Nie­der­bron­ner- und Fran­zis­kus-Schwe­stern in Göß­wein­stei­ner Basi­li­ka verabschiedet

Die scheidenden Schwestern mit Kirchenpfleger Georg Lang, Pfarrer Pater Ludwig Mazur und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Kathrin Heckel (vorne v.l.). Foto Thomas Weichert
Die scheidenden Schwestern mit Kirchenpfleger Georg Lang, Pfarrer Pater Ludwig Mazur und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Kathrin Heckel (vorne v.l.). Foto Thomas Weichert

Über 100-jäh­ri­ge Ära endet

Im Zei­chen von Abschied und Auf­bruch stand der Fest­got­tes­dienst zur Ver­ab­schie­dung der „Schwe­stern vom Gött­li­chen Erlö­ser“, bes­ser bekannt als „Nie­der­bron­ner Schwe­stern“, und der Fran­zis­kus­schwe­stern Vier­zehn­hei­li­gen. Das ver­trau­te Bild von Schwe­stern in Göß­wein­stein und der Basi­li­ka zur Hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit gehört damit bald der Ver­gan­gen­heit an.

Eine Ära von annä­hernd 105 Jah­ren bei den Nie­der­bron­ner Schwe­stern und von fast 40 Jah­ren bei den Fran­zis­kus­schwe­stern geht damit zu Ende. Die Schwe­stern haben durch ihre uner­müd­li­che Arbeit für das Wohl an Leib und See­le ihrer Mit­men­schen im besten Sinn christ­li­cher Näch­sten­lie­be wert­voll­ste Dien­ste gelei­stet. Mit vie­ler­lei Dank und „vergelt’s Gott“ sowie den besten Wün­schen wur­den sie nun ver­ab­schie­det. Den Got­tes­dienst zele­brier­te Pfar­rer Pater Lud­wig Mazur in Kon­ze­le­bra­ti­on mit Pfarr­vi­kar Pater Laza­rus Zukow­ski und Mon­si­gno­re Her­bert Hautmann.

In sei­ner Begrü­ßung zitier­te Pfar­rer Mazur aus dem Buch Kohe­let: „Für alles gibt es eine Stun­de, und eine Zeit gibt es für alles Gesche­hen unter dem Him­mel.“ In der Pre­digt bezog er sich sowohl auf die Lesung aus dem Buch Gene­sis mit der Auf­for­de­rung Got­tes an Abra­ham aus sei­nem Land in das ver­hei­ße­ne Land zu zie­hen, als auch das von Mon­si­gno­re Haut­mann ver­kün­de­te Evan­ge­li­um nach Lukas mit dem rei­chen Fisch­fang und der Beru­fung der ersten Jün­ger. „Der Mensch hängt an Gewohn­tem“, stell­te Pater Lud­wig fest. „Bei einem Ver­lust hat daher die Trau­er ihr Recht“. Göß­wein­stein sei für die Schwe­stern ein Stück Hei­mat gewor­den, die auf­ge­ge­ben wird. Eben­so sei­en die Schwe­stern in Göß­wein­stein eine spi­ri­tu­el­le Grö­ße, deren Ver­lust schmer­ze. Die Kehr­sei­te der Trau­er sei aber auch die Dank­bar­keit. Das Wir­ken der Schwe­stern hin­ter­las­se in ein­drucks­vol­ler und nach­hal­ti­ger Wei­se einen kost­ba­ren, blei­ben­den Schatz, der in unse­ren „Jah­res­rin­gen“ auf­ge­ho­ben blei­be. Zum Abschied gehö­re jedoch auch der Auf­bruch. So haben die Schwe­stern in ihrem Leben den Ruf Got­tes bereits gehört und sind aus ihrem gewohn­ten Umfeld auf­ge­bro­chen. Dabei haben sie gespürt, dass Gott sie in allen Unwäg­bar­kei­ten hält. In die­sem Gott­ver­trau­en wünsch­te er den Schwe­stern, dass sie an ihren neu­en Wir­kungs­stät­ten sowohl wei­ter zum Segen wer­den, aber auch den Segen Got­tes erfahren.

