Bam­berg gedenkt dem Kriegs­en­de vor 77 Jahren

Gedenken an das Kriegsende. Foto: Stephanie Schirken-Gerster.
Gedenken an das Kriegsende. Foto: Stephanie Schirken-Gerster

Ober­bür­ger­mei­ster Andre­as Star­ke zur Gedenk­ver­an­stal­tung zum Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges am Sonn­tag, den 08. Mai 2022 um 11.30 Uhr vor den Gedenk­ta­feln an der Unte­ren Brücke in Bamberg

– Es gilt das gespro­che­ne Wort –

Seit Jahr­zehn­ten tref­fen wir uns hier auf der Unte­ren Brücke, um den Opfern des 2. Welt­krie­ges und den tap­fe­ren Men­schen zu geden­ken, die ihr Leben ris­kiert und ver­lo­ren haben, weil sie sich mutig gegen das natio­nal­so­zia­li­sti­sche Régime gestemmt haben oder von den Nazis ver­folgt, ein­ge­sperrt, miss­han­delt oder ermor­det wor­den sind. Die Kranz­nie­der­le­gung ist eine Geste und ein Bekennt­nis, die Opfer des dun­kel­sten Kapi­tels der deut­schen Geschich­te nicht zu vergessen.

Doch die­ses Jahr ist vie­les anders. Putins Krieg wirft sei­ne Schat­ten auch auf die­se Gedenk­fei­er. Wie soll man zum 8. Mai des Welt­kriegs­en­des geden­ken unter dem Ein­druck eines Angriffs­krie­ges in unse­rer ost­eu­ro­päi­schen Nach­bar­schaft? Wie soll man an einen Krieg erin­nern, den wir für Geschich­te gehal­ten haben und nun erle­ben müs­sen, dass krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen zum Mit­tel der Poli­tik sogar in Euro­pa gewor­den sind?

Heu­te ste­hen wir des­halb vor der Auf­ga­be, zu ver­hin­dern, dass die Kriegs­ge­walt in der Ukrai­ne die Erin­ne­rung an ver­gan­ge­ne Ver­bre­chen ver­drän­gen kann. Je mehr wir uns vom 8. Mai 1945 ent­fer­nen, umso weni­ger kön­nen wir die Erin­ne­rung an die­se schlim­me Zeit an Zeit­zeu­gen oder Über­le­ben­de über­tra­gen. Ein wirk­sa­mes Mit­tel, um die Geschich­te zu beleuch­ten ist es, sich mit den Ursa­chen und Fol­gen des Natio­nal­so­zia­lis­mus in Deutsch­land zu befas­sen. Es bleibt eine dau­er­haf­te Auf­ga­be der Schu­len, der Poli­tik, der Medi­en und der gesam­ten Bür­ger­schaft, nichts zu ver­drän­gen, das „Nie wie­der“ zu beher­zi­gen und sich für unse­re Demo­kra­tie und deren Grund­wer­te aktiv ein­zu­set­zen. Nur wer die Wahr­heit kennt, kann ver­ste­hen, wie gesche­hen konn­te, was gesche­hen ist.

Der 8. Mai ist ein tie­fer histo­ri­scher Ein­schnitt, nicht nur in der deut­schen, son­dern auch in der euro­päi­schen Geschich­te. Denn mit dem 8. Mai 1945 ende­te ein fürch­ter­li­cher Krieg, des­sen schreck­li­ches Aus­maß sich auch in Zah­len aus­drücken lässt: Die­ser Krieg koste­te in Euro­pa und Asi­en min­de­stens 55 Mil­lio­nen Men­schen das Leben, die mei­sten davon Zivi­li­sten. Mit mehr als 26 Mil­lio­nen Toten hat­te die dama­li­ge Sowjet­uni­on die größ­ten Ver­lu­ste. Hin­zu kom­men etwa sechs Mil­lio­nen Juden, die in Euro­pa von den Nazis ermor­det wurden.

