Lich­ten­fels: Wild­gän­se­ma­nage­ment-Pro­jekt­grup­pe tagte

Vor-Ort-Termin in Gruben bei Hochstadt zum „Wildgänsemanagement“ im Landkreis Lichtenfels: (v.re.): Landrat Christian Meißner, der Abteilungsleiter Bauen und Umwelt, Kommunales am Landratsamt, Tim Baum, BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein, die Zweite Bürgermeisterin der Stadt Lichtenfels, Sabine Rießner, Sandra Groß von der unteren Jagdbehörde am Landratsamt, Martina Weiß und die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. Foto: Landratsamt Lichtenfels/Heidi Bauer

„Die Wild­gän­se haben die frisch auf­ge­gan­ge­ne Saat auf einem Stück kom­plett abge­fres­sen. Hier ist die Ern­te ver­lo­ren“, klagt Land­wirt Klaus Weiß aus Gru­ben bei Hoch­stadt. Damit steht er nicht allein. Grau­gän­se, Kana­da­gän­se und Nil­gän­se sind im Land­kreis Lich­ten­fels immer mehr auf dem Vor­marsch. Mit ihrem Rie­sen­ap­pe­tit auf Getrei­de rich­ten sie vie­ler­orts gro­ßen Scha­den an.

Ein Fakt, den das Land­rats­amt als unte­re Natur­schutz- und Jagd­be­hör­de, Kom­mu­nen, Land­wir­te und poli­ti­sche Man­dats­trä­ger seit eini­gen Jah­ren mit Sor­ge beob­ach­ten. Des­we­gen zie­hen nun alle gemein­sam an einem Strang, um Lösungs­mög­lich­kei­ten zu fin­den. So sol­len in Zusam­men­ar­beit mit der Baye­ri­schen Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft (LfL) gemein­sa­me Maß­nah­men in Form eines Wild­gän­se­ma­nage­ment-Pro­jekts im Land­kreis Lich­ten­fels ergrif­fen werden.

Unter­stützt durch den Lei­ter des Pro­jekt­ma­nage­ments „Wild­gän­se“ an der LfL, Dr. Chri­sti­an Wag­ner, der auch die seit 2013 lau­fen­den Pilot­pro­jek­te Wild­gän­se­ma­nage­ment in den Land­krei­sen Bam­berg und Haß­ber­ge betreut, sol­len anhand der dor­ti­gen Erkennt­nis­se ver­schie­de­ne Regu­lie­rungs­maß­nah­men, ange­passt an die jewei­li­gen Stand­ort- und Schad­si­tua­tio­nen, an eini­gen Brenn­punk­ten im Land­kreis Lich­ten­fels umge­setzt wer­den. Der Start­schuss soll mit einer Ende Juli statt­fin­den­den Auf­takt­ver­an­stal­tung gege­ben werden.

Orts­ter­min in Hochstadt-Gruben

Dar­auf einig­te man sich bei einem ersten Orts­ter­min auf dem Hof von Mar­ti­na und Klaus Weiß. Ein wei­te­res Vor­ge­hen erör­ter­ten dabei Land­rat Chri­sti­an Meiß­ner, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Emmi Zeul­ner, die Zwei­te Bür­ger­mei­ste­rin der Stadt Lich­ten­fels, Sabi­ne Rieß­ner, der Erste Bür­ger­mei­ster der Gemein­de Hoch­stadt, Max Zeul­ner, Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­ban­des (BBV) Lich­ten­fels – der schei­den­de Geschäfts­füh­rer Hans Rebe­lein, der desi­gnier­te neue Geschäfts­füh­rer Gabri­el Lieb, Kreis­ob­mann Micha­el Bien­lein und Kreis­bäue­rin Mari­on War­muth – sowie der unte­ren Natur­schutz- und der Jagd­be­hör­de am Land­rats­amt Lichtenfels.

„Wir brau­chen prag­ma­ti­sche Lösun­gen, die allen Sei­ten gerecht wer­den – Natur­schutz und Tier­schutz einer­seits, sowie Land­wirt­schaft und Frei­zeit­hy­gie­ne ander­seits“, sag­te Land­rat Chri­sti­an Meißner.

Die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Emmi Zeul­ner bekräf­tigt: „Unter land­wirt­schaft­li­chen und natur­schutz­fach­li­chen Aspek­ten stellt die kana­di­sche Wild­gans nicht nur für die Was­ser- und Ern­te­qua­li­tät ein gro­ßes Pro­blem dar, auch die hei­mi­schen Vogel­ar­ten gera­ten auf­grund der Ver­drän­gung zuneh­mend unter Druck. Umso mehr freut es mich, dass mit Dr. Chri­sti­an Wag­ner von der Baye­ri­schen Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft ein Exper­te unse­rer Ein­la­dung in den Land­kreis folgt und wir somit gemein­sam mit unse­ren Land­wir­tin­nen und Land­wir­ten und wei­te­ren Akteu­ren über eine drin­gend not­wen­di­ge Pro­blem­lö­sung dis­ku­tie­ren können.“

