Offe­ner Brief: SPD Bay­reuth befürch­tet Stig­ma­ti­sie­rung homo­se­xu­el­ler Män­ner wegen Affenpockenvirus

Offener Brief SPD Bayreuth Stigmatisierung homosexueller Männer Affenpockenvirus
In ihrem Offenen Brief schreibt die SPD Bayreuth: „Wir möchten daher anregen, gemeinsam präventiv aktiv zu werden und zusammen zu beratschlagen, wie eine derartige Stigmatisierung homo- oder bisexueller Männer umgangen werden kann“. Das Bild zeigt (von links): Roland Keil, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes; Tobias Schmidmeier, Beisitzer im Vorstand des SPD-Stadtverbandes; Sebastian Kropp, stellv. Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes. Foto: SPD Bayreuth

SPD Bay­reuth wen­det sich in Offe­nem Brief an Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Gesund­heit und Queer­be­auf­trag­ten der Bundesregierung

Der SPD-Stadt­ver­band Bay­reuth wen­det sich in einem Offe­nen Brief an das Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Gesund­heit und den Queer­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung. Die SPD Bay­reuth äußert in dem Schrei­ben die Befürch­tung, „dass es im Zuge der Ver­brei­tung des Affen­pocken­vi­rus und der Stig­ma­ti­sie­rung von Män­nern mit homo­se­xu­el­len Sexu­al­kon­tak­ten“ zu „so einer Homo­pho­bie und zu homo­phob gepräg­ten Gewalt­ta­ten“ wie zur Zeit des HI-Virus Anfang der 80er Jah­re kom­men kön­ne. Der Brief im Wortlaut:

Öffent­li­cher Brief

Die Aus­wir­kun­gen der Affen­pocken auf das öffent­li­che Bild homo- und bise­xu­el­ler Männer

Sehr geehr­ter Herr Leh­man, lie­ber Karl,

mit Sor­ge beob­ach­ten wir der­zeit die Aus­brei­tung der soge­nann­ten Affen­pocken in Deutschland.

Coro­na ist noch gar nicht vor­bei, schon bahnt sich das näch­ste Virus sei­nen Weg zu uns. Ein Gedan­ke, der uns zutiefst erschau­dern lässt.

Was uns eben­falls erschau­dern lässt, ist der Umstand, dass sich das Affen­pocken­vi­rus vor allem bei Män­nern mit gleich­ge­schlecht­li­chen Sexu­al­kon­tak­ten aus­zu­brei­ten scheint. Die Erfah­rung mit dem HI-Virus Anfang der 80er Jah­re und der Stig­ma­ti­sie­rung der Aids-Erkran­kung als Krank­heit, die vor allem Homo­se­xu­el­le befal­len haben soll, ist uns noch leb­haft vor Augen. Um die Krank­heit zu bekämp­fen, ist damals viel gegen Homo­se­xu­el­le gehetzt wor­den. Man bedroh­te sie gar mit dem Leben. Die Homo­pho­bie und homo­phob moti­vier­te Gewalt­ta­ten nah­men damals ein bis dahin unge­kann­tes Aus­maß an.

Wir befürch­ten, dass es im Zuge der Ver­brei­tung des Affen­pocken­vi­rus und der Stig­ma­ti­sie­rung von Män­nern mit homo­se­xu­el­len Sexu­al­kon­tak­ten wie­der genau zu so einer Homo­pho­bie und homo­phob gepräg­ten Gewalt­ta­ten kom­men kann.

Hier­zu meint Tobi­as Schmid­mei­er, Bei­sit­zer im Vor­stand des SPD-Stadt­ver­ban­des Bay­reuth: „Affen­pocken sind kein Homo­se­xu­el­len-Virus! Wir müs­sen uns alle schüt­zen und sorg­sam mit der Spra­che umge­hen.“ Sicher wird der­zeit ins­be­son­de­re bei Per­so­nen, die in der Poli­tik dem rech­ten bis rechts­ra­di­ka­len Spek­trum zu ver­or­ten sind, der­zeit über­legt, wie man die unter­schwel­li­ge Angst der Bevöl­ke­rung vor dem Affen­pocken­vi­rus für sich nut­zen kann, und die Stig­ma­ti­sie­rung homo- oder bise­xu­el­ler Män­ner wird hier­bei eine Rol­le spie­len. Dies ist auch wich­tig zu beden­ken, spielt jedoch – zumin­dest für uns – eine unter­ge­ord­ne­te Rolle.

Wir sehen uns in der Ver­ant­wor­tung, homo- oder bise­xu­el­le Män­ner, eigent­lich die gesam­te LGBTIQ-Com­mu­ni­ty, vor der­ar­ti­gen Stig­ma­ti­sie­run­gen (und damit ein­her­ge­hend auch vor homo­pho­ber Gewalt) zu schützen.

Wir möch­ten daher anre­gen, gemein­sam prä­ven­tiv aktiv zu wer­den und zusam­men zu berat­schla­gen, wie eine der­ar­ti­ge Stig­ma­ti­sie­rung homo- oder bise­xu­el­ler Män­ner umgan­gen wer­den kann. Wir sind uns sicher, dass die Ampel-Koali­ti­on, die in Sachen quee­rer Rech­te die fort­schritt­lich­ste Koali­ti­on der ver­gan­ge­nen 16 Jah­re ist (sie­he Abschaf­fung des Trans­se­xu­el­len­ge­set­zes, Ein­füh­rung der soge­nann­ten Ver­ant­wor­tungs­ge­mein­schaft als Rechts­kon­strukt neben der Ehe etc.), auch hier­in einen Weg fin­den wird, quee­re Men­schen nicht wei­ter zu stigmatisieren.

In der Hoff­nung auf eine bal­di­ge Ant­wort ver­blei­ben wir mit freund­li­chen Grüßen

Roland Keil (Vor­sit­zen­der SPD-Stadt­ver­band Bayreuth)

Tobi­as Schmid­mei­er (Bei­sit­zer SPD-Stadt­ver­band Bayreuth)

Seba­sti­an Kropp (stellv. Vor­sit­zen­der SPD-Stadt­ver­band Bayreuth)

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