1985, also zum 40. Jah­res­tag des Endes des Zwei­ten Welt­krie­ges, wür­dig­te der dama­li­ge Bun­des­prä­si­dent Richard von Weiz­säcker den 8. Mai 1945 als „Tag der Befrei­ung“. Wört­lich sag­te er:

„Der 8. Mai 1945 hat uns alle befreit von dem men­schen­ver­ach­ten­den System der natio­nal­so­zia­li­sti­schen Gewaltherrschaft.“

Vom „Tag der Befrei­ung“ zu spre­chen, war im Westen in den Nach­kriegs­jah­ren oft ver­pönt. Bis dahin war es der „Tag der Nie­der­la­ge“, der bedin­gungs­lo­sen Kapi­tu­la­ti­on, des Endes des Deut­schen Rei­ches. Von Weiz­säcker hat mit sei­ner histo­ri­schen Rede, die in jeden Geschichts­un­ter­richt unse­rer Schu­len gehört, eine Ori­en­tie­rung vor­ge­nom­men und den Blick auf die Greu­el­ta­ten und den Holo­caust gerich­tet. Dar­über hin­aus gehört es zu unse­rer Erin­ne­rungs­kul­tur, nicht zu ver­ges­sen, was Krieg bedeutet.

In Bam­berg, das lan­ge Zeit im Ver­gleich zu ande­ren Städ­ten noch rela­tiv glimpf­lich davon­ge­kom­men war, droh­te die größ­te Gefahr in den aller­letz­ten Kriegs­ta­gen. Der Bam­ber­ger Kampf­kom­man­dant Oberst Kör­ner wur­de noch beauf­tragt, Bam­berg wie eine „Festung“ vor den Alli­ier­ten zu ver­tei­di­gen. Doch ein­fluss­rei­che Per­sön­lich­kei­ten, dar­un­ter Weih­bi­schof Dr. Arthur Land­graf, der Chef­arzt des All­ge­mei­nen Kran­ken­hau­ses, Prof. Dr. Wil­helm Loben­hof­fer und der Lei­ter des Indu­strie- und Han­dels­gre­mi­ums Bam­berg, Dr. Wil­helm Sturm, setz­ten sich näm­lich mit aller Kraft dafür ein, die Stadt zu ver­scho­nen. Ihre drin­gen­den Bit­ten auf unter­schied­lich­sten Ebe­nen, auf die Ver­tei­di­gung Bam­bergs zu ver­zich­ten, hat­ten genutzt: Gegen die von zwei Sei­ten her angrei­fen­den US-Trup­pen wur­de kein nen­nens­wer­ter, zumin­dest kein orga­ni­sier­ter Wider­stand gelei­stet. Aller­dings wur­den im Mor­gen­grau­en des 10. Aprils 1945 durch deut­sche Pio­nie­re fast alle Brücken der Stadt gesprengt – eine mili­tä­risch völ­lig sinn­lo­se Akti­on. Kurz dar­auf, am 13. April1945, besetz­te das 15. ame­ri­ka­ni­sche Infan­te­rie-Regi­ment die links der Reg­nitz gele­ge­ne Berg­stadt von der Schwein­fur­ter Stra­ße aus. Das 180. ame­ri­ka­ni­sche Infan­te­rie- Regi­ment stieß bei Hall­stadt über den Main zur Pan­zer­ka­ser­ne vor und besetz­te ohne Wider­stand die Stadt­tei­le rechts der Reg­nitz. Da sich der Kampf­kom­man­dant und die NS-Kreis­lei­tung inzwi­schen zusam­men mit den Resten der deut­schen Ver­tei­di­gungs­kräf­te in Rich­tung Süden abge­setzt hat­te, konn­ten die Ame­ri­ka­ner auf einer mit­ge­führ­ten Brücke den rech­ten Reg­nitz­arm über­schrei­ten und bis zum Mor­gen des
14. April das gan­ze Insel­ge­biet beset­zen. Zwar gab es noch ver­ein­zelt Brän­de oder Kampf­hand­lun­gen, die auf das Kon­to der NSDAP-Kreis­lei­tung gin­gen. Aber glück­li­cher­wei­se ver­schon­te die ame­ri­ka­ni­sche Artil­le­rie weit­ge­hend histo­risch bedeut­sa­me Bau­wer­ke. Das ver­gleichs­wei­se gerin­ge Scha­dens­bild war übri­gens auch ein Ver­dienst der Bam­ber­ger Feu­er­wehr, denn 75 ihrer Män­ner kämpf­ten beson­ders in der Innen­stadt am Obst­markt und Grü­nen Markt gegen das Flammeninferno.

