Kli­ni­kum Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz: „Bei Schlag­an­fall zählt jede Minute“

Logo: Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz

Anfang Mai hielt Prof. Dr. Jür­gen Gschoss­mann, Chef­arzt der Inne­ren Medi­zin und ärzt­li­cher Direk­tor am Kli­ni­kum Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz, einen Vor­trag über ‚Schlag­an­fäl­le‘ im Stadt­teil­treff des Neu­en Katha­ri­nen­spi­tals. 24 Zuhö­rer infor­mier­ten sich über erste Anzei­chen, Dia­gno­se und Behandlung.

Jürgen Gschossmann / Foto: Klinikum Fränkische Schweiz

Jür­gen Gschoss­mann / Foto: Kli­ni­kum Frän­ki­sche Schweiz

Jür­gen Gschoss­mann rich­tet eine ein­dring­li­che Bot­schaft an die Inter­es­sier­ten: „Wenn Sie neu­ro­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen bemer­ken, han­deln Sie schnell! Jeg­li­che Ver­än­de­rung, die das Ner­ven­sy­stem betrifft – wie Läh­mungs­er­schei­nun­gen, Sprach­stö­run­gen, Sen­si­bi­li­täts­ver­lust, Ver­ständ­nis­stö­run­gen, Taub­heits­ge­fühl oder her­un­ter­hän­gen­der Mund­win­kel – kann ein poten­zi­el­les Zei­chen eines Schlag­an­falls sein. Wenn die­se Sym­pto­me bei Ihnen am Frei­tag­nach­mit­tag plötz­lich auf­tre­ten, war­ten Sie nicht bis Mon­tag. Das ist ein Notfall!“

Pro Minu­te gehen 1,9 Mil­lio­nen Neu­ro­nen (Ner­ven­zel­len) und 12 Kilo­me­ter Myelin­fa­sern (Ner­ven­fa­sern) zugrun­de, wenn die Sauer­stoff­zu­fuhr in Hirn­area­len abge­schnit­ten ist. Die Lyse­the­ra­pie (medi­ka­men­tö­ses, aggres­si­ves Auf­lö­sen von Blut­ge­rinn­seln) ist laut der Deut­schen Schlag­an­fall Gesell­schaft in einem Zeit­fen­ster von nur 4,5 Stun­den nach dem Schlag­an­fall effek­tiv. Bei Ver­dacht auf Schlag­an­fall wird die Per­son über die Lei­tungs­stel­le ange­mel­det, als super­d­rin­gend kate­go­ri­siert und per Not­arzt ins Kli­ni­kum in Forch­heim gebracht. Die Uhr tickt und die Behand­lung läuft wie bei einem Dreh­buch nach natio­na­len Leit­li­ni­en ab. Hin­sicht­lich der Ein­hal­tung die­ser Leit­li­ni­en wird das mul­ti­pro­fes­sio­nel­le Team der ‚Stro­ke Unit‘ (engl.für Schlag­an­fall-Ein­heit) stän­dig kon­trol­liert, die Stro­ke Unit wird zer­ti­fi­ziert und auch die Richt­li­ni­en selbst wer­den fort­lau­fend immer wie­der überprüft.

Direkt nach Ein­lie­fe­rung ins Kli­ni­kum muss mit­hil­fe von bild­ge­ben­den Ver­fah­ren (Com­pu­ter­to­mo­gra­phie und/​oder Kern­spin­to­mo­gra­phie) ermit­telt wer­den, ob es sich um einen ischä­mi­schen Schlag­an­fall han­delt, ver­ur­sacht durch Min­der­durch­blu­tung, oder um eine Hirn­blu­tung. Pro­fes­sor Gschoss­mann: „Die­se Unter­schei­dung ist ganz wich­tig, denn bei einem ischä­mi­schen Anfall ver­su­chen wir, den Gefäß­pfropf medi­ka­men­tös auf­zu­lö­sen. Bei einer Hirn­blu­tung wäre eine Blut­ver­dün­nung aber fatal!“ Das Kli­ni­kum ist Teil des STE­NO Netz­wer­kes, dem Schlag­an­fall­netz­werk mit Tele­me­di­zin in Nord­bay­ern. Das „Tele-“ kommt von „Tele­me­di­zi­ni­scher Kon­sul­ta­ti­on“ oder „Tele­kon­sil“. Das Kran­ken­haus ist mit einer Stand­lei­tung 24 Stun­den an allen sie­ben Wochen­ta­gen mit einem der drei Schlag­an­fall­zen­tren in Erlan­gen, Nürn­berg und Bay­reuth im Wech­sel ver­bun­den. Somit steht ein Fach­neu­ro­lo­ge am Erlan­ger Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum jeder­zeit zur Ver­fü­gung. Pro­fes­sor Gschoss­mann fasst zusam­men: „Am Kli­ni­kum Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz erhal­ten Sie eine schnel­le Schlag­an­fall­ver­sor­gung auf uni­ver­si­tä­rem Niveau in einem fami­liä­ren Umfeld.“

Im Anschluss stell­ten die Zuhö­rer Fragen:

Gibt es Vor­bo­ten für einen Schlag­an­fall und kann man durch eine Ände­rung des eige­nen Ver­hal­tens die Gefahr verringern?

Pro­fes­sor Gschoss­mann erläu­tert hier die TIA, eine tran­si­to­ri­sche ischä­mi­sche Attacke, manch­mal auch Mini-Schlag­an­fall genannt, die nur kurz andau­ert und als Indi­ka­tor des Schlag­an­falls inter­pre­tiert wer­den kann. Wenn Blut­hoch­druck, Dia­be­tes mel­li­tus und Fett­stoff­wech­sel­stö­run­gen rich­tig ein­ge­stellt sei­en, ver­klei­ne­re sich das Risi­ko einen Schlag­an­fall zu erlei­den. „Hun­dert­pro­zen­tig geht das nie,“ gibt der Inter­nist zu denken.

Ist die vor­beu­gen­de Ein­nah­me von blut­ver­dün­nen­den Mit­teln wie Mar­cu­mar sinnvoll?

Für Men­schen, die an Vor­hof­flim­mern lei­den, bie­tet sich die Ein­nah­me von Blut­ver­dün­nern nach Rück­spra­che mit dem behan­deln­den Arzt an, weil die­se ein grö­ße­res Risi­ko haben, dass ein Blut­ge­rinn­sel im Herz ent­steht, zu den Hirn­ge­fä­ßen wan­dert und die­se verstopft.

Bei Fett­stoff­wech­sel­stö­run­gen, Blut­hoch­druck oder Gefäß­schä­di­gun­gen wie Arte­rio­skle­ro­se ist eine Blut­ver­dün­nung nicht ziel­füh­rend, um einen Schlag­an­fall zu vermeiden.

Gun­da Kor­ber, die im Katha­ri­nen­spi­tal wohnt, fin­det Ange­bo­te wie medi­zi­ni­sche Vor­trä­ge im Stadt­teil­treff sehr gut: „Mei­ne Nach­ba­rin ist gleich zum Arzt gegan­gen und hat sich durch­checken las­sen und ein Dau­er-EKG machen las­sen. Es hat schon eine Men­ge Leu­te wach­ge­rüt­telt, dass sie acht­sa­mer mit sich umgehen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.