Bam­ber­ger Orts­grup­pe „OMAS GEGEN RECHTS“ demon­strier­te in Wunsiedel

Pres­se­mit­tei­lung der „Omas gegen Rechts“:

Am 13.11.2021 haben wir uns mit unse­rer Bam­ber­ger Orts­grup­pe „OMAS GEGEN RECHTS“ auf den Weg nach Wun­sie­del gemacht, um unse­ren Unmut gegen den men­schen­ver­ach­ten­den, dis­kri­mi­nie­ren­den und ekel­er­re­gen­den Auf­marsch zum „Hel­den­ge­den­ken“ der faschi­sti­schen Orga­ni­sa­ti­on „Der Drit­te Weg“ zum Aus­druck zu brin­gen. Wie der Name unse­res Bünd­nis­ses sagt, sind wir bereits erwach­se­ne Staats­bür­ger, die seit vie­len Jahr­zehn­ten zu die­sem Staat ste­hen. Als sol­che treibt uns die Sor­ge um die­ses Staats­we­sen mit sei­nen frei­heit­li­chen Wer­ten, die zuneh­mend durch rech­te Umtrie­be attackiert oder aus­ge­höhlt wer­den. Sei es bei brau­nen Fackel­mär­schen, Pegi­da-Demon­stra­tio­nen oder Quer­den­ker­an­samm­lun­gen, immer geht es um Destruk­ti­vi­tät in Form von Aus­gren­zung und Diskreditierung.

Wenn unser Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er zeit­gleich eine Sprach­lo­sig­keit gegen­über der Bun­des­wehr beklagt, ist es doch gera­de­zu ver­hee­rend, dass heu­ti­ge Natio­nal­so­zia­li­sten, wie jetzt in Wun­sie­del, unbe­hel­ligt Ehren­ma­le für die Ver­klä­rung von Kriegs­ver­bre­chern und Mas­sen­mör­dern miss­brau­chen dür­fen. Nicht jeder, dem die­ses Ehren­mal gewid­met ist, muss zwin­gend ein Nazi oder Kriegs­ver­bre­cher gewe­sen sein. Wenn heut­zu­ta­ge über­haupt noch der schwie­ri­ge Begriff des Hel­den­ge­den­kens, wel­cher Art auch immer, gesell­schaft­li­che Akzep­tanz fin­den soll, dann bedarf es wirk­lich schärf­ster Abgren­zung gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Die Idee jeg­li­cher Hel­den­haf­tig­keit ver­sinkt doch sonst in brau­nem Sumpf. Also: was geschieht hier eigent­lich in Wunsiedel?
Die Bür­ger von Wun­sie­del haben doch etwas vor­zu­wei­sen und machen tol­le Aktio­nen, um die Nazis aus ihrem Stadt­ge­biet zu verdrängen.

Am 13.11.2021 konn­ten wir eine unver­gess­li­che poli­zei­li­che Sozi­al­kun­de­stun­de erle­ben. Mit vie­len enga­gier­ten, zuvor­kom­men­den und freund­li­chen jun­gen Men­schen, die sich um die poli­ti­sche Zukunft die­ses Lan­des sor­gen, wur­den wir von einem immensen Poli­zei­auf­ge­bot ein­ge­kes­selt und an der Nase her­um­ge­führt. Für die Gegen­de­mo hat­te es die Zusa­ge eines kur­zen Kon­takts in Sicht und Hör­wei­te gege­ben. Damit hät­te die Poli­zei unser Recht auf eine wahr­nehm­ba­re Gegen­de­mo gewahrt. Wir harr­ten stand­haft aus, um dann nach ca. andert­halb Stun­den hören zu müs­sen, dass der Drit­te Weg „über­ra­schen­der­wei­se“ von der Poli­zei einen vier­ten Weg gewie­sen bekom­men hat­te und wir somit unser Demon­stra­ti­ons­recht durch staat­li­ches Han­deln gebeugt sahen. Das ist ärger­lich, schafft wenig Ver­trau­en, man fühlt sich hin­ters Licht geführt und auf eine mie­se Art ausgetrickst.