Trotz die­ser rela­tiv glück­li­chen Umstän­de ist aber auch in Bam­berg die Bilanz des Zwei­ten Welt­krie­ges schreck­lich: 378 Men­schen ver­lo­ren durch den Krieg ihr Leben. Wei­te­re 17 wur­den am 19. April 1945, also nach der Beset­zung der Ame­ri­ka­ner, bei der Explo­si­on eines mit Muni­ti­on bela­de­nen Güter­zu­ges am Pfi­ster­berg getö­tet. Die Ein­nah­me der Stadt durch US-Trup­pen hat­te 23 deut­schen Sol­da­ten und vier Zivi­li­sten das Leben geko­stet. Die Sach­schä­den waren unüber­seh­bar: vier Brücken und 301 Gebäu­de wur­den voll­stän­dig zer­stört, 362 Gebäu­de und fünf Brücken schwer beschä­digt. 1700 von ins­ge­samt 16000 Woh­nun­gen waren ent­we­der zur Gän­ze zer­stört oder schwer beschä­digt. Es dau­er­te Jah­re, bis die im Krieg ange­rich­te­ten Schä­den wie­der beho­ben wer­den konnten.

Erst mit dem Kriegs­en­de hör­te der schreck­li­che Holo­caust auf. Die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger wur­den geöff­net und das gan­ze Aus­maß der Kata­stro­phe wur­de sicht­bar. In deut­schem Namen wur­de unbe­schreib­li­ches Leid durch die Ermor­dung und Ver­fol­gung unschul­di­ger Men­schen angerichtet.

Den Alli­ier­ten, den ehe­ma­li­gen Kriegs­geg­nern, haben wir es zu ver­dan­ken, dass wir heu­te in einer star­ken, gefe­stig­ten Demo­kra­tie leben. Im drei­ßig­sten Jahr des wie­der­ver­ein­ten Deutsch­lands, im Her­zen Euro­pas, ist unser Land dem Frie­den und der Frei­heit verpflichtet.

Doch nun, seit dem 24. Febru­ar 2022, 77 Jah­re nach der Befrei­ung, tobt in Ost­eu­ro­pa wie­der ein grau­sa­mer und bar­ba­ri­scher Krieg. An jenem 24. Febru­ar hat der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin einen men­schen­ver­ach­ten­den Angriffs­krieg vom Zaun gebro­chen, der gegen das Völ­ker­recht ver­stößt. Es sind ver­stö­ren­de Bil­der, die wir seit­her Abend für Abend in den Nach­rich­ten aus der Ukrai­ne zu sehen bekom­men. Bei vie­len unse­rer älte­ren Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­gern wer­den Erin­ne­run­gen an die selbst erleb­te Zer­stö­rung und Ver­wü­stung aus dem Zwei­ten Welt­krieg wach. Das Gesicht des Kriegs hat sich nicht ver­än­dert: Zer­bomb­te Wohn­blocks, von Kampf­hand­lun­gen gezeich­ne­te Stra­ßen­zü­ge mit Lei­chen am Weges­rand, kaput­te Infra­struk­tur und dazu Men­schen, die um das nack­te Über­le­ben kämp­fen und ihr Heil in der Flucht aus der Hei­mat suchen müssen.

Die­ser Krieg ist auch ein Angriff auf die euro­päi­sche Sicher­heit­ar­chi­tek­tur. Die For­de­run­gen des Kremls, die im Vor­feld der Inva­si­on for­mu­liert wur­den, spre­chen eine deut­li­che Spra­che. Wenn Putins bewaff­ne­ter Impe­ria­lis­mus in der Ukrai­ne Erfolg hat, wächst die Gefahr, dass der näch­ste Krieg auf dem Ter­ri­to­ri­um der NATO statt­fin­det. Der Krieg mit einer Atom­macht ist zu einer kon­kre­ten Bedro­hung gewor­den, die von den mei­sten unter uns nicht vor­stell­bar gewe­sen war.

