Zet­tels Refle­xio­nen: Welt­bil­der und Sprache

Peter Zettel
Peter Zettel

Schon ein­mal ver­sucht, ohne Spra­che über etwas nach­zu­den­ken? Schwie­rig, nicht wahr? Seit gerau­mer Zeit beschäf­ti­gen sich Sprach­wis­sen­schaft­ler mit dem fas­zi­nie­ren­den Zusam­men­hang zwi­schen Spra­che und Denken.

Spra­che mar­kiert sozu­sa­gen die Refe­renz­punk­te, wenn wir den­ken. So fällt es mir leicht mei­ner Frau zu sagen, dass der Schlüs­sel in der rech­ten Schub­la­de ist, wohin­ge­gen ich erst ein­mal über­le­gen muss, wo Nor­den oder Süden ist.

Das hängt damit zusam­men, dass unser Sprach­sy­stem unmit­tel­bar regel­recht bedingt, wie wir uns ori­en­tie­ren. Wir West­eu­ro­pä­er ori­en­tie­ren uns nun ein­mal ger­ne an den Din­gen oder uns selbst.

Ganz ande­res Abori­gi­nes, die tei­len die Welt nach Him­mels­rich­tun­gen ein. Ist für sie effek­ti­ver, setzt aber auch vor­aus, dass man weiß, wo man sich befin­det, will man einem Small­talk-Gespräch fol­gen kön­nen, etwa wenn der ande­re auf die Fra­ge, wo er denn hin­ge­he ant­wor­tet „Ein kur­zes Stück nach Nordnordwesten!“

Und Men­schen in ande­ren Kul­tur­krei­sen sind nicht unpünkt­li­cher als wir West­eu­ro­pä­er, sie sehen nur die Zukunft nicht da, wo wir sie sehen.

Über die­ses The­ma bin ich kürz­lich gestol­pert, als mir bewusst wur­de, wie schwie­rig es es sich mit jeman­dem zu unter­hal­ten, der einem mecha­ni­stisch-linea­ren Welt­bild folgt – und eben kei­nem komplex-prozesshaften.

Ganz ande­re sprach­li­che Ori­en­tie­rung! Viel­leicht hat ja der lie­be Nach­bar, der einem gera­de was Unver­ständ­li­ches erzählt hat ein­fach nur ein zu mei­nem Welt­bild ein­fach nicht die kom­pa­ti­ble Entsprechung?

Lohnt sich, ein­mal dar­über nach­zu­den­ken! Inter­es­sant ist ja auch, dass ich zum Bei­spiel ’sprach­los‘ und ganz ohne Wor­te Motor­rad fah­ren kann – mit das Beste, was mir pas­sie­ren kann. War­um eigent­lich nicht immer?


Peter Zet­tel

ist pen­sio­nier­ter Anwalt. Seit ein paar Jah­ren ist er begei­ster­ter Motor­rad­fah­rer – sein per­sön­li­cher Weg der Selbst­er­kennt­nis. Er inter­es­siert sich für das, was die Welt bewegt und schreibt dar­über in sei­nem Blog zet​tel​.biz.

Alle bis­her im Wie­sent­bo­ten erschie­nen „Zet­tels Refle­xio­nen

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