Unter­neh­mens­hil­fen für Glas­in­du­strie nötig – Glau­ber: „Wir wol­len jeden ein­zel­nen Arbeits­platz in Ober­fran­ken erhalten“

Thorsten Glauber
Thorsten Glauber

Die dra­stisch gestie­ge­nen Ener­gie­ko­sten stel­len die baye­ri­sche Glas­in­du­strie vor enor­me Her­aus­for­de­run­gen. Bay­erns Wirt­schafts­mi­ni­ster Hubert Aiwan­ger und Umwelt­mi­ni­ster Thor­sten Glau­ber infor­mier­ten sich am Mon­tag bei Heinz-Glas in Klein­tettau (Ober­fran­ken) über die Lage der Bran­che. „Wir müs­sen die ener­gie­in­ten­si­ve Glas­in­du­strie ret­ten, Dazu brau­chen wir kurz­fri­stig die Hil­fe des Staa­tes und mit­tel­fri­stig die Erneu­er­ba­ren Ener­gien und Was­ser­stoff. Mit Ener­gie­ko­sten­stei­ge­run­gen von 500 Pro­zent und mehr gegen­über dem Vor­jahr kann auch der gesün­de­ste Glas­be­trieb nicht mehr wirt­schaf­ten“, unter­strich Staats­mi­ni­ster Aiwan­ger nach dem Gespräch mit der Unter­neh­mens­füh­rung. „Die gan­ze Bran­che, die in Ober­fran­ken zu den wich­tig­sten Arbeit­ge­bern zählt, steht auf der Kip­pe. Die Glas­in­du­strie hat in Bay­ern eine jahr­hun­der­te­al­te Geschich­te, hat den Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg und die Wirt­schafts­kri­sen über­stan­den und darf jetzt nicht an CO2-Abga­be, Ener­gie­steu­er und poli­ti­scher Untä­tig­keit zugrun­de gehen. Ich erwar­te vom Bund unver­züg­li­che Hilfs­pro­gram­me für die­se und vie­le wei­te­re ener­gie­in­ten­si­ve Unter­neh­men. Der Frei­staat muss in den näch­sten Jah­ren gemein­sam mit den Kom­mu­nen dafür sor­gen, dass eige­ne Ener­gie­ver­sor­gung mit Wind­strom und Was­ser­stoff ermög­licht wird, wo es die Ver­hält­nis­se erlau­ben. Der­zeit ist rus­si­sches Erd­gas noch unverzichtbar.“

Staats­mi­ni­ster Glau­ber ergänz­te: „Die Glas­in­du­strie braucht jetzt schnell unse­re Unter­stüt­zung. Wir wol­len jeden ein­zel­nen Arbeits­platz in Ober­fran­ken erhal­ten. Für den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess hin zu einer nach­hal­ti­ge­ren Wirt­schaft brau­chen die Unter­neh­men rasch und unbü­ro­kra­tisch auch staat­li­che Zuwen­dun­gen. Lang­fri­stig set­zen wir auf einen mas­si­ven Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien. Dazu gehört auch die Wind­kraft. Die­sen Weg wol­len wir gemein­sam mit den Unter­neh­men in Ober­fran­ken gehen.“

Heinz-Glas plant in Klein­tettau die Errich­tung eige­ner Wind­rä­der. Staats­mi­ni­ster Aiwan­ger unter­stützt die­se Plä­ne: „Das wird in schon naher Zukunft der Weg sein, den vie­le Indu­strien gehen wer­den. Die Selbst­ver­sor­gung mit Erneu­er­ba­rer Ener­gie nahe des Betrie­bes ist bereits jetzt ein Stand­ort­fak­tor und dies wird noch wich­ti­ger wer­den. Für sol­che Vor­ha­ben müs­sen wir Aus­nah­men von 10h machen.“

Die Bun­des­re­gie­rung hat ange­kün­digt, beson­ders ener­gie­in­ten­si­ve Unter­neh­men mit Zuschüs­sen, Kre­di­ten und Bürg­schaf­ten in der Kri­se zu unter­stüt­zen. „Die­se Ankün­di­gung muss jetzt schnell und kon­kret umge­setzt wer­den mit spür­ba­ren Hil­fen statt Kos­me­tik“, for­dert Aiwan­ger. Die Bun­des­re­gie­rung hat für beson­ders rele­van­te Unter­neh­men außer­dem Eigen­ka­pi­tal­hil­fen zur Sta­bi­li­sie­rung ange­kün­digt. Aiwan­ger: „Glas wird in sehr vie­len Indu­strien benö­tigt, bei­spiels­wei­se für die Ver­packung von Lebens­mit­teln, Medi­zin­pro­duk­ten oder in der Che­mie­in­du­strie. Des­halb muss die­se Bran­che schnell Hil­fe erhalten.“

Der Wirt­schafts­mi­ni­ster blick­te aber noch wei­ter: „Die aktu­el­len Bela­stun­gen tref­fen nicht nur ener­gie­in­ten­si­ve Indu­strien, son­dern pflan­zen sich über die Wert­schöp­fungs­ket­ten auf nahe­zu alle Bran­chen fort. Ange­sichts der Dimen­si­on die­ser Dau­er­kri­se aus Coro­na und jetzt Ukrai­ne­krieg brau­chen wir zusätz­lich lang­fri­stig und umfas­send steu­er­li­che Erleich­te­run­gen für die Wirt­schaft, bei­spiels­wei­se eine Aus­wei­tung des steu­er­li­chen Ver­lust­rück­trags und nied­ri­ge­re Unter­neh­mens­steu­ern in Deutsch­land. Sonst kön­nen wir Voll­be­schäf­ti­gung und Wohl­stand in die­sem Land nicht dau­er­haft halten.“

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