Die­ser Krieg rührt in Ost­eu­ro­pa an zwei Prin­zi­pi­en, die für Nach­kriegs­deutsch­land kon­sti­tu­tiv wur­den: Hier das „Nie wie­der Krieg!“, die gro­ße Leh­re aus den bei­den Welt­krie­gen; dort das „Nie wie­der Ausch­witz“, das gro­ße Ver­spre­chen nach den Ver­bre­chen Hit­ler-Deutsch­lands. Solan­ge nichts Böses geschieht, kön­nen bei­de neben­ein­an­der gel­ten. Kommt es, wie in der Ukrai­ne, zu einem Angriffs­krieg, muss die Regie­rung ver­ant­wor­tungs­voll und beson­nen abwä­gen: Wie weit geht man, um nicht Kriegs­par­tei zu wer­den? Was kann, ja muss man tun, um der Ukrai­ne beim Über­le­ben zu hel­fen? Um die­se Fra­gen geht es. Lie­fert man Waf­fen, macht man sich schul­dig; lie­fert man kei­ne, ist das nicht viel anders. Nach mei­nem Ein­druck han­delt unse­re Bun­des­re­gie­rung in die­ser „Zei­ten­wen­de“ ver­nünf­tig und ver­ant­wor­tungs­voll und führt unser Land, wie es Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz im Bun­des­tag her­vor­hob, heu­te „auf der rich­ti­gen Sei­te Geschichte“.

Heu­te rufen wir alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger auf, den 8. Mai 1945 nicht zu ver­ges­sen. Wie appel­lie­ren an alle, sich für Frie­den, Frei­heit, Demo­kra­tie und Mit­mensch­lich­keit ein­zu­set­zen. Der gegen­sei­ti­ge Respekt, die Für­sor­ge zu Men­schen, die Hil­fe benö­ti­gen, sind ent­schei­den­de Vor­aus­set­zun­gen für den Zusam­men­halt einer Stadt­ge­sell­schaft und das Funk­tio­nie­ren einer Demo­kra­tie. Wir dür­fen nicht über­se­hen, dass der Extre­mis­mus unse­re par­la­men­ta­ric Demo­kra­tic bedroht. Wenn Rechts­ra­di­ka­le durch unse­re Wohn­quar­tie­re zie­hen, wenn der Anti­se­mi­tis­mus bei vie­len Gele­gen­hei­ten spür­bar ist, dann sind wir alle gefor­dert, um laut die Stim­me zu erheben.

Zum Schluss dan­ke ich allen, die sich an der heu­ti­gen Gedenk­ver­an­stal­tung betei­li­gen und die­se mit­ge­stal­ten: Allen vor­an der Prä­si­den­tin des Part­ner­schafts­ko­mi­tees Rodez, Mar­ti­ne Brin­gu­ier, sowie dem Stadt­rat von Bed­ford, Doug McMur­do. Bei­de sind sie zu uns mit einer Dele­ga­ti­on nach Bam­berg gereist, um gemein­sam mit uns den mor­gi­gen Euro­pa­tag zu fei­ern. Er mar­kiert den Jah­res­tag der „Schu­man-Erklä­rung“, wo der dama­li­ge fran­zö­si­sche Außen­mi­ni­ster sei­ne Idee für eine neue Form der poli­ti­schen Zusam­men­ar­beit in Euro­pa vor­stell­te, die einen Krieg zwi­schen den Natio­nen Euro­pas undenk­bar machen soll­te. Wenn wir heu­te in unse­rer Stadt das Geden­ken zum Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges mit unse­ren Part­ner­städ­ten bege­hen, zeigt das, dass wir unse­ren Auf­trag und unse­re Lie­be zur Völ­ker­ver­stän­di­gung sehr ernst neh­men. Ich dan­ke den Reprä­sen­tan­ten von gan­zem Her­zen, dass sie die lan­ge Rei­se auf sich genom­men haben.

Mein wei­te­rer Dank gilt den bei­den städ­ti­schen Musik­schu­len Bam­berg und Rodez, die für die musi­ka­li­sche Umrah­mung die­ser Gedenk­ver­an­stal­tung sor­gen. Dan­ke auch an Heinz Kunt­ke, der für die SPD-Stadt­rats­frak­ti­on nun spre­chen wird.


Rede von Heinz Kunt­ke, Vor­sit­zen­der SPD-Frak­ti­on, zum 8. Mai 2022 Kranz­nie­der­le­gung auf der Unte­ren Brücke

Mit dem 8. Mai 1945 war das natio­nal­so­zia­li­sti­sche Régime besiegt.

Deutsch­land lag in Trüm­mern. Deutsch­land hat­te unvor­stell­ba­res Leid über die hal­be Welt gebracht.

