Zet­tels Refle­xio­nen: Glau­be und Wissen

Peter Zettel
Peter Zettel

Glau­ben oder wis­sen – ein gewal­ti­ger Unter­scheid. Alles, was ich nicht bele­gen kann, was ich also nicht weiß, glau­be ich. Man­ches glau­be (!) ich zu wis­sen, dass ich etwas wüss­te, doch weiß (!!) ich, dass ich das nur von einem ande­ren weiß, dann glau­be ich das – war­um auch immer.

Dis­ku­tie­ren Sie ein­mal mit jeman­dem, der an Gott glaubt. Sie wer­den kei­ne Chan­ce haben, ihn vom Gegen­teil zu über­zeu­gen. Wenn Sie hin­ge­gen mit jeman­dem dis­ku­tie­ren, der nicht an Gott glaubt, dann wer­den Sie den auch nicht vom Gegen­teil über­zeu­gen. Kei­ne Chance.

Was wir glau­ben, dar­auf behar­ren wir, sind fel­sen­fest sicher, dass es so wäre. War­um ist das nur so? Viel­leicht liegt es dar­an, dass mit dem In-Fra­ge-Stel­len eines Glau­bens unser inne­res, nicht bewuss­tes Welt­bild glei­cher­ma­ßen in Fra­ge gestellt wird. Und das kön­nen wir abso­lut nicht leiden.

Unse­re Glau­bens­über­zeu­gun­gen sind eine Art Schutz­schild gegen die tat­säch­li­che oder schein­ba­re Unkal­ku­lier­bar­keit des Uni­ver­sums, in dem wir leben. Das Dum­me ist nur, dass die sel­ten von Dau­er sind. Man merkt das etwa an Reli­gio­nen, die hal­ten meist nur eini­ge Zeit, sie nut­zen sie regel­recht ab – weil die Men­schen mit der Zeit nicht mehr an sie glauben.

Ganz anders ist es, wenn wir etwas wirk­lich wis­sen und mit Fak­ten bele­gen kön­nen. Dar­über kann man reden und die Fak­ten gemein­sam unter­su­chen. Der Unter­schied zum Glau­ben besteht nur vor­der­grün­dig in den Fak­ten, was man mei­nen könn­te, son­dern dar­in, dass man dar­über redet.

Ich darf ja nicht ver­ges­sen, das auch Fak­ten nur eine begrenz­te Lebens­zeit haben, näm­lich nur, bis sie wider­legt wer­den. Ganz schwie­rig wird es, wenn ein Glau­be zwar auf Fak­ten beruht, die­se aber nicht mehr zu über­prü­fen sind. Dann mei­nen wir schnell, dass es so oder anders war – nur wis­sen wir es wirklich?

Da hilft auch die kon­kre­te Erin­ne­rung nicht wei­ter. Wären Erin­ne­run­gen so sta­bil wie Fak­ten, könn­ten Psy­cho­lo­gen kaum Reframing-Pro­zes­se mit Erfolg bei ihren Kli­en­ten anwenden.


Peter Zet­tel

ist pen­sio­nier­ter Anwalt. Seit ein paar Jah­ren ist er begei­ster­ter Motor­rad­fah­rer – sein per­sön­li­cher Weg der Selbst­er­kennt­nis. Er inter­es­siert sich für das, was die Welt bewegt und schreibt dar­über in sei­nem Blog zet​tel​.biz.

Alle bis­her im Wie­sent­bo­ten erschie­nen „Zet­tels Refle­xio­nen

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