Bet­zen­stei­ner und Ple­cher Bür­ger für Bürgerwindkraftanlagen

Der Bau von Wind­rä­dern ist oft­mals ein Reiz­the­ma in der Bevöl­ke­rung. Nicht so in Bet­zen­stein und Plech. Nach­dem der Stadt­rat Bet­zen­stein und der Markt­ge­mein­de­rat Plech für ein Stand­ort­si­che­rungs­ver­fah­ren zum Bau neu­er Bür­ger-Wind­kraft­an­la­gen ent­lang der A 9 gestimmt hat­te (der Neue Wie­sent­bo­te berich­te­te) fan­den nun Bür­ger­ver­samm­lun­gen zu die­sem The­ma in Bet­zen­stein und Plech statt.

Über 40 Bürgerinnen und Bürger waren in den Gasthof Herbst in Betzenstein zur Informationsbürgerversammlung zum Thema Bürgerwindkraftanlagen im Veldensteiner Forst gekommen. Foto: Thomas Weichert

Über 40 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger waren in den Gast­hof Herbst in Bet­zen­stein zur Infor­ma­ti­ons­bür­ger­ver­samm­lung zum The­ma Bür­ger­wind­kraft­an­la­gen im Vel­den­stei­ner Forst gekom­men. Foto: Tho­mas Weichert

Das Inter­es­se der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger war groß. In Bet­zen­stein kamen über 40 und in Plech knapp 40 Leu­te um sich über die geplan­ten Bür­ger-Wind­kraft­an­la­gen zu infor­mie­ren. Kri­ti­sche Stim­men dage­gen gab es dabei nicht, ledig­lich tech­ni­sche und wirt­schaft­li­che Detail­fra­gen. Bür­ger­mei­ster Claus Mey­er blick­te auf das Jahr 2011 zurück als sich der Stadt­rat erst­mals auf den Weg gemacht hat­te in Sachen rege­ne­ra­ti­ve Ener­gien etwas zu tun. Neben ver­schie­de­nen Solar­an­la­gen auf Dächern von Stadt­ge­bäu­den und einer Frei­flä­chen-Bür­ger­so­lar­an­la­ge ste­hen seit 2016 bei Hüll auch zwei Bür­ger-Wind­kraft­an­la­gen die zur voll­sten Zufrie­den­heit lau­fen. Im März die­ses Jah­res hat­te sich der Stadt­rat auch für den „Solar­park Stein­lei­te“ aus­ge­spro­chen mit dem zusam­men mit den Wind­rä­dern bei Hüll ein Ener­gie­zen­trum ent­ste­hen soll.

„Wind­rä­der“, so Mey­er, tre­ten nicht in Kon­kur­renz zur Land­wirt­schaft, brau­chen nicht viel Platz und ver­schwen­den kei­ne Flä­chen. Man sieht sie aber und hört sie manch­mal auch. Zwei Pro­zent der baye­ri­schen Lan­des­flä­che sol­len mit Wind­rä­dern bestückt wer­den. Damit soll der „Wind­kraft-Tur­bo“ laut Mini­ster­prä­si­dent Mar­kus Söder (CSU) gezün­det wer­den. „Das man damit den Tur­bo zün­det glau­be ich nicht, es kommt aber immer dar­auf an, was man unter dem Tur­bo ver­seht“, so Mey­er. Die Pacht­prei­se zum Bau von Wind­kraft­an­la­gen im Staats­forst stei­gen momen­tan enorm. „Desto wahr­schein­li­cher sind hier auch Bür­ger­wind­rä­der“, so Mey­er, der beton­te dass die Gebie­te im Vel­den­stei­ner Forst jedoch kei­ne Pre­mi­um­stand­or­te dafür sind.

Plechs Bür­ger­mei­ster Karl­heinz Escher (FW) erklär­te dass Plech kaum gemein­de­ei­ge­ne Flä­chen hat um dar­auf Wind­rä­der oder Frei­flä­chen­pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen zu bau­en. Auch Inve­sto­ren die dann „Schrott­wind­rä­der“ ste­hen las­sen, wol­le man in Plech nicht. Auch des­halb sind Bür­ger­wind­rä­der erstre­bens­wert, weil sie zurück­ge­baut wer­den müs­sen. Escher ist sich auch sicher, dass spä­te­stens nach der Land­tags­wahl die 10-H-Abstand­re­ge­lung in Bay­ern fällt. Außer­dem habe Bet­zen­stein laut Mey­er ein Pro­blem auf der Ein­nah­me­sei­te. Bür­ger­wind­rä­der wür­den durch den Gemein­de­bo­nus von aktu­ell 0,2 Cent pro Kilo­watt­stun­de und spä­ter durch die Gewer­be­steu­er auch Ein­nah­men für die Stadt bedeu­ten. „Der Markt Plech ist genau­so finan­zi­ell in der Bre­douil­le wie Bet­zen­stein“, gab ihm Escher recht. Denn schließ­lich müs­se Plech auch die Klär­an­la­ge mit bauen.

