Bay­reu­ther Rechts­wis­sen­schaft­ler wird Bundesverfassungsrichter

Prof. Dr. Heinrich Amadeus Wolff, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht VII, Recht der Umwelt, Technik und Information an der Universität Bayreuth. Foto: UBT/Rennecke

Am 2. Juni 2022 hat der Bun­des­tag Prof. Dr. Hein­rich Ama­de­us Wolff, Inha­ber des Lehr­stuhls für öffent­li­ches Recht VII an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, zum Nach­fol­ger von Prof. Dr. Andre­as Pau­lus am Ersten Senat des höch­sten deut­schen Gerichts gewählt. Die Amts­zeit von Wolff beginnt mit der Ernen­nung durch den Bun­des­prä­si­den­ten. Der Uni­ver­si­tät Bay­reuth bleibt Wolff wei­ter­hin als Lehr­stuhl­in­ha­ber verbunden.

„Es ist mir eine Ehre, an einer für den Staat so wich­ti­gen und ange­se­he­nen Insti­tu­ti­on arbei­ten zu dür­fen. Ich freue mich auf die Zusam­men­ar­beit mit den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in Karls­ru­he und auf die neu­en Auf­ga­ben, die dort auf mich war­ten“, erklär­te Prof. Dr. Hein­rich Ama­de­us Wolff nach der Wahl. Er füg­te an: „Ich freue mich aber auch, dass ich der Uni­ver­si­tät Bay­reuth wei­ter­hin ange­hö­ren wer­de! Gera­de die Tätig­keit in Karls­ru­he eröff­net auch neue Per­spek­ti­ven, die ich in die Uni­ver­si­tät Bay­reuth ein­brin­gen kann.“

Uni­ver­si­täts­prä­si­dent Prof. Dr. Ste­fan Lei­ble gra­tu­lier­te im Namen aller Uni­ver­si­täts­an­ge­hö­ri­gen und erklär­te: „Pro­fes­sor Wolff wird sicher – soweit es sei­ne Zeit künf­tig zulas­sen wird – sein Wis­sen in Bay­reuth wei­ter ein­brin­gen und damit, wie es an unse­rer RW- Fakul­tät üblich ist, den Stu­die­ren­den die Schnitt­stel­le von Theo­rie und Pra­xis aus erster Hand prä­sen­tie­ren kön­nen. Natür­lich bedau­ern wir es, Hein­rich Ama­de­us Wolff künf­tig mit dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt tei­len zu müs­sen. Gleich­zei­tig sind wir aber höchst erfreut, dass Pro­fes­sor Wolff nun Mit­glied des ober­sten deut­schen Gerichts wird.“ Lei­ble beton­te: „Poli­ti­sche Aus­wahl­ver­fah­ren sind immer mit Unwäg­bar­kei­ten ver­bun­den, gleich­wohl war die Hoch­schul­lei­tung über die Ent­schei­dung nicht über­rascht. Hein­rich Ama­de­us Wolff berät seit Jahr­zehn­ten Par­la­men­te und Regie­run­gen – enga­giert, aus­ge­wo­gen und mit einer gehö­ri­gen Por­ti­on Witz. Er gibt wich­ti­ge öffent­lich-recht­li­che Stan­dard­wer­ke her­aus, hat schon vie­le Pro­zes­se geführt und die mei­sten gewonnen.“

