Hirschai­der Bürger*innen pro­te­stie­ren vor der Kreis­tags­sit­zung gegen Ede­ka Fleisch-/Wurst­fa­brik

Mitglieder der Bürgerinitiative protestieren vor der Sitzung des Kreistages in der Hirschaider Regnitzarena gegen die Ansiedlung einer Wurstfabrik mit Logistikzentrum. Foto: Thomas Ochs - blendenwerk.de
Mitglieder der Bürgerinitiative protestieren vor der Sitzung des Kreistages in der Hirschaider Regnitzarena gegen die Ansiedlung einer Wurstfabrik mit Logistikzentrum. Foto: Thomas Ochs - blendenwerk.de

BÜND­NIS 90/DIE GRÜ­NEN KV Bam­berg-Land berich­tet über die 7. Sit­zung des Kreis­tags Bam­berg am 13.12.2021

Mit­glie­der der „Initia­ti­ve Hirschaid – Bür­ger­initia­ti­ve gegen die Fleisch- und Wurst­fa­brik“ woll­ten die Mit­glie­der des Kreis­ta­ges über das gigan­ti­sche Pro­jekt des Ede­ka Toch­ter­un­ter­neh­men Fran­ken-Gut West infor­mie­ren. Ede­ka plant ein 20.000 qm gro­ßes Werk zu errich­ten, das zur Hälf­te aus einem Pro­duk­ti­ons­be­reich und einem Logi­stik­cen­ter besteht. Das gesam­te Fir­men­are­al bemisst 74.000 qm.

180.000 m² fruchtbares Ackerland sollen in ein Industriegebiet umgewandelt werden - Bild am geplanten Standort aufgenommen. Foto: Thomas Ochs - blendenwerk.de

180.000 m² frucht­ba­res Acker­land sol­len in ein Indu­strie­ge­biet umge­wan­delt wer­den – Bild am geplan­ten Stand­ort auf­ge­nom­men. Foto: Tho­mas Ochs – blen​den​werk​.de

Die Bür­ger­initia­ti­ve spricht sich ent­schie­den gegen die­ses Ede­ka-Pro­jekt aus. „Was Hirschaid braucht, ist eine sinn­vol­le und nach­hal­ti­ge Flä­chen­pla­nung, um zukunfts­ori­en­tier­te, attrak­ti­ve Unter­neh­men anzu­sie­deln, die qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge, zukunfts­si­che­re Arbeits­plät­ze schaf­fen für die Men­schen, die hier leben“, so die Initia­ti­ve. „Wir wol­len eine Pla­nung, die Hirschaid bes­ser macht, nicht schlech­ter.“ Des­halb wer­ben Sie für Ihren Bür­ger­ent­scheid und gegen die Fleisch- und Wurstfabrik.

Sie befürch­ten, dass die­ser fleisch­ver­ar­bei­ten­de Betrieb eine Geruchs­be­lä­sti­gung für die Bewoh­ner von Hirschaid und Sei­gen­dorf ver­ur­sa­chen wird. Die ohne­hin schon star­ke Ver­kehrs­be­la­stung von Hirschaid wird durch den zusätz­li­chen Ver­kehr des Betrie­bes wei­ter ver­schärft. Waren wer­den zum Logi­stik­cen­ter gelie­fert und dann zu den Ede­ka-Märk­ten in Nord­bay­ern aus­ge­lie­fert. Ca. 70 t Fleisch wer­den täg­lich von ver­schie­de­nen Schlacht­hö­fen aus Süd­deutsch­land in den Pro­duk­ti­ons­be­reich gelie­fert. Dazu kommt wei­te­rer Ver­kehr durch Mit­ar­bei­ter, Ver- und Ent­sor­gung des Betrie­bes, und wei­te­ren Dienstleistungen.

Die Bür­ger­initia­ti­ve pran­gert das zwei­fel­haf­te Preis-Lei­stungs­ver­hält­nis an. Die Gemein­de kor­ri­giert jetzt schon die „zuge­sag­te“ Gewer­be­steu­er in „erwar­te­te“ Gewer­be­steu­er. Nach Abzug der Umla­gen bleibt von der Gewer­be­steu­er weni­ger als die Hälf­te in der Gemeinde.

Außer­dem kri­ti­siert die BI den enor­men Ener­gie­ver­brauch (allein der Strom­ver­brauch beträgt 5 MW) und Trink­was­ser­ver­brauch (600.000 Liter täg­lich, dass ent­spricht den Ver­brauch von 4.000 Ein­woh­nern). Das dar­aus resul­tie­ren­de Abwas­ser bela­stet das Hirschai­der Abwas­ser­sy­stem erheblich.