Mil­lio­nen Men­schen star­ben in dem von Nazi-Deutsch­land ange­zet­tel­ten Krieg.

Mil­lio­nen Men­schen wur­den wäh­rend der 12-jäh­ri­gen Herr­schaft der Nazis Opfer die­ses ver­bre­che­ri­schen Regimes.

Heu­te geden­ken wir der sechs Mil­lio­nen Juden, die in deut­schen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ermor­det wur­den wir geden­ken aller Völ­ker, die im Krieg gelit­ten hat­ten wir geden­ken der ermor­de­ten Sin­ti und Roma, der getö­te­ten Homo­se­xu­el­len, der Behin­der­ten und aller Men­schen, die um ihrer reli­giö­sen und poli­ti­schen Über­zeu­gung Wil­len ster­ben muss­ten Anre­de Der 8. Mai ist auch immer Anlass zu fra­gen: Wie konn­te es soweit kom­men, dass Ver­bre­cher 12 Jah­re lang Deutsch­land regie­ren und unsäg­li­ches Leid über Mil­lio­nen Men­schen brin­gen konnten.

Wel­che Leh­ren kön­nen wir zie­hen, und was kön­nen wir, die wir kei­ne Schuld tra­gen aber Ver­ant­wor­tung für die Zukunft haben, tun,dass sich der­ar­ti­ges nicht wiederholt.

Ein Grund für die Kata­stro­phe ist mei­ner Mei­nung nach, dass es in der Wei­ma­rer Repu­blik zu vie­le Men­schen gab, die der Demo­kra­tie ableh­nend bis gleich­gül­tig gegen­über­stan­den. Die alten Eli­ten hat­ten immer noch das Kai­ser­reich im Kopf und die Nie­der­la­ge des 1. Welt­krie­ges nicht verwunden.

lm Zusam­men­hang mit einer furcht­ba­ren Wirt­schafts­kri­se, fiel den Nazis, unter­stützt von wei­ten Tei­len der Indu­strie und rechts natio­na­ler Medi­en, der Staat wie eine rei­fe Frucht zu.

Vor die­sem Hin­ter­grund war es für die Nazis nicht schwer, den Staat gleich­zu­schal­ten, Demo­kra­ten aus ihren Ämtern zu ver­trei­ben, ein­zu­sper­ren und phy­sisch zu vernichten.

Für die Zukunft muss gel­ten: Eine leh­re aus der Ver­gan­gen­heit ist, dass alle Demo­kra­ten gemein­sam zusam­men­ste­hen müs­sen, damit der­ar­ti­ges sich nicht wie­der­holt. Wir müs­sen gemein­sam unse­re groß­ar­ti­ge Ver­fas­sung verteidigen.

lei­der gibt es immer wie­der Ten­den­zen, Demo­kra­tie, Sozi­al- und Recht­staat­lich­keit ver­ächt­lich zu machen und Pro­ble­me, die wahr­lich genug vor­han­den sind, als Staats­ver­sa­gun­gen zu brandmarken.

Ich sage hier deut­lich: Wir Sozi­al­de­mo­kra­ten haben die­sen frei­heit­li­chen Recht­staat im Bund, in den Län­dern und den Kom­mu­nen mit­auf­ge­baut und kön­nen stolz sein auf das Erreich­te. Wir erken­nen aber auch, dass die Demo­kra­tie immer gefähr­det ist. Demo­kra­tie muss immer wie­der erar­bei­tet wer­den und stän­di­ge Refor­men für ein bes­se­res sozia­les Mit­ein­an­der sind immer nötig, um Dem­ago­gen , die jetzt wie­der­ver­stärkt auf­tre­ten, das Was­ser abzu­gra­ben. Wir las­sen uns unse­re frei­heit­li­che Grund­ord­nung durch Ewig-Gest­ri­ge und ande­re, die unse­re Demo­kra­tie ver­höh­nen, nicht kaputt machen.

Die Leh­re aus dem 12-jäh­ri­gen natio­nal­so­zia­li­sti­schen Ter­ror­re­gime ist, dass alle Demo­kra­ten gemein­sam gegen die Fein­de der Frei­heit vor­ge­hen müssen.

Eine wei­te­re Leh­re ist, dass Deutsch­land mit allen Staa­ten in Frie­den und Freund­schaft leben will Bei­spiel­haft mei­ne ich hier unse­re frü­he­ren Fein­de und jet­zi­gen Freun­de, Frank­reich und England.