Prof. Dr. Hein­rich Ama­de­us Wolff ist seit 2014 Inha­ber des Lehr­stuhls für Öffent­li­ches Recht, Recht der Umwelt, Tech­nik und Infor­ma­ti­on an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth. Neben sei­ner Lehr­tä­tig­keit war und ist er als Autor zahl­rei­cher Bei­trä­ge in juri­sti­schen Fach­zeit­schrif­ten, Sam­mel­wer­ken und Kom­men­ta­ren sowie von Mono­gra­fien, zur gesam­ten Brei­te des öffent­li­chen Rechts mit einem deut­li­chen Schwer­punkt im Ver­fas­sungs­recht aktiv. Außer­dem war er Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter bei zahl­rei­chen gesell­schaft­lich rele­van­ten und weg­wei­sen­den Ver­hand­lun­gen vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, zum Bei­spiel über die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, den Mie­ten­deckel Ber­lin, die Anti­ter­ror­da­tei oder den Nicht­rau­cher­schutz. Auch war er als Sach­ver­stän­di­ger der Bun­des­re­gie­rung zum Bei­spiel bei der Eva­lu­ie­rung des Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fungs­er­gän­zungs­ge­set­zes gefragt. In den NSU-Unter­su­chungs­aus­schüs­sen des Bun­des­ta­ges und der Land­ta­ge von Baden-Würt­tem­berg und Sach­sen war Wolff Sach­ver­stän­di­ger Zeu­ge. Nicht nur als Mit­glied der Regie­rungs­kom­mis­si­on des Bun­des zur Über­ar­bei­tung der Sicher­heits­ge­set­ze, auch dar­über hin­aus wirk­te er als Bera­ter an zahl­rei­chen Gesetz­ent­wür­fen mit.

Am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt folgt Wolff Prof. Dr. Andre­as Pau­lus nach, der schon im März aus­schied. Des­sen The­men­feld geht nur zum Teil auf Wolff über: Die­ser wird sich in Karls­ru­he vor allem um Fäl­le im Sozi­al­recht und im Kunst­recht küm­mern und für die Kam­mer­recht­spre­chung zustän­dig sein. Wolff wird auch bei Senats­ent­schei­dun­gen des ersten Senats betei­ligt sein. Der Bay­reu­ther Rechts­wis­sen­schaft­ler kann sich daher mit sei­ner gesam­ten Brei­te, die er aus der Wis­sen­schaft mit­bringt und die das Umwelt­recht, Bau- und Pla­nungs­recht, Datenschutz‑, Sicher­heits- und Ener­gie­recht, das Schul- und Hoch­schul­recht, das Sozi­al­recht, Öffent­li­ches Wirt­schafts­recht, das Wis­sen­schafts­recht, sowie die Grund­la­gen des Ver­wal­tungs­rechts und Ver­fas­sungs­rechts umfasst, einbringen.

An der RW-Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Bay­reuth wird die­se Rich­ter­ent­schei­dung des Bun­des­tags mit Freu­de gese­hen. Dekan Prof. Dr. Jörg Schlüch­ter­mann erklärt: „Mit der Wahl von Hein­rich Ama­de­us Wolff wird nicht nur ein exzel­len­ter Ver­fas­sungs- und Ver­wal­tungs­recht­ler Mit­glied des wich­tig­sten deut­schen Gerichts, son­dern auch ein enga­gier­ter und für die Belan­ge der Fakul­tät jeder­zeit ein­satz­be­rei­ter Kol­le­ge.“ Dass die­se Wahl „die her­aus­ra­gen­de Qua­li­tät der inter­dis­zi­pli­nä­ren For­schung und Leh­re an der Rechts- und Wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Bay­reuth bestä­tigt“, betont Pro­de­kan Prof. Dr. Micha­el Grün­ber­ger. Die Kon­se­quen­zen für die Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Bay­reuth schil­dert Stu­di­en­de­ka­nin Prof. Dr. Nina Nest­ler: „Davon, dass ein Pro­fes­sor unse­rer Fakul­tät nun Rich­ter am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist, pro­fi­tie­ren auch unse­re Stu­die­ren­den. Sie erhal­ten direk­ten Zugang zu sei­ner rich­ter­li­chen Per­spek­ti­ve und haben so an sei­nem Erfah­rungs­schatz teil. Das ist ein beson­de­res Pri­vi­leg und för­dert das Ver­ständ­nis für die zen­tra­len Fra­gen unse­rer Demo­kra­tie und unse­res Rechtsstaats.“

