6.800 Men­schen im Kreis Kulm­bach pro­fi­tie­ren von 12 Euro Mindestlohn

Gewerk­schaft NGG: Ampel soll Erhö­hung rasch auf den Weg brin­gen – Neu­es Lohn-Mini­mum bringt Kauf­kraft von 10,5 Mil­lio­nen Euro pro Jahr

Wer wenig ver­dient, könn­te schon bald erheb­lich mehr im Porte­mon­naie haben: Die Ampel-Koali­ti­on in Ber­lin plant einen deut­lich höhe­ren gesetz­li­chen Min­dest­lohn von 12 Euro pro Stun­de – 2,40 Euro mehr als bis­lang. Allein im Land­kreis Kulm­bach wür­den davon 6.800 Men­schen pro­fi­tie­ren – das sind 20 Pro­zent aller Beschäf­tig­ten im Land­kreis. Dar­auf weist die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) hin und beruft sich auf eine Ana­ly­se des Pestel-Insti­tuts aus Han­no­ver. Danach arbei­ten im Kreis Kulm­bach der­zeit 1.500 Beschäf­tig­te zum Min­dest­lohn von aktu­ell ledig­lich 9,60 Euro pro Stun­de. Wei­te­re 5.300 Men­schen lie­gen zwar dar­über, ver­die­nen aber trotz­dem weni­ger als 12 Euro.

„Die ver­spro­che­ne Anhe­bung des Min­dest­lohns auf 12 Euro ist ein Mei­len­stein. Damit wer­den in der Regi­on die Ein­kom­men vie­ler Beschäf­tig­ter deut­lich stei­gen – ins­be­son­de­re in Hotels, Gast­stät­ten, Bäcke­rei­en oder Flei­sche­rei­en. Sie arbei­ten häu­fig zu Löh­nen, die zum Leben nicht rei­chen – auch weil Unter­neh­men aus­ge­han­del­te Tarif­ver­trä­ge unter­lau­fen“, sagt Micha­el Grundl, Geschäfts­füh­rer der NGG-Regi­on Oberfranken.

Die Gewerk­schaft NGG for­dert die neue Bun­des­re­gie­rung nun auf, die Erhö­hung des Min­dest­lohns rasch auf den Weg zu brin­gen. „Ziel von SPD, Grü­nen und FDP muss es sein, den 12-Euro-Stun­den­lohn in den ersten ‚100 Ampel-Tagen‘ hin­zu­be­kom­men. Vom Kell­ner bis zur Bäcke­rei­fach­ver­käu­fe­rin – wer jeden Cent zwei­mal umdre­hen muss, um sei­ne Mie­te bezah­len zu kön­nen, für den zählt jeder Monat“, betont Grundl. Die NGG hat­te sich schon seit Jah­ren für einen gesetz­li­chen Min­dest­lohn von 12 Euro starkgemacht.

Die Erhö­hung des Min­dest­lohns käme nicht nur Gering­ver­die­nern zugu­te, son­dern auch der regio­na­len Wirt­schaft: Nach Anga­ben des Pestel-Insti­tuts wür­de die Kauf­kraft im Land­kreis Kulm­bach um rund 10,5 Mil­lio­nen Euro pro Jahr stei­gen und den Unter­neh­men höhe­re Umsät­ze besche­ren. „Wer ohne­hin ein eher gerin­ges Ein­kom­men hat, kann meist nichts davon auf die hohe Kan­te legen. Damit fließt fast jeder Euro, den Min­dest­lohn-Beschäf­tig­te am Monats­en­de extra haben, in den Kon­sum. Ein Groß­teil davon wird vor Ort aus­ge­ge­ben. Beim Restau­rant- oder Kino­be­such – oder, um etwas Neu­es für den Haus­halt anzu­schaf­fen“, so Grundl.

Eine kräf­ti­ge Anhe­bung der Lohn­un­ter­gren­ze sei auch mit Blick auf die aktu­ell hohe Infla­ti­ons­ra­te wich­tig. „Wenn der Min­dest­lohn schnell auf 12 Euro klet­tert, dann hät­ten Beschäf­tig­te trotz der Preis­stei­ge­rung de fac­to deut­lich mehr in der Tasche“, erläu­tert der Gewerkschafter.

Der Chef der NGG-Regi­on Ober­fran­ken appel­liert an die hei­mi­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten, der geplan­ten Min­dest­lohn-Erhö­hung in Ber­lin zuzu­stim­men: „Dass nach einem jah­re­lan­gen Aus­ufern des Nied­rig­lohn­sek­tors Men­schen wie­der bes­ser von ihrer Arbeit leben kön­nen, soll­te kei­ne Fra­ge des Par­tei­buchs sein. Es ist in einem rei­chen Land wie Deutsch­land überfällig.“

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