Bam­ber­ger Bäck­er­ober­mei­ster Alfred Seel im Gespräch mit Euro­pa­mi­ni­ste­rin Mela­nie Huml

MdL Melanie Huml © melanie-huml.de
MdL Melanie Huml © melanie-huml.de

Lie­fer­ket­ten: regio­nal vor global

Stei­gen­de Ener­gie­prei­se und gestör­te Lie­fer­ket­ten machen auch Bam­bergs Bäckern zu schaf­fen. Opti­mi­stisch bleibt Ober­mei­ster Alfred Seel trotz­dem. Beim Besuch der Bam­ber­ger Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Staats­mi­ni­ste­rin Mela­nie Huml (CSU) mach­te Seel deut­lich: „Ver­sor­gungs­eng­päs­se bei den Back­wa­ren müs­sen unse­re Kun­den nicht befürch­ten. Das liegt vor allem dar­an, dass wir unse­re Zuta­ten über­wie­gend regio­nal ein­kau­fen“, so Seel. Bis auf weni­ge Spe­zi­al­sor­ten stam­me das Mehl von den Müh­len in der nähe­ren Umge­bung und die wie­der­um belie­fer­ten bevor­zugt ihre Stamm­kun­den – trotz der neu­er­dings stark gestie­ge­nen Anfra­gen von Groß­un­ter­neh­men aus ganz Deutschland.

„Wir sind wirk­lich dank­bar, dass zum Bei­spiel die Wies­neth Müh­le aus Pom­mers­fel­den oder auch die Litz-Müh­le aus Grems­dorf uns die Treue hal­ten und wir unser Mehl wei­ter aus der Regi­on bezie­hen kön­nen“, beton­te Alfred Seel. Auch die Bam­ber­ger Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mela­nie Huml sieht im Grund­satz „regio­nal vor glo­bal“ einen ech­ten Standortvorteil.

„Beson­ders im Bereich des Hand­werks und auch in der Land­wirt­schaft sind wir hier im Bam­ber­ger Raum gut auf­ge­stellt. Wie wich­tig es ist, die regio­na­len Struk­tu­ren zu stär­ken, erle­ben wir gera­de in die­sen Kri­sen­zei­ten“, so Huml. Denn in den glo­ba­len Lie­fer­ket­ten gibt es immer wie­der Verzögerungen.

Ober­mei­ster Seel bei­spiels­wei­se war­tet nun schon seit meh­re­ren Wochen auf Ersatz­tei­le für einen sei­ner Backöfen.

„Die Pan­de­mie, das Schiffs­un­glück im Suez­ka­nal und nun der andau­ern­de Krieg in der Ukrai­ne füh­ren zu einem Man­gel bestimm­ter Pro­duk­te – mit weit­rei­chen­den Fol­gen“, erklär­te die Europaministerin.

„Stei­gen­de Prei­se und län­ge­re War­te­zei­ten bekom­men nicht nur wir als Ver­brau­cher zu spü­ren, auch Arbeits­plät­ze kön­nen gefähr­det sein. Des­halb besteht drin­gen­der Hand­lungs­be­darf“, so Huml.

Als stell­ver­tre­ten­de Par­tei­vor­sit­zen­de war sie am Mon­tag bei der gemein­sa­men Prä­si­di­ums­sit­zung von CDU und CSU in Köln. Die dabei ver­ab­schie­de­te Erklä­rung „Sicher­heit in neu­en Zei­ten“ umfasst unter ande­rem Vor­schlä­ge zur Arbeitsplatzsicherung.

„Wir brau­chen eine siche­re Ener­gie­ver­sor­gung und Sta­bi­li­tät bei den Prei­sen. Des­halb muss sich Deutsch­land erstens bei den Lie­fer­be­zie­hun­gen brei­ter auf­stel­len, zwei­tens den Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien zügig vor­an­brin­gen sowie drit­tens umfas­sen­de Sen­kun­gen der Umsatz‑, Strom- und Ener­gie­steu­er beschlie­ßen“, beton­te Huml.

Das wür­de auch Hand­werks­mei­stern wie Alfred Seel hel­fen, sei­ne Prei­se sta­bil zu hal­ten. „Für Brot und Bröt­chen muss­te ich die Prei­se schon anhe­ben, auch bei ande­ren Back­wa­ren kom­me ich um eine Erhö­hung wohl nicht her­um. Erleich­tert bin ich, dass unse­re Kun­den auf die lei­der not­wen­di­gen Preis­er­hö­hun­gen bis­her ver­ständ­nis­voll reagie­ren“, berich­te­te Seel.

Er glaubt, dass sich ein Bewusst­seins­wan­del abzeich­net, der auch not­wen­dig sei. „Es kann nicht sein, dass die Ernäh­rung immer hin­ten dran steht, dass hier immer nur gespart und in ande­ren Berei­chen, etwa bei Elek­tro­ar­ti­keln, kaum auf den Preis geach­tet wird. Das muss sich ändern und das tut es auch, ist zumin­dest mein Ein­druck“, so der Obermeister.

