25 Jah­re Ver­trags­na­tur­schutz Mit­wit­zer Teiche

Markus Wich (Büroleiter des Landrats), Christian Holoch, Landrat Klaus Löffler und Markus Martini. Foto: LRA
Markus Wich (Büroleiter des Landrats), Christian Holoch, Landrat Klaus Löffler und Markus Martini. Foto: LRA

Beson­de­re Land­schafts­be­stand­tei­le, Bio­to­pe und Natur­schön­hei­ten erfül­len vie­le Funk­tio­nen und die­se zu erhal­ten, ist im Inter­es­se aller. Um den Schutz zu gewähr­lei­sten, kön­nen einer­seits Ver­ord­nun­gen erlas­sen wer­den. Ande­rer­seits ist es noch ele­gan­ter, den Schutz koope­ra­tiv mit Eigen­tü­mern und Bewirt­schaf­tern zu gewähr­lei­sten. Das Ver­trags­na­tur­schutz­pro­gramm prägt die­sen koope­ra­ti­ven Natur­schutz in Bayern.

Die­se beson­de­re Art des Natur­schut­zes wird bei den Mit­wit­zer Tei­chen gepflegt. Hier wur­de vor 25 Jah­ren die erste Ver­ein­ba­rung im Rah­men des Ver­trags­na­tur­schutz­pro­gramms zwi­schen dem Eigen­tü­mer, der Cramer-Klett’schen Forst­ver­wal­tung Mit­witz, und der unte­ren Natur­schutz­be­hör­de getrof­fen und seit­dem immer wie­der ver­län­gert. Land­rat Klaus Löff­ler nahm die­ses Jubi­lä­um zum Anlass, die Teich­an­la­gen selbst zu besich­ti­gen und mit den Bewirt­schaf­tern in Erfah­rungs­aus­tausch zu tre­ten. Sein Resü­mee: „Die exten­si­ve Teich­be­wirt­schaf­tung in und um Mit­witz ist nicht nur aus natur­schutz­recht­li­cher Sicht eine Erfolgs­ge­schich­te. Im gegen­sei­ti­gen Mit­ein­an­der kann sich so die Natur in all ihren Facet­ten ent­fal­ten und viel­fäl­ti­ge, natür­li­che Lebens­be­rei­che zurück­er­obern. Ande­rer­seits wer­den kost­ba­re regio­na­le Lebens­mit­tel bester Qua­li­tät wie Karp­fen und Schlei­en erzeugt. Es lohnt sich also, für den not­wen­di­gen Pfle­ge­auf­wand und die Ertrags­ein­bu­ßen, hier Gel­der einzusetzen.“

Bei dem Tref­fen for­mu­lier­te Chri­sti­an Holoch von der Forst­wirt­schaft­li­chen Güter­ver­wal­tung Mit­witz: „Wir prak­ti­zie­ren hier Natur­schutz auf Augen­hö­he mit einem gemein­schaft­li­chen Ziel.“ Das Forst­gut Mit­witz hat vor rund zwei Jah­ren mit dem Forst­be­trieb auch die Tei­che erwor­ben. Die neue Eigen­tü­mer­fa­mi­lie küm­mert sich wei­ter um den Erhalt der Teich­wirt­schaft an den Mit­wit­zer Tei­chen und sieht den Ver­trags­na­tur­schutz als den rich­ti­gen Weg.

Mit dem Baye­ri­schen Ver­trags­na­tur­schutz­pro­gramm (VNP) wer­den öko­lo­gisch wert­vol­le Lebens­räu­me, die auf eine beson­ders natur­scho­nen­de Bewirt­schaf­tung ange­wie­sen sind, erhal­ten und gepflegt. Part­ner aus der Teich­wirt­schaft sind eher eine Sel­ten­heit, auch im Land­kreis Kro­nach sind geeig­ne­te Tei­che rar. Lan­des­weit liegt der Anteil von die­sem Bereich bei den Ver­trags­na­tur­schutz­pro­gram­men nur bei einem Prozent.

