BN Bam­berg: „Koali­ti­ons­ver­trag der zukünf­ti­gen Ampel­re­gie­rung ist Auf­bruchs­si­gnal für die Energiewende“

Windräder im Landkreis Bamberg
Windräder im Landkreis Bamberg

BUND Natur­schutz Bam­berg lobt den geplan­ten Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien. Auch die Regi­on Bam­berg kann davon pro­fi­tie­ren. Aus­sa­gen zur Ener­gie­ein­spa­rung wer­den vermisst.

Der BUND Natur­schutz Bam­berg (BN) sieht in dem vor einer Woche vor­ge­stell­ten Koali­ti­ons­ver­trag der zukünf­ti­gen Ampel­re­gie­rung ein Auf­bruchs­si­gnal für die Ener­gie­wen­de in Deutsch­land, die in den letz­ten Jah­ren sehr aus­ge­bremst wur­de. Mar­tin Bücker, Vor­sit­zen­der des BN Bam­berg meint dazu: „Vie­les was jetzt im Koali­ti­ons­ver­trag steht, ist mei­len­weit bes­ser als alles, was in den 16 Jah­ren Mer­kel-Regie­rung her­vor­ge­bracht wur­de.“ Für vie­le der nun geplan­ten Maß­nah­men hat­te sich der BN Bam­berg vor der Bun­des­tags­wahl mit sei­ner Kam­pa­gne „Bun­des­tags­wahl ist Kli­ma­wahl“ stark gemacht. Die Ver­spre­chun­gen in der Koali­ti­ons­ver­ein­ba­rung müs­sen jetzt aller­dings kon­se­quent und schnell in wirk­sa­me Geset­ze umge­setzt wer­den. Und die Regi­on Bam­berg soll­te die Chan­cen, die sich dar­aus für die Nut­zung von Wind­kraft und Pho­to­vol­ta­ik erge­ben, zügig ergreifen.

Die Umwelt­schüt­zer loben beson­ders den geplan­ten star­ken Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien. Dabei sind 2 Pro­zent der Flä­che für Wind­kraft vor­ge­se­hen und Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen sol­len bei Neu­bau­ten Pflicht bezie­hungs­wei­se die Regel sein. „Dadurch könn­te beim Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien eine drin­gend nöti­ge Dyna­mik ent­ste­hen“, hofft Erich Spran­ger, Ener­gie­ex­per­te beim BN Bam­berg. Posi­tiv sei auch, dass Bür­ger­en­er­gien geför­dert wer­den sol­len und es Aus­nah­men bei der Aus­schrei­bungs­pflicht für klei­ne­re Pro­jek­te geben soll. Eben­falls begrüßt wird die geplan­te Been­di­gung der Koh­le­kraft bis 2030 und die zügi­ge Been­di­gung des fos­si­len Ver­bren­ners für Autos.

Auf die Regi­on Bam­berg bezo­gen bedeu­tet das 2 Pro­zent-Flä­chen­ziel für den Wind­kraft­aus­bau, dass die 10H-Rege­lung kei­nen Bestand mehr haben wird. Die­se hat den Wind­kraft­aus­bau bis­her durch über­zo­ge­ne Abstand­vor­schrif­ten aus­ge­bremst. Durch eine Auf­he­bung könn­ten im Land­kreis Bam­berg in den bestehen­den Wind­vor­rang­ge­bie­ten end­lich neue Anla­gen gebaut wer­den. Spran­ger emp­fiehlt den Gemein­den hier pro­ak­tiv tätig zu wer­den und auf den Wind­vor­rang­flä­chen nach eige­nen Vor­stel­lun­gen und unter Betei­li­gung der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger Wind­kraft­an­la­gen zu errich­ten. Da die bereits aus­ge­wie­se­nen Vor­rang­flä­chen im Land­kreis nicht aus­rei­chen, müs­sen auch neue aus­ge­wie­sen wer­den. Der BN sieht hier vor allem Poten­ti­al auf dem Jura in den Gemein­den Sta­del­ho­fen, Königs­feld und Hei­li­gen­stadt sowie auf den Höhen­zü­gen im west­li­chen Landkreis.

Wei­ter­hin emp­fiehlt der BN den Gemein­den schon jetzt Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen soweit mög­lich ver­pflich­tend bei Neu­bau­ten vor­zu­schrei­ben. „Wir sind es leid, bei unse­ren Stel­lung­nah­men zu Bebau­ungs­plä­nen immer wie­der auf die feh­len­de PV-Pflicht hin­zu­wei­sen. So begrü­ßen wir es sehr, dass die neue Bun­des­re­gie­rung Pho­to­vol­ta­ik bei Neu­bau­ten vor­schrei­ben bezie­hungs­wei­se. zur Regel machen will“, kom­men­tiert Spranger.

Für das geplan­te Hoch­fah­ren der E‑Mobilität muss eine aus­rei­chen­de Infra­struk­tur mit E‑Ladesäulen geschaf­fen wer­den. „Hier sehen wir erheb­li­chen Nach­hol­be­darf in der Stadt aber auch in den Land­kreis-Gemein­den. Bei sämt­li­chen Stra­ßen­bau­ar­bei­ten und bei den öffent­li­chen Park­plät­zen in der Stadt, aber eben­so in den Gemein­den müs­sen unbe­dingt öffent­li­che E‑Ladesäulen mit­ge­dacht und in gro­ßem Umfang instal­liert wer­den“, for­dern die BN-Vertreter.

Neben den genann­ten posi­ti­ven Impul­sen für die Ener­gie­wen­de sieht der BN Bam­berg im Koali­ti­ons­ver­trag auch deut­li­che Schat­ten­sei­ten. Prin­zi­pi­ell bre­che die Ampel nicht mit der Wachs­tums­lo­gik des immer „schnel­ler, höher und wei­ter“. So wer­de auch unse­re größ­te Ener­gie­quel­le, die Ener­gie­ein­spa­rung, mit kei­nem Wort erwähnt.

Bücker bewer­tet den Ver­kehrs­be­reich beson­ders kri­tisch: „Eine Ver­kehrs­wen­de ist nicht zu erken­nen.“ Wei­ter­hin feh­le eine Erhö­hung des CO2-Prei­ses über das zu zag­haf­te Niveau, das bereits die alte Bun­des­re­gie­rung fest­ge­legt hat­te, hin­aus. Auch sei nicht vor­ge­se­hen, die umfang­rei­chen Sub­ven­tio­nen für fos­si­le Ener­gien zu beenden.

Ins­ge­samt lie­fern die im Koali­ti­ons­ver­trag fest­ge­leg­ten Zie­le und Maß­nah­men nicht den Pfad zum 1,5°C Ziel. „Eine durch­schnitt­li­che Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung um 1,5°C wird auf der Erde schon um das Jahr 2030 über­schrit­ten sein. Da kom­men die Kli­ma­schutz­zie­le ´Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2045‚und ´80 Pro­zent Öko­strom bis 2030‚ deut­lich zu spät“, mahnt Spranger.

Trotz die­ser Kri­tik­punk­te zie­hen die Umwelt­schüt­zer ein ins­ge­samt posi­ti­ves Fazit: „Der Ampel-Koali­ti­ons­ver­trag wird das Aus­brem­sen der Ener­gie­wen­de der letz­ten Jah­re been­den und damit einen erheb­li­chen Bei­trag für wirk­sa­men Kli­ma­schutz leisten.“

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