„Wie vie­le Wind­rä­der sind im Forst theo­re­tisch mach­bar?“ Woll­te ein Bür­ger wis­sen. Laut Mar­cus Dornau­er von der gleich­na­mi­gen Fir­ma „Dornau­er Wind­kraft UG“ aus Neu­stadt an der Aisch sei­en acht bis neun durch­aus mach­bar. Er habe aber schon Pfer­de kot­zen sehen. Des­halb soll­te man sich eine mög­lichst gro­ße Flä­che sichern. Um einen Bür­ger­wind­park wirt­schaft­lich im Forst zu betrei­ben, brau­che man aber min­de­stens vier Wind­rä­der. Dies kön­ne man aber nicht vor zwei Jah­ren sagen. Denn bis so ein Pro­jekt umge­setzt ist, könn­ten bis zu sie­ben Jah­re ver­ge­hen. Wenn es schnell geht mit allen Gut­ach­ten und Geneh­mi­gun­gen etwa drei­ein­halb Jah­re bis das erste Wind­rad steht. „Bis­her ist noch alles hei­ße Luft und ich sehe auch noch kei­nen Tur­bo“, sag­te Dornau­er. „Eigent­lich sei man viel zu spät dran und die baye­ri­sche 10-H-Rege­lung sei eine Rie­sen­dumm­heit“, so der Windexperte.

„Kom­men da noch sach­li­che Infor­ma­tio­nen oder wird das hier jetzt poli­tisch“, rief ein wei­te­rer Bür­ger dazwi­schen. Dem hielt Dornau­er ent­ge­gen dass die nur in Bay­ern gül­ti­ge Abstand­re­gel das Bun­des­recht aus­he­belt. Allei­ne ein Arten­schutz­gut­ach­ten koste über 100.000 Euro. Neben wei­te­ren Gut­ach­ten braucht man auch ein Boden­gut­ach­ten. Da müs­sen dann an jedem Wind­rad­stand­ort min­de­stens drei Boh­run­gen erfol­gen um zu sehen, ob Doli­nen dar­un­ter sind.

Hans Geb­hardt von den Bür­ger­en­er­gie­wer­ken (BEW) Schnaitt­ach­tal und Umge­bung ver­wies dar­auf das sich die Anzahl von vier Wind­rä­dern auf die der­zei­ti­ge Kosten­schät­zung bezie­hen. „Gehen die Prei­se wei­ter durch die Decke, dann sind fünf noch zu wenig“, so Geb­hardt. „Es liegt in unse­rer Hand ob die Ener­gie­wen­de gelingt“, sag­te Rein­hard Bau­ern­feind aus Otten­hof. Auch dür­fe man die rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie­for­men nicht gegen­ein­an­der aus­spie­len. Wie auch Hans Esche­rich aus Spies sah Bau­ern­feind enor­me Mög­lich­kei­ten in der Was­ser­kraft. Vie­les sei noch unge­löst, daher müs­se man zusam­men­hal­ten, weil in Zukunft noch viel mehr Strom gebraucht wer­den wird. Peter Lorenz aus Rie­gel­stein woll­te wis­sen wie hoch so ein Wind­rad wird. Die Gesamt­hö­he gab Dornau­er, der von Beruf Gärt­ner­mei­ster ist, mit 250 Metern an. Fritz Rass aus Wei­den­sees ver­wies dar­auf dass das Gebiet teil­wei­se im Was­ser­schutz­ge­biet liegt. Auch dies sei kein Aus­schluss­kri­te­ri­um für ein Wind­rad, hieß es dazu. Plechs zwei­ter Bür­ger­mei­ster Heinz Stark beton­te dass es die rich­ti­ge Ent­schei­dung sei, Bür­ger-Wind­kraft­an­la­gen zu bau­en. „Wenn wir es nicht machen, macht es jemand Ande­res“, so Bet­zen­steins Stadt­rä­tin Mar­ti­na Köh­ler, die kei­ne Freun­din von Flä­chen­pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen ist.

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