Hel­fen Asth­ma-Inha­la­to­ren bei Covid-19?

© humberto chavez on Unsplash
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Im letz­ten Jahr erreg­ten eini­ge Stu­di­en Auf­se­hen, die zu dem Ergeb­nis kamen, dass das Inha­lie­ren des Asth­ma-Medi­ka­ments Bude­so­nid dazu führ­te, dass sich Pati­en­ten mit Covid-19 schnel­ler erholten.

Offen­bar führ­ten die Berich­te dar­über in diver­sen Medi­en dazu, dass Asth­ma-Medi­ka­men­te geham­stert wur­den, wodurch es in Öster­reich teil­wei­se zu Ver­sor­gungs­eng­päs­sen kam. Auch Such­an­fra­gen nach ande­ren Asth­ma-Medi­ka­men­ten wie Sal­butamol stie­gen zeit­wei­se stark an, obwohl es sich bei Sal­butamol um einen kurz wirk­sa­men Relie­ver han­delt, wäh­rend das in den Stu­di­en unter­such­te Bude­so­nid ein Kor­ti­son zum Inha­lie­ren ist, das nor­ma­ler­wei­se zur lang­fri­sti­gen Kon­trol­le von Asth­ma dient.

Hier bekom­men Sie einen Über­blick über die Unter­su­chun­gen zum The­ma Bude­so­nid und Covid-19 und die Kri­tik an die­sen Studien.

Die Oxford-Stu­die

An der Unter­su­chung ver­schie­de­ner Behand­lun­gen gegen Covid-19 bei älte­ren Men­schen nah­men 8.728 Pro­ban­den teil, bis die Stu­die pau­siert wur­de. Die For­scher kamen dabei zu dem Ergeb­nis, dass das Inha­lie­ren von Bude­so­nid in der Früh­pha­se einer Covid-Infek­ti­on die Erho­lungs­zeit um etwa drei Tage beschleunigte.

Die­se Platt­form-Stu­die wur­de von der bri­ti­schen Regie­rung stark geför­dert, ver­sprach sie doch ein wirk­sa­mes Gegen­mit­tel gegen Covid, das erprobt und leicht ver­füg­bar war.

Asth­ma-Pati­en­ten haben kein höhe­res Covid-Risiko

Nach dem Aus­bruch der Pan­de­mie wur­den Asth­ma-Pati­en­ten zunächst zu den Risi­ko­grup­pen gezählt, weil sie nor­ma­ler­wei­se stär­ker von Virus­in­fek­tio­nen betrof­fen sind als gesun­de Men­schen. Über­ra­schen­der­wei­se zeig­te sich in Unter­su­chun­gen, dass sie kein höhe­res Risi­ko haben, an Covid-19 zu erkran­ken und viel­leicht sogar bes­ser vor dem Virus geschützt sind. Das sag­te ein Spre­cher des Zen­trums für Inne­re Medi­zin der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Rostock bei einer Pres­se­kon­fe­renz der Deut­schen Gesell­schaft für Pneumologie.

Dar­auf­hin erschien eine Stu­die in der Fach­zeit­schrift Lan­cet, die den Titel „STOIC“ trug, was für „Ste­ro­ids in Covid-19“ steht. Dabei wur­de gete­stet, ob der anschei­nend bes­se­re Schutz von Asth­ma­ti­kern an den Inhalts­stof­fen der Asth­ma­sprays liegt. Sie kamen zu dem Ergeb­nis, dass die ent­zün­dungs­hemm­de­nen Wirk­stof­fe hel­fen, wenn man sie gleich nach dem ersten Auf­tre­ten der Sym­pto­me eine Woche lang verabreicht.

Kri­tik an den Ergebnissen

Im wei­te­ren Ver­lauf des Jah­res 2021 äußer­ten sich meh­re­re deut­sche und öster­rei­chi­sche Lun­gen­ärz­te zu die­ser Stu­die und bezeich­ne­ten die Ergeb­nis­se als nicht aus­sa­ge­kräf­tig. Nach Berich­ten in den Medi­en wur­den in Öster­reich zeit­wei­se Asth­ma-Medi­ka­men­te in gro­ßen Men­gen gekauft.

Der momen­ta­ne Stand der Din­ge ist jedoch, dass Lun­gen­ärz­te die Behand­lung von Covid-19 mit Asth­ma­sprays nicht emp­feh­len. Kri­ti­ker bemän­geln näm­lich, dass das Stu­di­en­de­sign man­gel­haft war und die Ergeb­nis­se an einem Pla­ce­bo-Effekt lie­gen könn­ten. Anschei­nend erklär­ten die Ärz­te den Pro­ban­den, als sie ihnen den Asth­ma­spray mit­ga­ben, dass sie sich dadurch bes­ser füh­len würden.

In der Fol­ge­zeit rie­fen die Pati­en­ten mit dem Asth­ma­spray sel­te­ner die Ret­tung und gin­gen sel­te­ner zum Arzt. Bei den medi­zi­nisch mess­ba­ren Wer­ten wie Virus­last und Sauer­stoff­sät­ti­gung im Blut kam es jedoch zu kei­nen nach­weis­ba­ren Unterschieden.

Ver­schie­de­ne Medi­ka­men­te gegen Asthma

Das Kor­ti­ko­ste­ro­id Bude­so­nid ist nur eines von vie­len Prä­pa­ra­ten, die bei der Behand­lung von Asth­ma zum Ein­satz kom­men. Auf dem Markt gibt es vie­le Asth­ma-Medi­ka­men­te, die auf bewähr­ten Wirk­stof­fen wie Sal­butamol, Beclo­me­ta­son, For­mo­te­rol und ande­ren basie­ren und von ver­schie­de­nen Her­stel­lern pro­du­ziert wer­den. So ist es für Ärz­te kein Pro­blem, ein pas­sen­des Medi­ka­ment für Sie zu fin­den, oder Sie haben sogar die Mög­lich­keit, ver­schie­de­ne Online-Dien­ste zu besu­chen, um Foster Nextha­ler oder Sal­butamol Ratio­pharm zu kau­fen.

Könn­te Bude­so­nid trotz­dem bei der Behand­lung von Covid-19 helfen?

Trotz der Män­gel bei der Oxford-Stu­die gibt es Hin­wei­se, dass sich eine wei­te­re Erfor­schung der Wir­kung von Bude­so­nid auf Covid-19-Infek­tio­nen loh­nen könn­te. Eine Stu­die in der Zeit­schrift Viruses zeig­te etwa, dass Bude­so­nid im Labor gegen Coro­na-Viren wirkt.

Dabei kam Bude­so­nid in hohen Kon­zen­tra­tio­nen zum Ein­satz, was zu einer deut­li­chen Reduk­ti­on der Virus­last führ­te. Auch frü­he­re For­schun­gen haben gezeigt, dass das Inha­lie­ren von Bude­nosid und ande­ren Kor­ti­ko­ste­ro­iden (wie Cicle­so­nid) Viren wie Covid-19 und MERS bei ihrer Ver­meh­rung behindert.


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