Kann das wirk­lich in unse­rem gemein­sa­men Inter­es­se sein, wenn hier die Poli­zei als Schutz­macht für Neo­na­zi­um­trie­be auf­tritt? Übri­gens: Wir Omas woll­ten die Nazis gar nicht ver­hau­en, nur unse­rer staats­bür­ger­li­chen und mora­li­schen Pflicht nach­kom­men und zumin­dest aku­stisch dem Drit­ten Weg unse­re Gegen­po­si­ti­on hör­bar machen. Letzt­lich geht es uns dar­um, gegen eine Wie­der­her­stel­lung eines ver­bre­che­ri­schen Systems aufzutreten.

Man fühlt sich ver­höhnt und ver­ra­ten, wenn man die­sen Pro­test in einer klei­nen Neben­stra­ße in einem Wohn­ge­biet „erle­di­gen“ darf. Unse­re Demon­stra­ti­on ist ver­un­mög­licht worden.

Das Poli­zei­auf­ge­bot war beein­druckend, und wir wür­den uns viel­mehr wün­schen, dass unse­re Steu­er­gel­der für Kin­der, für Men­schen aller Art, Schu­len, Gesund­heits­we­sen, Stra­ßen, Kul­tur und Kli­ma­schutz ein­ge­setzt wer­den und nicht zum Schutz von Nazi­ver­an­stal­tun­gen, indem man die Gegen­de­mon­stran­ten ein­kes­selt und ins Lee­re lau­fen lässt. Das schafft Frust!

Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass nach den NSU Mor­den, dem Mord an Wal­ter Lübcke, Hanau und Hal­le sowie dem abso­lut ent­setz­li­chen Tod von Oury Jal­loh genug grau­en­haf­te Din­ge pas­siert sind? Die­se Todes– und Gewalt­li­ste könn­te man lei­der unend­lich weiterführen.

Wie­viel Rechts­beu­gung ist da pas­siert, und war sie nicht auch im Klei­nen beim poli­zei­li­chen Han­deln in Wun­sie­del zu besich­ti­gen, indem man unser Recht auf Gegen­de­mon­stra­ti­on gebeugt hat?

Auch das Ver­las­sen der Demo war nicht ohne wei­te­res mög­lich: es muss­te erst geklärt wer­den, ob „OMAS GEGEN RECHTS“ den Poli­zei­kes­sel ver­las­sen dür­fen, und als Krö­nung wur­den wir unver­schäm­ter­wei­se auch noch die gan­ze Zeit von der Poli­zei gefilmt.

Übri­gens zur Klar­stel­lung: wir sind nicht an Ran­da­le und Aus­schrei­tun­gen inter­es­siert. Viel­mehr mei­nen wir, dass unse­re Gesell­schaft eine gut funk­tio­nie­ren­de Poli­zei und Justiz braucht. Des­halb sind wir eini­ger­ma­ßen von die­sem Erleb­nis erschüt­tert. Ohne­hin sind wir sehr besorgt wegen der stän­di­gen Ent­hül­lun­gen von rechts­ra­di­ka­len Schwach­stel­len bei Poli­zei, Ver­fas­sungs­schutz und Bun­des­wehr. Auch ein Herr Maaßen konn­te da unge­stört auf­stei­gen, wur­de fürst­lich bezahlt, und kann sein Gedan­ken­gut wei­ter­hin in sei­ne „Kar­rie­re“ einbringen.

Inter­es­sant ist die Bericht­erstat­tung in der Pres­se. Da kann man sehr deut­li­che Bil­der der rech­ten Kund­ge­bung sehen. Die Herr­schaf­ten kön­nen sich sehr frei bewe­gen, sind im Gegen­satz zu uns nicht eng­ma­schig ein­ge­kes­selt und die Poli­zei hält einen groß­zü­gi­gen Abstand ein. Woll­te man hier die andäch­ti­ge, gute, völ­ki­sche Stim­mung zu Wag­ner­klän­gen nicht so ger­ne stö­ren? Auch von ver­nehm­li­chen Heil-Rufen war zu lesen, ist das in Deutsch­land nicht sogar ein Straftatbestand?

Natür­lich sind wir als älte­re gestan­de­ne Per­sön­lich­kei­ten nicht so leicht zu ver­schrecken und wer­den selbst­ver­ständ­lich jun­gen enga­gier­ten Men­schen wei­ter­hin bei unse­ren gemein­sa­men, wich­ti­gen Anlie­gen bei­ste­hen. Unser Wunsch ist, unse­re Kin­der und Enkel­kin­der in einer offe­nen, wert­schät­zen­den und men­schen­freund­li­chen Gesell­schaft auf­wach­sen zu sehen.

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