Die Mit­glie­der der Frak­ti­on der Grü­nen bedank­ten sich bei den Akti­ven der Bür­ger­initia­ti­ve, die erreicht haben, dass die Bür­ger über das Ede­ka Pro­jekt in einem Bür­ger­ent­scheid abstim­men dür­fen. Auch sie spre­chen sich gegen die­sen gro­ßen Flä­chen­ver­brauch (ins­ge­samt soll das neue Gewer­be­ge­biet 180.000 qm umfas­sen) aus. So ein Werk braucht nie­mand. Bernd Fricke sprach der Initia­ti­ve Mut zu, da ähn­li­che Pro­jek­te in Wals­dorf und Sta­del­ho­fen ver­hin­dert wer­den konnten.

Revi­ta­li­sie­rung des Michelin-Geländes

Ein zen­tra­ler Punkt in der anschlie­ßen­den Sit­zung des Kreis­ta­ges war dann die Revi­ta­li­sie­rung des Miche­lin-Gelän­des in Hall­stadt. Ein Clean­tech Inno­va­ti­on Park als Kom­pe­tenz­zen­trum für res­sour­cen­ef­fek­ti­ve und nach­hal­ti­ge Tech­no­lo­gien soll auf dem Gelän­de errich­tet wer­den. Dazu soll eine Gesell­schaft gegrün­det wer­den mit den Betei­lig­ten: Miche­lin Rei­fen­wer­ke, Stadt Hall­stadt und Land­kreis Bam­berg. Miche­lin wird in die neue Gesell­schaft die gesam­ten Immo­bi­li­en ein­brin­gen, die Stadt Hall­stadt wird sich mit 14,5 Mil­lio­nen betei­li­gen und der Land­kreis mit 2,5 Mil­lio­nen ver­teilt auf 5 Jah­re. Bernd Fricke, Frak­ti­ons­spre­cher der Grü­nen, begrüß­te das Vor­ha­ben, dass vom Kreis­tag mit gro­ßer Mehr­heit beschlos­sen wur­de. Er sieht dar­in eine gro­ße Chan­ce neue zukunfts­fä­hi­ge Tech­no­lo­gien im die­sem Inno­va­ti­on Park zu eta­blie­ren, um den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess der Auto­mo­bil­zu­lie­fer­indu­strie in der Regi­on unter­stüt­zen. Dar­aus kön­nen dann neue Fir­men mit nach­hal­ti­gen, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Arbeits­plät­zen entstehen.

Seit Mit­te des Jah­res lau­fen bereits erste Abbruch­ar­bei­ten und Vor­be­rei­tun­gen. Die näch­sten Schrit­te wer­den die Errich­tung des Inno­va­ti­ons­zen­trums und des Krea­tiv­fo­rums sein. Sie sol­len den leben­di­gen Wis­sens- und Erfah­rungs­aus­tausch zwi­schen Wis­sen­schaft und Indu­strie ermög­li­chen, um inno­va­ti­ve Tech­no­lo­gien im Bereich Mobi­li­tät, Digi­ta­li­sie­rung, res­sour­cen­ef­fi­zi­en­te Pro­duk­ti­on und künst­li­che Intel­li­genz weiterzuentwickeln.

Bernd Fricke begrüß­te auch, dass Miche­lin für die iden­ti­fi­zier­ten 13 Alt­la­sten­ver­dachts­flä­chen auf eige­ne Kosten die Sanie­rung zuge­sagt hat. Als Geschäfts­füh­rer konn­te Herr Peter Kel­ler, bis­he­ri­ger Pro­jekt­lei­ter bei Miche­lin, gewon­nen wer­den. Ins­ge­samt sieht er die neue Gesell­schaft gut für die Zukunft aufgestellt.

Bericht aus dem Jugendkreistag

Der Anfang 2021 gegrün­de­te Jugend­kreis­tag stell­te sich erst­mals im Kreis­tag vor. Jugendkreistagssprecher:in Anto­nia Hahn und Ken Öztürk prä­sen­tier­ten ihre ersten im Jugend­kreis­tag beschlos­se­nen The­men unter dem Mot­to „Jugend gestal­tet unse­ren Land­kreis“: Sie wol­len eine Ver­net­zungs­platt­form ein­rich­ten, den Jugend­kreis­tag bekann­ter machen und die Zusam­men­ar­beit mit ande­ren poli­ti­schen Gre­mi­en ver­bes­sern. Außer­dem wol­len sie zusam­men mit dem Bil­dungs­bü­ro ein Kon­zept ent­wickeln, damit Jugend­li­che ihre Lehr­kräf­te im Umgang mit digi­ta­len Medi­en schu­len kön­nen. Die Grund- und Mit­tel­schu­le Bau­nach errich­tet in einem umfang­rei­chen Pro­jekt Hochbeete.

Bernd Fricke freu­te sich über den Taten­drang der jun­gen enga­gier­ten Jugend­kreis­tags­mit­glie­der und lud sie zu einem Treff ein, um sich mal aus­zu­tau­schen und bes­ser ken­nen zu lernen.

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