Seit dem Jahr 1996 wer­den die Mit­wit­zer Tei­che nach den Kri­te­ri­en vom VNP exten­siv bewirt­schaf­tet und fol­gen somit dem Prin­zip „Schüt­zen durch Nüt­zen“. Aktu­ell trifft dies auf 14 Tei­che mit einer Flä­che von ca. 25 Hekt­ar. „Beim Regi­na­see, ein nähr­stoff­ar­mer Wald­teich mit sel­te­nem Über­gangs­moor, wur­de ein kom­plet­ter Nut­zungs­ver­zicht ver­ein­bart“, infor­mier­te Mar­kus Mar­ti­ni von der unte­ren Natur­schutz­bör­de. Bei den übri­gen 13 Tei­chen ver­zich­ten die Teich­wir­te auf Zufüt­te­rung, das heißt die Fische ernäh­ren sich vom natür­li­chen Nah­rungs­an­ge­bot des Gewäs­sers, ver­gleich­bar einer Wei­de­wirt­schaft. Wie Holoch aus­führ­te, wür­den in der nor­ma­len Teich­wirt­schaft die Karp­fen nach drei Jah­ren Spei­se­grö­ße errei­chen, bei exten­si­ver Zucht daue­re dies vier bis fünf Jah­re. Dafür sei das Fleisch fester und hat eine leich­te röt­li­che Färbung.

Zehn der 14 Teich ste­hen zudem unter Natur­schutz, was die hohe Wer­tig­keit der Tei­che zeigt. Für die­se gel­ten Ein­schrän­kun­gen in der Bewirt­schaf­tung und zum Teil sogar im Betre­tungs­recht, um beson­ders stö­rungs­emp­find­li­che Arten zu schüt­zen. Ins­be­son­de­re die Vogel­welt reagiert in der Brut­zeit sehr emp­find­lich auf sich nähern­de Hun­de. Frei­zeit­nut­zer sol­len sich daher bit­te an Wege hal­ten und Schutz­ge­bie­te nicht betreten.

Die Tei­che wur­den ursprüng­lich künst­lich ange­legt. Ihre Geschich­te geht bis ins Jahr 1420 – hier wur­de der „Gro­ße See“, heu­ti­ger Brei­ten­see erst­mals erwähnt – zurück. Sie prä­gen die histo­ri­sche Kul­tur­land­schaft im Bereich Mit­witz. Ohne die Bewirt­schaf­tung und Pfle­ge der Anla­gen wür­den die Teich­däm­me Scha­den erlei­den, das Was­ser abflie­ßen und es wür­de Wald auf den Flä­chen ent­ste­hen. Die Tei­che wur­den 2004 als Kul­tur­gut ausgewiesen.


Info

Der Hai­ger See wur­de bereits 1985 als geschütz­ter Land­schafts­be­stand­teil im Land­kreis Kro­nach unter Natur­schutz gestellt. Zie­le der Unter­schutz­stel­lung sind der Erhalt einer öko­lo­gi­schen Aus­gleichs­flä­che in der Agrar­land­schaft sowie der Schutz der dort vor­kom­men­den sel­te­nen Vogel­ar­ten und den Lebens­raum der Tie­re, ins­be­son­de­re die Vege­ta­ti­ons­struk­tur zu bewah­ren. Aktu­ell fin­den Arbei­ten am Damm im Süden des Hai­ger Sees statt, da der Damm undicht war. Der Ein­griff ist erheb­lich, aber für die Erhal­tung des Sees unbe­dingt not­wen­dig. Im Ver­lauf des Win­ters soll zudem ein Teil der Ver­lan­dung ent­fernt wer­den, um den Lebens­raum für Was­ser­vö­gel zu opti­mie­ren und die Vögel wäh­rend der Brut vor Fress­fein­den zu schützen.

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