Bür­ger­mei­ster Hanngörg Zim­mer­mann (FW) erin­ner­te dar­an, dass die erste Kran­ken­sta­ti­on und der erste Kin­der­gar­ten in Göß­wein­stein von den Nie­der­bron­ner Schwe­stern gegrün­det wur­de. Eben­so, dass die Schwe­stern vie­len jun­gen Frau­en hand­werk­li­ches Geschick in der Näh­schu­le bei­gebracht haben sowie an der Volks­schu­le Hand­ar­beit und Haus­wirt­schaft unter­rich­te­ten. Letzt­lich ver­blieb noch das das „Haus Lore­to“ für Wall­fah­rer und Erho­lungs­su­chen­de. Die Ent­wick­lung des Hau­ses „St. Eli­sa­beth“ zeich­ne­te er chro­no­lo­gisch nach. Ger­ne erin­ne­re er sich an die radeln­de oder auch mit Kin­dern spie­len­de Schwe­ster Sig­rid. Zudem sei­en auch die per­sön­li­chen Begeg­nun­gen stets freund­lich gewe­sen. Die Schwe­stern hät­ten den Ort mit ihren christ­li­chen Wer­ten, ihrer Hilfs­be­reit­schaft und Mild­tä­tig­keit mit­ge­stal­tet und geprägt. Sei­nen Dank unter­mau­er­te er mit einem Geschenk an jede der schei­den­den Schwestern.

Für die Pfar­rei Hei­lig­ste Drei­fal­tig­keit Göß­wein­stein ging Kir­chen­pfle­ger Georg Lang zunächst auf die Stif­ter Franz Wei­din­ger und Frei­herr von Hau­sen ein, die die Nie­der­las­sung der Nie­der­bron­ner Schwe­stern sowohl durch die Stif­tung ihres Anwe­sens, zuletzt als Spiel­zeug­mu­se­um genutzt, ver­an­lass­ten und spä­ter durch die Stif­tung der „Vil­la Lore­to“ festig­ten. Kran­ken­pfle­ge, Kin­der­er­zie­hung und die Erho­lung für Mit­schwe­stern waren von Beginn an die nach dem Stif­ter­wil­len gestell­ten Auf­ga­ben. Das Haus „St. Eli­sa­beth“ war anfangs auf Tagun­gen, Exer­zi­ti­en und Erho­lung aus­ge­rich­tet. Nach der Neu­aus­rich­tung vor zehn Jah­ren wur­de es ein Haus mit alters­ge­rech­tem Woh­nen ein­schließ­lich ambu­lan­ter Betreu­ung sowie ein wesent­li­cher Pfei­ler der ärzt­li­chen Ver­sor­gung in Göß­wein­stein und der Umge­bung. Hier­durch wur­de auch der Ein­zug der belieb­ten Ruhe­stands­pfar­rer Her­bert Haut­mann und Alfred Bay­er möglich.

Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­de Kath­rin Heckel konn­te sich die Got­tes­dien­ste ohne Schwe­stern nicht vor­stel­len. Daher wer­den die Reser­vie­rungs­schil­der „Schwe­stern“ an den Bän­ken in der Basi­li­ka nicht ent­fernt. Zudem wer­den die Schwe­stern bei den Mon­tags­got­tes­dien­sten bei den Für­bit­ten immer mit ein­ge­schlos­sen. Ihren Wunsch fass­te sie mit den Wor­ten der Grün­de­rin der Nie­der­bron­ner Schwe­stern, der seli­gen Mut­ter Alfons Maria Eppin­ger, zusam­men: „Habt Mut, Gott ist mit euch!“

Die Pro­vinz­obe­rin der Nie­der­bron­ner Schwe­stern Bar­ba­ra Greiß­in­ger zeig­te sich berührt von dem Glau­bens­zeug­nis, das in dem Göß­wein­stei­ner Lied zur Hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit zum Aus­druck kommt. Seit 1917 sei­en 95 Nie­der­bron­ner Schwe­stern in Göß­wein­stein tätig gewe­sen. Die der­zeit in der Gemein­schaft leben­den sie­ben Schwe­stern muss­ten vor allem in den ver­gan­ge­nen Mona­ten ihre kör­per­li­chen und gesund­heit­li­chen Gren­zen erfah­ren. Daher sei die Wei­ter­füh­rung die­ser Gemein­schaft lei­der nicht mög­lich. Die Schwe­stern wer­den teils in die Gemein­schaft nach Bam­berg, teils in die Ruhe­stands­ge­mein­schaft nach Neu­markt wech­seln. „Wir ver­trau­en dar­auf, dass Gott wei­ter­wach­sen lässt, was an Gutem gesät wur­de“, schloss Schwe­ster Bar­ba­ra, und ver­ab­schie­de­te sich auf­grund ihrer ober­baye­ri­schen Her­kunft mit einem „Pfi­at Gott, behü­te Sie Gott“.