Wir haben Abord­nun­gen aus Rodez und Bed­ford hier. Es ist gelun­gen mit Frank­reich aber auch mit Eng­land viel­fäl­ti­ge freund­schaft­li­che Kon­tak­te zu knüp­fen und zum Woh­le aller Alli­an­zen zu schmie­den, die für alle ein Gewinn sind.

Eines der wich­tig­sten Ereig­nis­se der Nach­kriegs­zeit war – neben der Aus­söh­nung mit dem Osten – der deutsch-fran­zö­si­sche Freund­schafts­ver­trag 1963 .

Zum Schluss gestat­ten Sie mir noch eini­ge Wor­te zum Krieg in der Ukrai­ne. Die mei­sten von uns konn­ten es sich nicht vor­stel­len, dass ein ver­bre­che­ri­scher Angriffs­krieg mit­ten in Euro­pa vom Zaun gebro­chen wur­de. Wir Sozi­al­de­mo­kra­ten sind immer für den Frie­den ein­ge­tre­ten. Die Ost­po­li­tik von Wil­ly Brandt und Hel­mut Schmidt ist ein bered­tes Bei­spiel. Gleich­wohl dür­fen die Leh­ren der Ver­gan­gen­heit nicht dazu füh­ren, dass Aggres­si­on und Kriegs­ver­bre­chen gedul­det wer­den. Unse­re Soli­da­ri­tät muss des­halb dem ukrai­ni­schen Volk gelten,das so ent­setz­lich unter dem von Putin ange­zet­tel­ten Krieg lei­det Es geht nicht dar­um, das rus­si­schen Volk zu bestra­fen, son­dern die Staa­ten­ge­mein­schaft muss zusam­men­ste­hen um den ver­bre­che­ri­schen Angriffs­krieg gegen die Ukrai­ne zu been­den, und sei es auch durch die Lie­fe­rung von Waf­fen an die Ukraine.

Dies ist glau­be ich auch eine Leh­re aus dem 8. Mai 1945.

Die Sowjet­uni­on wozu auch die Ukrai­ne gehör­te hat übri­gens unter dem Angriffs­krieg der Nazis am mei­sten gelit​ten​.Jetzt lei­det auch das rus­si­sche Volk unter dem von Putin ange­zet­tel­ten Angriffskrieg.

Zum Schluss bit­te ich eini­ge Augen­blicke inne­zu­hal­ten, um aller Opfer des ver­bre­che­ri­schen Nazi­re­gimes zu geden­ken, aber auch aller, die durch sinn­lo­se Krie­ge zu Opfern werden.

Eine Welt ohne die Wer­te wie Huma­ni­tät und Tole­ranz ist eine kal­te Welt und nicht das, wofür Mil­lio­nen Men­schen unter ande­rem auch wir Sozi­al­de­mo­kra­ten gekämpft haben.

Wir wer­den auch wei­ter für die­se Wer­te eintreten.


Mar­ti­ne BRIN­GU­IER spricht fol­gen­de Wor­te des Bür­ger­mei­sters aus Rodez, Chri­sti­an, Teyssèdre:

Heu­te geden­ken wir dem Ende des zwei­ten Welt­krie­ges und wir , ich als Bür­ger­mei­ster von Rodez und die Stadt­rä­te , freu­en uns sehr dar­auf , dank dem Part­ner­schafts­ko­mi­tee hier ein paar Wor­te aus­spre­chen zu dür­fen, um die­sen wich­ti­gen Tag sowohl für die Geschich­te Frank­reichs wie auch für die Geschich­te Deutsch­lands zu feiern.

Nach 5 grau­sa­men Kriegs­jah­ren zwi­schen Deutsch­land und Ita­li­en einer­seits und den Alli­ier­ten ande­rer­seits bedeu­te­te die Kapi­tu­la­ti­on Deutsch­lands das Ende ent­setz­li­cher Kämp­fe mit vie­len Zer­stö­run­gen und mensch­li­chen Lei­den ; nach dem 8. Mai konn­te man auch die rie­si­gen Aus­wir­kun­gen die­se Krie­ges auf alle euro­päi­schen Wirt­schaf­ten feststellen.