Kurz­le­bens­lauf Prof. Dr. Hein­rich Ama­de­us Wolff

Hein­rich Ama­de­us Wolff wur­de 1965 in Hei­del­berg gebo­ren. Er stu­dier­te zwi­schen 1985–1991 Rechts­wis­sen­schaf­ten an den Uni­ver­si­tä­ten in Regens­burg, Tübin­gen, Bonn, Frei­burg und Hei­del­berg und leg­te 1991 die erste juri­sti­sche Staats­prü­fung in Hei­del­berg ab, die zwei­te nach dem Rechts­re­fe­ren­da­ri­at 1994 in Stutt­gart. Es folg­te wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit beim BVerfG Karls­ru­he (Paul Kirch­hof) und an der Uni­ver­si­tät für Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten Spey­er (DHV, Hel­mut Qua­ritsch). Hein­rich Ama­de­us Wolff pro­mo­vier­te 1996 zum Dr. rer. publ. an der DHV (Gut­ach­ter Hel­mut Qua­ritsch / Hans Her­bert v. Arnim). Das The­ma: „Selbst­be­la­stung und Ver­fah­ren­s­tren­nung. Das Ver­bot des Zwangs zur akti­ven Mit­wir­kung am eige­nen Straf­ver­fah­ren und sei­ne Aus­strah­lungs­wir­kung auf die gesetz­li­chen Mit­wir­kungs­pflich­ten des Ver­wal­tungs­rechts“ (Duncker & Hum­blot, Ber­lin 1997, 335 S.).

Zwi­schen 1996 und 2001 lehr­te Wolff an der DHV, wäh­rend­des­sen erfolg­te 1998 die Habi­li­ta­ti­on (Habi­li­ta­ti­ons­schrift: „Unge­schrie­be­nes Ver­fas­sungs­recht unter dem Grund­ge­setz“, J.C.B. Mohr (Paul Sie­beck), Ius Publi­cum Band 44, Tübin­gen 2000, 526 S.) und die Tätig­keit als Refe­rent beim Bun­des­mi­ni­ste­ri­um des Innern Bonn/​Berlin im Refe­rat V 1b und V2/​Betreuung der Ver­fas­sungs­pro­zes­se und inter­ne Kom­pe­tenz­prü­fun­gen (1998–2000). 2000 über­nahm Wolff die Uni­ver­si­täts­pro­fes­sur (C 3) für Staats- und Ver­wal­tungs­recht an der LMU Mün­chen. 2006 wur­de Wolff an der Euro­pa-Uni­ver­si­tät Via­d­ri­na Frankfurt/​Oder Lehr­stuhl­in­ha­ber Öffent­li­ches Recht, ins­be­son­de­re Staats­recht. Im Win­ter­se­me­ster 2012/13 war Wolff Visi­t­ing Pro­fes­sor an der Law School and Aca­de­mic Rese­arch am IIIS des Tri­ni­ty Col­le­ge, Dublin.

2014 kam er schließ­lich an die Uni­ver­si­tät Bay­reuth, wo er seit­dem den Lehr­stuhl für Öffent­li­ches Recht, Recht der Umwelt, Tech­nik und Infor­ma­ti­on inne hat. 2017–2019 war Wolff Geschäfts­füh­ren­der Direk­tor der For­schungs­stel­le Nach­hal­ti­ge Rechts­ent­wick­lung der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, seit 2018 ist er Spre­cher der Fach­grup­pe des Öffent­li­chen Rechts der Fakul­tät III. Im Win­ter­se­me­ster 2021/22 hielt er sich wegen eines Lehr­auf­trags an der Uni­ver­si­tät Bor­deaux auf.

Hein­rich Ama­de­us Wolff ist seit 2007Herausgeber des Beck-Online­kom­men­tars zur VwGO (zusam­men mit Her­bert Pos­ser), seit 2009 Mit­her­aus­ge­ber des Kom­men­tars zur Baye­ri­schen Ver­fas­sung (Josef Lindner/​Mar­kus Möstl), außer­dem Mit­her­aus­ge­ber (mit Ste­fan Brink) des Beck Online-Daten­schutz­kom­men­tars und Allein­her­aus­ge­ber des Grund­ge­setz-Kom­men­tars Hömig/​Wolff.

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