemein­de. Das Archi­tek­tur­bü­ro mache für sie einen ver­trau­ens­wür­di­gen Ein­druck. „So ein Pro­jekt steht und fällt mit der Aus­wahl des Archi­tek­ten“, gab ihr Josef Neu­ner recht. „Das soll­te dann auch min­de­stens 50 Jah­re hal­ten, auch wenn es ein paar Euro mehr kostet“, mein­te Kon­rad Hell­dör­fer und frag­te, ob man den Anbau nach 60 Jah­ren ste­hen las­sen kön­ne, wenn man sich dann ument­schei­de. „Ja“, so Zim­mer­manns Ant­wort. „Kri­tik ist berech­tigt“, so Ste­fan Bogner, der das Pro­jekt „toll und gut“ fand, weil es für den Orts­kern eine ein­ma­li­ge Chan­ce sei. Ein Risi­ko, ein altes Gebäu­de zu sanie­ren sei immer vor­han­den, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, so der frü­he­re CSU-Markt­ge­mein­de­rat. Wie es spä­ter ein­mal mit den Betriebs­ko­sten zwecks ener­ge­ti­scher Situa­ti­on aus­sieht, woll­te Markt­rat Bern­hard Vogel (SPD) wis­sen. Dazu kön­ne man noch kei­ne Anga­ben machen, so der Pla­ner. Das Dach wird aber auf jeden Fall gedämmt, die Fen­ster innen auf­ge­dop­pelt. Den ener­ge­ti­schen Stan­dard eines Neu­baus kön­ne man aber nicht errei­chen. Ein attrak­ti­ver Fak­tor sei aber das Nah­wär­me­netz, so Schoe­ner. „Mir gefällt‚s sehr gut“, war das Schluss­wort eines vor län­ge­rer Zeit zuge­zo­ge­nen Gößweinsteiners.

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