Huml sieht das ähn­lich: „Mich freut, wenn immer mehr Men­schen beim Ein­kauf ganz bewusst zu regio­na­len Pro­duk­ten grei­fen. Das stärkt unse­re loka­len Pro­du­zen­ten, sichert Arbeits­plät­ze vor Ort und för­dert eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung, auch mit Blick auf Umwelt- und Kli­ma­schutz.“ Ein Umden­ken for­dert die Euro­pa­mi­ni­ste­rin aktu­ell außer­dem in der Nahrungsmittelpolitik.

„Ange­sichts der weit­rei­chen­den Fol­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs auf die Ukrai­ne müs­sen wir auch die Welt­ernäh­rungs­pro­duk­ti­on über­den­ken“, so Huml. Sie hält eine zeit­wei­li­ge Aus­set­zung der Pro­gram­me zur Flä­chen­still­legung für not­wen­dig und tat­säch­lich hat die EU bereits im März befri­ste­te Aus­nah­me­re­ge­lun­gen erlas­sen. „Die­se sind von unse­rer Bun­des­re­gie­rung aller­dings nicht in vol­lem Umfang genutzt wor­den – lei­der. Denn jedes Brot, das wir mit Wei­zen aus Deutsch­land zusätz­lich backen kön­nen, ist ein Bei­trag im Kampf gegen den Hun­ger in Afri­ka oder im nahen und mitt­le­ren Osten“, beton­te Huml.

Um glo­ba­le Hun­gers­nö­te abzu­wen­den, brau­che es zwar eine welt­wei­te Kraft­an­stren­gung, doch jeder Bei­trag zäh­le. „Auch wir als Frei­staat unter­stüt­zen mit unse­rem Baye­ri­schen Afri­ka­pa­ket die nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung ver­schie­de­ner afri­ka­ni­scher Län­der“, berich­te­te die Euro­pa­mi­ni­ste­rin. Das 12 Mil­lio­nen Euro umfas­sen­de Paket för­de­re bei­spiels­wei­se land­wirt­schaft­li­che Pro­jek­te im Sene­gal oder Was­ser­ge­win­nungs­vor­ha­ben in Äthio­pi­en, Kenia und Uganda.

„Unser Enga­ge­ment in Afri­ka ist ins­ge­samt breit auf­ge­stellt. Wir inve­stie­ren auch in Bil­dung und Ener­gie­ge­win­nung. Dabei geht es nicht nur dar­um, den Men­schen Per­spek­ti­ven im eige­nen Land zu geben. Mein Ziel ist eine star­ke Part­ner­schaft auf Augen­hö­he. Ein Bei­spiel: Für die Her­stel­lung von grü­nem Was­ser­stoff kann Bay­ern das Know­how und Afri­ka die Son­nen­en­er­gie lie­fern, eine klas­si­sche Win-Win-Situa­ti­on“, erklär­te Huml.

1 Antwort

  1. Tiberius Sempronius Gracchus sagt:

    Eine Sen­kung der Steu­ern auf Ener­gie bräch­te den Endkund/​inn/​en nahe­zu nichts. Die Anbie­ter holen sich am Markt die Prei­se, die sie erzie­len kön­nen, von der Bun­des­netz­agen­tur nur unzu­rei­chend gebremst. Die Tank­stel­len zei­gen es: Erhö­hung der Roh­öl­prei­se führt zum sofor­ti­gen Anstieg der Treib­stoff­prei­se, Absin­ken der Roh­öl­prei­se ist allen­falls mit star­ker Ver­zö­ge­rung auf den Preis­schil­dern abzu­le­sen. Der Sün­den­fall war die Pri­va­ti­sie­rung der Strom­ver­sor­gung gewe­sen. Lei­der ist es der Lob­by gelun­gen, die seit­dem ste­tig stark stei­gen­den Prei­se fälsch­lich der Ener­gie­wen­de anzulasten.

    Der seit gerau­mer Zeit zu beob­ach­ten­de Ver­such, die (über)lebensnotwendigen Bemü­hun­gen um den Natur­schutz aus­zu­brem­sen, hat jetzt eine neue Argu­men­ta­ti­ons­li­nie gefun­den. War­um aber soll die Siche­rung von Lebens­räu­men und Arten­viel­falt zurück­ste­hen, wäh­rend der Flä­chen­ver­brauch, die Zer­stö­rung wert­vol­ler Acker­flä­chen für Stra­ßen, Sied­lun­gen und Gewer­be­ge­bie­te unge­bremst wei­ter­geht, statt daß die Räu­me intel­li­gent genutzt, „alte“ Nutz­flä­chen einer neu­en Ver­wen­dung zuge­führt werden?

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