Zet­tels Refle­xio­nen: Wer liest denn das?

Peter Zettel
Peter Zettel

Mir wur­de die Fra­ge gestellt, wer denn mein Leser­pu­bli­kum sei. Der Mei­nung des Fra­gen­den nach lege ich die Lat­te so hoch, dass ich nur die errei­chen kön­ne, die ich nicht mehr zu errei­chen bräuch­te. Kann sein. Oder auch nicht. Ehr­lich, ich weiß es nicht.

Jeden­falls eine gute Gele­gen­heit, mir ein­mal Gedan­ken dar­über zu machen und auch deut­lich zu sagen, was ich errei­chen will. Und das ist ganz klar: Raus aus dem gewohn­ten Den­ken, aber wirk­lich radi­kal raus! Ich will das an einem Bei­spiel deut­lich machen:

Ich mei­ne nicht, sich ein völ­lig ande­res Auto zu kau­fen, etwa als Opa kei­nen beque­men Van mehr, son­dern einen alten Tri­umph Spi­der, in den man nur noch mit Hil­fe rein­kommt, nein, das mei­ne ich nicht. Son­dern als Opa Motor­rad­fah­ren zu ler­nen, was man bis­her noch nie gemacht hat. Also etwas, wo sich die mei­sten inner­lich mit dem Zei­ge­fin­ger an die Stirn tip­pen und ins­ge­heim ein biss­chen nei­disch sind, dass sie das nicht auch machen.

Dar­um geht es mir. Wer nicht ganz taub ist, der hat es ja schon gehört, dass unser Bild von der Wirk­lich­keit kom­plett anders auf­ge­stellt gehört. Wirk­lich kom­plett. Und das sagen kei­ne Eso­te­ri­ker, son­dern Leu­te wie Ein­stein, Pau­li, Hei­sen­berg, Schrö­din­ger, Bohm, Bor und wie sie alle hei­ßen. Quan­ten­phy­si­ker eben.

Ihre Erkennt­nis­se wer­den zwar flei­ßig umge­setzt und sind tag­täg­lich in Gebrauch, doch was das für unser Bild der Wirk­lich­keit bedeu­tet – das will kaum einer wirk­lich wis­sen. Also wird flei­ßig wei­ter frag­men­tiert, koste es was es wol­le – und wenn es am Ende die eige­ne Exi­stenz ist.

Es mag ver­mes­sen klin­gen, aber ich kom­me mir manch­mal vor, wie Tariq Zai­di es für den Deutsch­land­funk ein­mal ein­ge­drückt hat: „Wir leben im Slum, aber wir haben Stil.“ Und genau so füh­le ich mich auch. Ich muss nicht in einem Slum leben, nur pro­te­stie­re auch ich gegen gedank­li­che Will­kür. Mei­ne Tex­te sind mei­ne Art, gegen das herr­schen­de System in den Köp­fen der mei­sten Men­schen Wider­stand zu leisten.

So sieht es näm­lich aus. Wir leben gedank­lich in den Slums. Und ich will ein Gedan­ken-Sapeur sein. Wer die Welt ver­ste­hen will muss die Welt sei­ner Gedan­ken ver­las­sen. Das ist mei­ne Bot­schaft in den Texten.


Peter Zet­tel

ist pen­sio­nier­ter Anwalt. Seit fünf Jah­ren ist er begei­ster­ter Motor­rad­fah­rer – sein per­sön­li­cher Weg der Selbst­er­kennt­nis. Er inter­es­siert sich für das, was die Welt bewegt und schreibt dar­über in sei­nem Blog zet​tel​.biz.

Alle bis­her im Wie­sent­bo­ten erschie­nen „Zet­tels Refle­xio­nen

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