Erster „Coro­na-Spa­zier­gang“ in Pottenstein

Nach Eber­mann­stadt und Wai­schen­feld fand nun am Mitt­woch­abend auch in Pot­ten­stein ein so genann­ter „Coro­na-Spa­zier­gang“ in der Frän­ki­schen Schweiz statt. Es ist kurz nach 18 Uhr und schon dun­kel als sich 36 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer, dar­un­ter auch eini­ge Kin­der, vor dem Mini­golf­platz im Stadt­gra­ben tref­fen um zu ihrem Spa­zier­gang durch die Innen­stadt auf­zu­bre­chen. Die mei­sten kom­men aus Pot­ten­stein und Umgebung.

Brennende Grablichter auf den Rathaustreppen. Foto: Thomas Weichert

Bren­nen­de Grab­lich­ter auf den Rat­haus­trep­pen. Foto: Tho­mas Weichert

Eini­ge haben bren­nen­de Grab­lich­ter dabei die sie am Schluss nach etwa ein­ein­halb Stun­den auf die Rat­haus­trep­pen stel­len. Der Weg führt zunächst in die Haupt­stra­ße bis zum Eli­sa­be­then-Brun­nen wo auch Lie­der gesun­gen wer­den. Unter ande­rem das umge­tex­te­te Lied „Sag mir wo die Blu­men sind“ von Pete See­ger nach dem neu­en Text von Karin Jana Beck und Mat­thi­as Ger­ber das damit beginnt „Sag mir wo die Frei­heit ist? Wo ist sie geblie­ben?“ Berühmt wur­de das Lied „Sag mir wo die Blu­men sind“ durch Mar­le­ne Diet­rich. Die­ses Lied wird zum Bei­spiel auch bei den Coro­na-Spa­zier­gän­gen in Bay­reuth gesun­gen, sagt eine Teil­neh­me­rin die den Lied­text kopiert hat. Vom Markt­platz geht es wie­der zurück zum Mini­golf­platz, wo etwas dis­ku­tiert wird. Danach setzt sich der Zug der Demon­stran­ten gegen die Coro­na-Maß­nah­men und vor allem gegen eine dro­hen­de Impf­pflicht Rich­tung Jura­mar in Bewe­gung. Es geht über die Franz-Witt­mann-Gas­se wie­der zurück in den Stadt­gra­ben und von dort aus vor das zum End­punkt vor das Rat­haus wo wei­ter über die Coro­na-Maß­nah­men der Regie­rung dis­ku­tiert wird.

Diskussionen vor dem Pottensteiner Rathaus. Foto: Thomas Weichert

Dis­kus­sio­nen vor dem Pot­ten­stei­ner Rat­haus. Foto: Tho­mas Weichert

Eini­ge haben Ther­mos­kan­nen mit Glüh­wein mit­ge­bracht. Von Abstand hal­ten und Mas­ken­tra­gen kei­ne Spur. „Das selbst­stän­di­ge Han­deln und das Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl des Ein­zel­nen ist abhan­den gekom­men“, sagt ein Mann, der eben­so nicht genannt wer­den will wie alle ande­ren Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer. Ein Frau neben ihm ergänzt: „Die Grund­rech­te sind abge­schafft wor­den.“ „Wir sind wir, egal ob gespritzt oder nicht“, so ihre wei­te­re Aus­sa­ge. Ein wei­te­rer Mann neben ihr sagt, das die Spal­tung der Gesell­schaft außer anschei­nend den Poli­ti­kern kei­ner wol­le. Die Poli­ti­ker sei­en es, die sogar die Fami­li­en aus­ein­an­der­brin­gen wol­len, was er schon in sei­ner eige­nen Fami­lie leid­voll erlebt habe. Geimpf­te Fami­li­en­mit­glie­der wol­len mit ihm nichts mehr zu tun haben, weil er unge­impft sei. „Bei der Imp­fung läuft gera­de die drit­te Impf­pha­se und die Unge­impf­ten sind die Kon­troll­grup­pe“, sagt ein wei­ter Mann neben ihm, der offen­bar der Orga­ni­sa­tor des Tref­fens ist. Denn für die „Pot­ten­stei­ner Grup­pe“ habe er eine Grup­pe in Tele­gram gegrün­det. Wie die­se heißt ver­rät er auf Nach­fra­ge jedoch nicht. Man sei gegen die Spal­tung der Gesell­schaft, auch Geimpf­te sind bei uns herz­lich will­kom­men, erklärt er aber noch. Näch­sten Mitt­woch um die glei­che Zeit wer­de man wie­der­kom­men und zum zwei­ten Spa­zier­gang durch Pot­ten­stein auf­bre­chen, kün­digt er noch an. Schön wäre es, wenn dann noch mehr kämen.

Der Peg­nit­zer Poli­zei­chef Har­lad Düplois erklärt auf Anfra­ge unse­rer Zei­tung ledig­lich, das die Poli­zei von die­sem Tref­fen nichts gewusst habe. Die glei­che Aus­kunft kommt von Stadt­ge­schäfts­füh­rer Ger­hard Thiem-För­ster. „Wir haben davon nichts gewusst“, sagt Thiem-För­ster und ange­mel­det war bei der Stadt auch kei­ne Ver­an­stal­tung. Auf Nach­fra­ge beim Land­rats­amt Bay­reuth teilt Pres­se­spre­che­rin Karen Gör­ner-Gutt­ling mit: „Im Land­rats­amt Bay­reuth war die betref­fen­de Zusam­men­kunft nicht bekannt. Dem­entspre­chend kön­nen wir man­gels Sach­kennt­nis aktu­ell nicht ver­bind­lich fest­stel­len, ob es sich um eine Ver­samm­lung unter frei­em Him­mel nach Art. 8 Grund­ge­setz gehan­delt haben könn­te oder nicht.“ Für Ver­samm­lun­gen nach Art. 8 Grund­ge­setz besteht gemäß Art. 13 Bay­VersG eine Anzei­ge- und Mit­tei­lungs­pflicht. Sofern es sich bei der vor­be­zeich­ne­ten Zusam­men­kunft um eine eben­sol­che Ver­samm­lung gehan­delt hat, wäre die­se anzei­ge­pflich­tig gewe­sen. Aus­nah­men gibt es für Spon­tan- bzw. Eil­ver­samm­lun­gen. Das Land­rats­amt Bay­reuth wird den Vor­fall prüfen.

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