Für die Fran­zis­kus­schwe­stern hat­te Kon­gre­ga­ti­ons­vi­ka­rin Schwe­ster Mar­ti­na Sel­mai­er das Bild von einem Baum vor sich. Ein Baum mit star­ken Ästen. Bezo­gen auf Göß­wein­stein bedeu­te das rund 300 Jah­re Fran­zis­ka­ner vor Ort, mehr als 100 Jah­re Nie­der­bron­ner Schwe­stern, rund 40 Jah­re Fran­zis­kus­schwe­stern, Schwe­ster Sig­rid, aber auch die Ein­hei­mi­schen und die Wall­fah­rer mit ihren Gebe­ten. Die Natur sei ein Kom­men und Gehen, ein Wach­sen und Ver­ge­hen. Sie zeig­te sich über­zeugt, dass Schwe­ster Sig­rid vie­les zum Blü­hen gebracht hat, das auch Früch­te trägt. Schwe­ster Sig­rid wech­selt in das Mut­ter­haus nach Vier­zehn­hei­li­gen. „Was vor uns liegt und was hin­ter uns liegt ist nichts im Ver­gleich zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt nach außen in die Welt tra­gen, gesche­hen Wun­der.“ Mit die­sem Zitat von Hen­ry David Tho­reau zeig­te sich Schwe­ster Mar­ti­na abschlie­ßend zuversichtlich.

Den Got­tes­dienst gestal­te­te Andre­as Wei­sel aus Eber­mann­stadt für den erkrank­ten Georg Schäff­ner musi­ka­lisch an der Orgel. Mar­kus Redel trug sowohl die Lesung, wie auch eine Geschich­te über ein schö­nes makel­lo­ses und ein ver­narb­tes lie­ben­des Herz, sowie die Für­bit­ten vor. Am Ende des Got­tes­dien­stes über­reich­ten Pfar­rer Pater Lud­wig und Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­de Kath­rin Heckel an alle Schwe­stern ein klei­nes Rosen­ge­bin­de und ein Erinnerungsgeschenk.

Bleibt noch die Fra­ge, wes­halb es auch heu­te für Frau­en zeit­ge­mäß sein kann, in einen Orden ein­zu­tre­ten. Schwe­ster Mar­ti­na von den Fran­zis­kus­schwe­stern sieht die Gesell­schaft und auch die Kir­che im Wan­del. Sie sieht Men­schen, die aus­ge­powert sind und Ruhe­pau­sen suchen. Die­se Ruhe­pau­sen brau­che der Mensch, um sich immer wie­der neu zu ver­or­ten. Des­halb bie­te ein Leben in ihrer Gemein­schaft schon im Tages­ab­lauf Raum für Ruhe und Medi­ta­ti­on. Dies bil­det für Schwe­ster Mar­ti­na eine Basis, um erspü­ren zu kön­nen, wie sie Leben sinn­voll leben kann, als Hören­de, Tei­len­de und Lie­ben­de – eben so, wie Gott den Men­schen gedacht hat.

Schwe­ster Bar­ba­ra sieht die Nie­der­bron­ner Schwe­stern als ein Ange­bot an Frau­en, die Glau­ben in der Gemein­schaft leben wol­len. Sie stel­le fest, dass die­se Frau­en dann spü­ren, dass das Leben in einem Orden eine Lebens­form ist, die heu­te noch erfül­lend gelebt wer­den kann. Dies bestä­tigt Schwe­ster Jako­ba wenn sie sagt: „Ich bin glück­lich im Ordens­le­ben, es gab immer wie­der her­aus­for­dern­de Zei­ten, vor allem beruf­lich, aber ich habe ein erfüll­tes Leben.“

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