Der Natur­park Fran­ken­wald stellt sich vor

Die Frankenwald-Wiesentäler, wie hier das Dobertal, durchziehen den gesamten Naturpark und sind ein Markenzeichen der Kulturlandschaft.
Die Frankenwald-Wiesentäler, wie hier das Dobertal, durchziehen den gesamten Naturpark und sind ein Markenzeichen der Kulturlandschaft. (Foto: Anja Wunder)
Dober- und Kremnitztal sind typisch für die zahlreichen Frankenwald-Wiesentäler

Dober- und Krem­nitz­tal sind typisch für die zahl­rei­chen Fran­ken­wald-Wie­sen­tä­ler. (Gra­fik: Natur­park Frankenwald)

Die blü­hen­den Wie­sen­tä­ler sind Land­schafts­ele­men­te, die den Natur­park Fran­ken­wald in ganz cha­rak­te­ri­sti­scher Wei­se prä­gen. Die bun­ten Tal­grün­de zie­hen sich ent­lang des weit ver­zweig­ten Gewäs­ser­sy­stems durch den gesam­ten Fran­ken­wald. Aber nicht nur die Bewirt­schaf­tung als Wie­sen, son­dern auch das histo­ri­sche Gewer­be der Flö­ße­rei waren ent­schei­dend für das Gesicht der Frankenwaldtäler.

Ursprüng­lich schlän­gel­ten sich die Bäche mit zahl­rei­chen Schlei­fen durch die Tal­grün­de des Fran­ken­walds. Feucht und sump­fig, bewach­sen mit Wei­den und Erlen, waren sie schwer pas­sier­bar und kaum zu nut­zen. Der üppi­ge Wald war der eigent­li­che Reich­tum der Regi­on. Um die Baum­stäm­me trans­por­tie­ren zu kön­nen, muss­ten die Bäche begra­digt und ver­baut wer­den. Ein weit ver­zweig­tes Floß­sy­stem ent­stand, des­sen Bau­wer­ke auch heu­te noch in den Fran­ken­wald­bä­chen und ‑flüs­sen zu ent­decken sind.

Floß­tei­che an den Ober­läu­fen sorg­ten für aus­rei­chend Was­ser, um am Floß­tag die Blö­cher tal­ab­wärts flö­ßen zu kön­nen. Eini­ge die­ser Gewäs­ser sind bis in die Gegen­wart erhal­ten geblie­ben. „Was sich heu­te als auf­re­gen­des Frei­zeit­ver­gnü­gen prä­sen­tiert, war frü­her ein gefähr­li­ches Gewer­be, das Land und Leu­te im Fran­ken­wald präg­te“, erläu­tert Ger­hard Wich-Hei­ter ehe­ma­li­ger Kreis­hei­mat­pfle­ger Flößerei.

Gegerbt von Wind und Wetter, führten die Flößer ein entbehrungsreiches Leben.

Gegerbt von Wind und Wet­ter, führ­ten die Flö­ßer ein ent­beh­rungs­rei­ches Leben. (Foto: Franz Behrschmidt)

Durch die Begra­di­gung der Bäche ent­stan­den grö­ße­re zusam­men­hän­gen­de Flä­chen, die zur Wie­sen­mahd land­wirt­schaft­lich genutzt wer­den konn­ten. Über vie­le Jahr­hun­der­te hin­weg ent­wickel­ten sich bun­te Tal­wie­sen, die bis heu­te eine hohe Arten­viel­falt auf­wei­sen. Perücken-Flocken­blu­men oder sel­te­ne Orchi­deen wie das gefleck­te Kna­ben­kraut wach­sen hier und der Schwarz­storch nutzt die Bäche und Wie­sen zur Nahrungssuche.

Nach den Wir­ren des Zwei­ten Welt­kriegs wur­den in den 50er Jah­ren vie­le die­ser Wie­sen mit Fich­ten auf­ge­for­stet oder sie fie­len brach. Es lohn­te nicht mehr, die vom Hof weit ent­fern­ten Berei­che zu bewirt­schaf­ten. Dadurch ver­än­der­te sich das Land­schafts­bild und Lebens­räu­me gin­gen ver­lo­ren. Dies hat­te gro­ßen Ein­fluss auf den Natur­haus­halt und die Arten­viel­falt. Eine natur­schutz­fach­li­che Kar­tie­rung brach­te die­se nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen ans Licht und gab den Anstoß zur Aus­wei­sung des Natur­parks Fran­ken­wald zu Beginn der 80er Jah­re. Seit­her wird wei­te­ren Auf­for­stun­gen in den Tälern ent­ge­gen­ge­wirkt und die Tal­grün­de wie­der geöffnet.

Die zahl­rei­chen Wie­sen­tä­ler des Fran­ken­walds ver­tei­len sich über das gesam­te Natur­park­ge­biet und alle drei Land­krei­se. Dober- und Krem­nitz­tal sind zwei typi­sche Fran­ken­wald-Wie­sen­tä­ler, die die histo­ri­sche Ent­wick­lung erah­nen lassen.

Historische Bachverbauungen zeugen vom 800 Jahre dauernden Floßgewerbe im Frankenwald.

Histo­ri­sche Bach­ver­bau­un­gen zeu­gen vom 800 Jah­re dau­ern­den Floß­ge­wer­be im Fran­ken­wald. (Foto: Bea­te Singhartinger)

Mit der denk­mal­ge­schütz­ten Effel­ter Müh­le wird man im Dober­tal gebüh­rend emp­fan­gen, wenn man von der Hoch­ebe­ne in Effel­ter ins Tal hin­ab fährt. „Wie nach einer Zeit­rei­se kommt man unten an und fühlt sich durch den feh­len­den Han­dy-Emp­fang in ein ver­gan­ge­nes Jahr­hun­dert zurück­ver­setzt. Sofort stellt sich ein Gefühl der Ruhe und Ent­schleu­ni­gung ein,“ beschreibt es Natur­park-Ran­ge­rin Ines Gareis treffend.

Hier star­tet auch unse­re Ran­ger-Tour. Ent­lang des Dober­bachs, über Flö­ßer­ste­ge und durch bunt blü­hen­de Wie­sen, hin­auf in den Geh­ren­wald und berg­ab ins Tal der Krem­nitz, durch For­ste und bewei­de­te Rodungs­flä­chen ist die Tour abwechs­lungs­reich und viel­fäl­tig. Die Ent­wick­lung der Land­schaft, die Geschich­te der Flö­ße­rei, beson­de­re Pflan­zen und Tie­re sowie wich­ti­ge Natur­schutz­maß­nah­men zum Erhalt die­ser ein­zig­ar­ti­gen Kul­tur­land­schaft sind The­men, die bei der geführ­ten Wan­de­rung anschau­lich erläu­tert werden.

Alle, die nun neu­gie­rig gewor­den sind und Lust am Wan­dern durch die Fran­ken­wald­tä­ler haben, sind ein­ge­la­den bei der geführ­ten Ran­ger-Tour dabei zu sein. Anmel­de­mo­da­li­tä­ten und wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­det man unter www​.natur​park​-fran​ken​wald​.de.

Wei­te­re Informationen

Rang­er­füh­rung: Auf Flö­ßers Spu­ren im Dober- und Kremnitztal
Ter­min: Frei­tag, 24.06.22
Uhr­zeit: jeweils von 14:00 bis ca. 18:00 Uhr
Strecken­län­ge: ca. 8 Kilometer
Treff­punkt: Park­platz Effel­ter Müh­le, 96352 Wilhelmsthal

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