Wie der Lei­ter der Abtei­lung Bau­en und Umwelt, Kom­mu­na­les am Land­rats­amt, Tim Baum, beim Orts­ter­min erläu­ter­te, gab es seit 2013/14 unter ande­rem ein Pilot­pro­jekt der LfL zum Wild­gän­se­ma­nage­ment in den Land­krei­sen Bam­berg und Haß­ber­ge. Dabei zeig­te sich, dass sich Wild­gän­se gera­de in den Main­au­en sehr wohl­füh­len. Die enge Ver­zah­nung von Ruhe­ge­wäs­sern mit Brut­mög­lich­kei­ten und land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen mit hoch­wer­ti­ger Nah­rung bie­te opti­ma­le Bedin­gun­gen und ist eine der Ursa­chen für die enor­me Ver­meh­rung. Wenn der Mensch nicht ein­grei­fe, wer­de die Popu­la­ti­on wei­ter wach­sen. „Die Schaf­fung von natur­schutz­fach­lich geschütz­ten Lebens­räu­men für sel­te­ne Boden­brü­ter geht ins Lee­re, wenn eine Über­macht von Gän­sen die­se ver­drän­gen“, fasst Land­rat Meiß­ner auch die natur­schutz­fach­li­che Not­wen­dig­keit für Maß­nah­men zusammen.

Neu­es Jagdgesetz

San­dra Groß von der unte­ren Jagd­be­hör­de erläu­tert, dass die Wild­gän­se­ar­ten zum jagd­ba­ren Feder­wild zäh­len und damit dem Jagd­recht unter­lie­gen. Seit fast 20 Jah­ren sind daher die Jagd­päch­ter in Pro­blem­be­rei­chen des Land­krei­ses bemüht, über geziel­te (Ver­grä­mungs-) Abschüs­se und Jagd­zeit­ver­län­ge­run­gen mas­si­ve Schä­den an land­wirt­schaft­li­chen Kul­tu­ren im Rah­men zu hal­ten. Der Abschuss allein kön­ne aber das Grund­pro­blem der wach­sen­den Popu­la­ti­on nicht lösen. Inso­fern kom­me die zum 1. Mai 2022 in Kraft getre­te­ne Ände­rung des Baye­ri­schen Jagd­ge­set­zes zum rich­ti­gen Zeitpunkt.

Nach­dem auch von Sei­ten des Lan­des­ge­setz­ge­bers erkannt wur­de, dass die stei­gen­de Gänse­po­pu­la­ti­on zu zuneh­men­den Pro­ble­men in der Land­wirt­schaft und den Ufer­be­rei­chen von Bade­ge­wäs­sern führt, ist es nun­mehr erlaubt, auch die Gele­ge­be­hand­lung jagd­recht­lich zu geneh­mi­gen. Damit wird der Brut­er­folg der Gän­se redu­ziert und der Popu­la­ti­ons­zu­wachs ein­ge­dämmt. Gele­ge­be­hand­lun­gen waren bis­lang nur zu wis­sen­schaft­li­chen oder Lehr­zwecken erlaubt. Das wis­sen­schaft­li­che Pilot­pro­jekt in den Land­krei­sen Bam­berg und Haß­ber­ge habe mit die­ser Maß­nah­me in bestimm­ten Pro­blem­re­gio­nen Erfol­ge gezeigt. Sowie dies­be­züg­lich nähe­re gesetz­li­che Vor­ga­ben vor­lie­gen, soll die Gele­ge­be­hand­lung als ein Bau­stein des Wild­gän­se­ma­nage­ment-Pro­jek­tes im Land­kreis Lich­ten­fels eben­falls eta­bliert werden.

Hohe Ver­lu­ste für Landwirte

„An den Äckern ent­lang von Gewäs­sern ist ein Anbau von ver­schie­de­nen Kul­tu­ren nicht mehr mög­lich, weil die Gän­se alles abfres­sen. Unse­ren Land­wir­ten dro­hen Ver­lu­ste im vier­stel­li­gen Bereich pro Hekt­ar“, warnt BBV-Geschäfts­füh­rer Hans Rebe­lein. Fach­be­ra­ter Gabri­el Lieb unter­streicht: „Auf die Pro­ble­ma­tik mit den aus­ufern­den Wild­gän­se­be­stän­den wei­sen die Land­wir­te schon seit Jah­ren hin. Neben den Schä­den an den Feld­früch­ten ver­drän­gen auch die Gän­se als inva­si­ve Arten immer mehr die ein­hei­mi­schen Wild­vö­gel.“ BBV-Kreis­ob­mann Micha­el Bien­lein for­dert: „Zukünf­ti­ge Bau­pla­nun­gen ent­lang von Gewäs­sern müs­sen das Pro­blem mit den Wild­gän­sen berück­sich­ti­gen. Es muss alles dafür getan wer­den, dass die Schä­den im Rah­men bleiben.“

Kreis­bäue­rin Mari­on War­muth stellt klar: „Wild­gän­se­ma­nage­ment funk­tio­niert nur mit den Behör­den, Jägern, Jagd­ge­nos­sen­schaf­ten & Land­wir­ten und dem Ver­ständ­nis der Bevöl­ke­rung.“ Der Erste Bür­ger­mei­ster der Gemein­de Hoch­stadt am Main, Max Zeul­ner, fass­te mit Blick auf ein wei­te­res Pro­blem zusam­men: „Da der Kot der Gän­se auch zu mas­si­ven hygie­ni­schen Pro­ble­men an den Lie­ge­be­rei­chen der Nah­erho­lungs­ge­wäs­ser führt, ist es auch im Inter­es­se der Städ­te Märk­te und Gemein­den des Land­krei­ses, dass über das Pro­jekt Wild­gän­se­ma­nage­ment wirk­sa­me Maß­nah­men ein­ge­lei­tet und umge­setzt werden.“

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