Sehr schnell aber blüh­te eine rie­si­ge Hoff­nung in ganz Euro­pa auf, eine Hoff­nung auf Demo­kra­tie, Frei­heit und Frie­den. Dank der schnel­len Aus­söh­nung zwi­schen den deut­schen und fran­zö­si­schen Völ­kern wur­de eine neue Welt wie­der­auf­ge­baut. Unse­re Poli­ti­ker bei­der­seits haben den star­ken Wil­len gehabt, freund­schaft­li­che Bezie­hun­gen zwi­schen den ehe­ma­li­gen Fein­den wiederherzustellen.

Seit­dem lebt Euro­pa in Frie­den und das ver­dan­ken wir allen Sol­da­ten und Bür­gern, die in die­sem grau­sa­men Welt­krieg ihr Leben auf­ge­op­fert haben. Aber der Frie­den ist etwas Ver­gäng­li­ches ; das kön­nen wir lei­der seit zwei­ein­halb Mona­ten in der Ukrai­ne fest­stel­len. Dar­um ist die­se Gedenk­fei­er noch sinn­vol­ler als zuvor.

Wir bedan­ken uns also sehr bei Ihnen, Herrn Ober­bür­ger­mei­ster, uns die Mög­lich­keit zu geben, gemein­sam mit unse­ren lie­ben Bam­ber­ger Freun­den das Andenken all der Kämp­fer zu ehren.


Rede von Doug McMur­do, Stadt­rat von Bedford

Sehr geehr­ter Herr OB, Sehr geehr­te Stadt­rä­te, sehr geehr­te Gäste und Freunde,

Es ist mir ein gro­ßes Ver­gnü­gen hier an die­ser Gedenk­fei­er teil­neh­men zu dür­fen, um uns an das Ende der Feind­lich­kei­ten und des zwei­ten Welt­kriegs vor 77 Jah­ren – den Sieg in Euro­pa – zu erin­nern. Vie­le euro­päi­sche Natio­nen geden­ken die­ses heu­ti­gen Datums als Tag der Befreiung.

Mei­nes Erach­tens gilt die­se gemein­sa­me Gedenk­fei­er hier in Bam­berg als aus­ge­zeich­ne­tes Bei­spiel dafür, wie ehe­ma­li­ge Kriegs­fein­de zu gro­ßen Freun­den und Ver­bün­de­ten gewor­den sind, vor allem durch unse­re fan­ta­sti­schen Part­ner­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen. Wir sehen heu­te und an die­sem Wochen­en­de wie eng wir ver­bun­den sind, mit einem vor­treff­li­chen Ver­an­stal­tungs­pro­gramm, an dem wir Erfah­run­gen, Erleb­nis­se und Freund­schaf­ten gemein­sam aus­tau­schen kön­nen – noch ein groß­ar­ti­ges Partnerschaftsereignis.

Wir tei­len schon vie­le Jah­re lang unse­re festen Bezie­hun­gen, die zu den sieb­zi­ger Jah­ren zurück­füh­ren – offi­zi­ell 1977 – so habe ich es in Erinnerung.

Für mich ist es eine ganz beson­de­re Freu­de, die Chan­ce zu haben, wie­der in Bam­berg zu sein, denn ich war vor ein paar Jah­ren mit Stadt­rä­ten und Sport­freun­den aus Bed­ford hier.

Ich möch­te bei die­ser Fei­er ins­be­son­de­re die Kennt­nis­se mit Ihnen tei­len, dass nicht alle Län­der heut­zu­ta­ge die Demo­kra­tie und den Frie­den wie wir genie­ßen kön­nen. Ich wün­sche von gan­zem Her­zen, dass es zu einem fried­li­chen Ergeb­nis in der Ukrai­ne kommt, und dass die Nor­ma­li­tät mög­lichst bald wie­der ein­tritt. Wir beten für alle so arg betrof­fe­nen Fami­li­en dort.

Zum Schluss möch­te ich Ihnen, Herr OB, mei­nen beson­de­ren Dank für die Ein­la­dung aus­spre­chen, und die Mög­lich­keit, ein paar Wor­te im Namen der Gemein­den von der Stadt Bed­ford zu sagen. Ich wün­sche Ihnen, Ihrer Fami­lie und dem gan­zen Stadt­rat alles Gute und Ihren Bür­gern und Gemein­den hier in Bam­berg Frieden.

Herz­li­chen Dank

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