„Fami­lie kann vie­le For­men haben“: Mit einer neu­en Akti­on spricht das Kreis­ju­gend­amt Wun­sie­del poten­ti­el­le Pfle­ge­fa­mi­li­en im Land­kreis an

Bild­un­ter­schrift:
Auch das Back­haus Bau­er in Wun­sie­del ist Part­ner der Akti­on des Kreis­ju­gend­am­tes. v.l.n.r.: Land­rat Peter Berek, Petra und Albrecht Bau­er (Bäcke­rei Bau­er), Jas­min Köst­ler (Pfle­ge­kin­der­dienst Kreis­ju­gend­amt), Hei­ke Bur­ger (Pfle­ge­kin­der­dienst Kreis­ju­gend­amt), Anto­nella Mari­no (lang­jäh­ri­ge Pflegemutter)

Wenn es in Fami­li­en kri­selt oder ande­re schwer­wie­gen­de Schick­sa­le über sie her­ein­bre­chen, sind es oft die Kin­der, die unter die­ser Situa­ti­on lei­den. Die Pro­blem­la­gen dahin­ter sind viel­fäl­tig; bei­spiels­wei­se kön­nen Eltern auf­grund einer kör­per­li­chen und/​oder psy­chi­schen Erkran­kung nicht mehr in der Lage sein, sich ange­mes­sen um ihr Kind bzw. ihre Kin­der zu küm­mern. Genau an die­sem Punkt kann die Hil­fe durch eine Pfle­ge­fa­mi­lie anset­zen. Pfle­ge­fa­mi­li­en sind Fami­li­en auf Zeit, die Kin­dern ein Zuhau­se bie­ten, bis die Kri­sen in deren eige­nen Fami­lie bewäl­tigt wor­den sind.

Der Pfle­ge­kin­der­dienst des Land­krei­ses Wun­sie­del i. Fich­tel­ge­bir­ge betreut der­zeit 88 Kin­der in 72 Pfle­ge­fa­mi­li­en. Zuletzt muss­ten in Ein­zel­fäl­len Kin­der auch außer­halb des Land­krei­ses in Pfle­ge­fa­mi­li­en unter­ge­bracht wer­den, da es vor Ort kei­ne freie Pfle­ge­fa­mi­lie mehr für sie gab. „Wir haben zum Glück vie­le enga­gier­te Pfle­ge­el­tern hier im Land­kreis, aber wir haben auch immer drin­gen­den Bedarf, neue Fami­li­en zu fin­den, die sich die­ser wich­ti­gen Auf­ga­be anneh­men wol­len. Des­halb haben wir uns ent­schie­den, alle Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner im Land­kreis, die viel­leicht ein­fach noch nie dar­über nach­ge­dacht haben, ob die Auf­nah­me eines Pfle­ge­kin­des für sie ein The­ma sein könn­te, ein­fach mal unkom­pli­ziert dar­auf anzu­spre­chen. Wer­be­trä­ger für unse­re Bot­schaft sind des­halb 25.000 Bäcker­tü­ten, die die Fami­li­en von den teil­neh­men­den Ver­kaufs­stel­len in die Hand gedrückt bekom­men wer­den“, sagt Jugend­amts­lei­tung San­dra Wur­zel. Das Kreis­ju­gend­amt macht regel­mä­ßig in Form von ver­schie­de­nen Wer­be­ak­tio­nen auf den Bedarf an neu­en Pfle­ge­el­tern auf­merk­sam. Die­ses Mal wur­de mit der Bäcker­tü­te ein neu­er Weg beschrit­ten, damit mög­lichst vie­le Leu­te nied­rig­schwel­lig in Kon­takt mit dem The­ma „Pfle­ge­fa­mi­lie“ kommen.

Die 13 Ver­kaufs­stel­len, an denen die Tüten in den näch­sten vier bis acht Wochen zum Ein­satz kom­men wer­den, sind über den gesam­ten Land­kreis ver­teilt. Aus­ge­ge­ben wer­den die Tüten in Selb (Bäcke­rei Popp, Korn­blu­me Natur­kost), Kir­chen­lami­tz (Bäcke­rei Ben­ker), Thiersheim (Die jun­gen Schöf­fels GmbH), Rös­lau (Küspert Bäcke­rei-Kon­di­to­rei), Thier­stein (Dorf­la­den Thier­stein), Markt­red­witz (Filia­len der Horst Goll­ner und Sohn Bäcke­rei), Wun­sie­del (Back­haus Bau­er, Küspert Bäcke­rei-Kon­di­to­rei, Filia­len Metz­ge­rei Ruck­de­schel GmbH) und in Arzberg (Horst Goll­ner und Sohn Bäcke­rei). „Wir möch­ten uns bei allen Bäcke­rei­en, Metz­ge­rei­en und Lebens­mit­tel­lä­den bedan­ken, die sich zu einer Teil­nah­me bereit erklärt haben“, sagt Land­rat Peter Berek. „Sie unter­stüt­zen damit unser Kreis­ju­gend­amt, aber – viel wich­ti­ger – alle Kin­der und Fami­li­en im Landkreis.“

Ergän­zen­de Infos zum Thema:

Pfle­ge­kin­der auf­neh­men kön­nen alle, die bereit sind, ihr Leben für ein frem­des Kind zu öff­nen und die­ses als Pfle­ge­kind eine Zeit lang – in man­chen Fäl­len auch dau­er­haft – zu betreu­en. Pfle­ge­fa­mi­li­en kön­nen Fami­li­en mit Kin­dern, Allein­ste­hen­de, Patch­work­fa­mi­li­en oder gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re sein, unab­hän­gig von der Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit oder der Natio­na­li­tät, wobei beach­tet wer­den muss, dass die leib­li­chen Eltern die Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit des Kin­des bestim­men dür­fen. Beglei­tet und unter­stützt wird die Pfle­ge­fa­mi­lie für die gesam­te Dau­er des Pfle­ge­ver­hält­nis­ses von den Fach­kräf­ten des Pfle­ge­kin­der­dien­stes des Jugend­am­tes; zudem erhält die Pfle­ge­fa­mi­lie ein monat­li­ches Pfle­ge­geld, finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für bei­spiels­wei­se Erst­aus­stat­tung und Beklei­dung, Fort­bil­dun­gen und Super­vi­si­on bei Bedarf. Der Aner­ken­nung als Pfle­ge­fa­mi­lie gehen ein Eig­nungs­über­prü­fungs­ver­fah­ren und ein drei­tä­gi­ges Semi­nar vor­aus. Inter­es­sen­ten soll­ten über aus­rei­chend Wohn­raum ver­fü­gen und finan­zi­ell abge­si­chert sein. Vor­stra­fen, Such­ter­kran­kun­gen und schwer­wie­gen­de psy­chi­sche Erkran­kun­gen sind Aus­schluss­grün­de für die Eig­nung als Pfle­ge­fa­mi­lie. Bei Inter­es­se an einem unver­bind­li­chen Erst­ge­spräch mel­den Sie sich ger­ne beim Kreis­ju­gend­amt Wun­sie­del i. Fich­tel­ge­bir­ge unter der Tele­fon­num­mer: 09232/80–340.